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Sie sind hier: EnBauSa Blog > Dämmung & Fassade > Vom Platz am Feuer zum Plus-Energie-Haus

Es ist noch gar nicht so lange her, da war das durchschnittliche Wohnhaus technisch noch nicht so weit weg vom Platz am Lagerfeuer: Eine nur mäßig effiziente Feuerungsanlage, ein Schornstein der dank hoher Abgastemperatur ordentlich zog und eine Gebäudehülle, die die Wärme über Transmission und Konvektion nur so herausschleuderte. Aber seitdem Energie richtig Geld kostet und die fossilen Quellen immer erkennbarer knapp werden, ist in wenigen Jahren alles anders geworden –  von der ersten zaghaften Wärmeschutzverordnung über diverse Stufen der EnEV nähern wir uns dem rechnerischen Nullverbrauch an.

Um in diesem Wettbewerb überhaupt noch zu punkten, muß man die unsichtbare Linie überspringen, vom Energieverbrauch zum Energieüberschuß, je nach verbaler Fantasie. Dann ein Energie-Gewinn-Haus oder Plusenergiehaus planen und bauen. Aber wie kommt man da hin, welche Wege gibt es, wo lauern Fallen? Und wo werden bloß Nebelkerzen gezündet?

Grundsätzlich benötigt jedes Wohnhaus erst mal Energie für die Raumwärme, für die Erzeugung von warmem Wasser, für Beleuchtung und technische Geräte vom Herd über Fernseher, PC etc. Andererseits können Gebäudebestandteile in der Umwelt vorhandene Energie einfangen und nutzbar machen.

Die Abnahme dieser Energie kann idealerweise direkt zum Zeitpunkt der „Erzeugung“ geschehen, alternativ vor Ort gespeichert und bei zeitversetztem Bedarf abgerufen werden oder als Variante davon in ein Netz eingespeist werden, damit sie von anderen Verbrauchern genutzt werden kann. Die dabei entstehende Energiegutschrift kann man dann bei eigenem Bedarf wieder ausgleichen.

Das Problem bei der direkten Nutzung ist, dass die eigene Energieproduktion nur sehr begrenzt zeitlich und mengenmäßig zusammenfällt mit dem eigenen Bedarf.

Das Eigennutzen und Verwalten der im Plusenergiehaus erzeugten (bzw. eingefangenen) Energie erfordert einen hohen technischen Aufwand. Insofern ist es natürlich verlockend, diesen Aufwand zu minimieren, indem man den selbst erzeugten Strom aus Fotovoltaik zunächst ins Netz verkauft und bei Bedarf dann von dort  Strom kauft. Allerdings verschiebt man damit nur die ganzen Probleme der Speicherung und Verteilung der Energie auf das öffentliche Netz.

Es ist also zwar ein bequemer aber kein nachhaltiger Weg, sich beim Plusenergiehaus nur auf die Energieerzeugung zu stürzen und so ein energetisch grundsätzlich schlechteres Haus über ganz viel Einspeisung schönzurechnen. So etwas in der Breite angewendet erzeugt unnötige und schwer zu managende Lastspitzen im Netz, was ja auch dazu führt, dass bei der Fotovoltaikförderung immer mehr der Focus auf einem angemessenen Eigenverbrauchsanteil liegt.

Es ist also auf jeden Fall erforderlich, die Aufgaben zuerst am Gebäude zu lösen: den Energiebedarf intelligent zu senken und zeitlich zu steuern. Daraus ergibt sich auch eine kompaktere Energieerzeugung und Speicherung, ein größerer Eigenverbrauchsanteil und eine begrenzte Belastung des Netzes als Puffer.

Was die Langzeitspeicher im Wärmebereich angeht, habe ich so meine Zweifel, ob das wirklich zu jahreseitlichen Speicherungen führt. Die haushohen Wärmespeicher mitten im sogenannten Sonnenhaus werden trotz guter Dämmung ihre Wärme in das Haus rundherum abgeben und den sommerlichen Wärmeschutz ad absurdum führen. Wie viel von der im Winter benötigten Energie tatsächlich aus der aus dem Sommer herübergeretteten Solarwärme kommt und wie viel tatsächlich aus dem fleissig beheizten wassergeführten Kaminofen – wirklich verlässliche Zahlen dazu liegen mir nicht vor.

Auch die Variante mit dem Erdspeicher hat so seine Tücken. Gedämmt wird der vor allem nach oben, aber bleibt die Wärme wirklich statisch unter der gedämmten Fläche oder gibt es vielleicht – wie bei Erdsonden für die Wärmepumpe sonst gern gesehen – einen Grundwasserstrom der die Wärme weitertransportiert? Schon der Regenwassereintrag sorgt ja normalerweise für den Wärmeeintrag ins Erdreich, aber auch der würde hier das Speicherergebnis buchstäblich verwässern.

Für so einen Erdspeicher brauche ich auf jeden Fall eine Wärmepumpe, um die Quellentemperatur auf ein nutzbares Niveau zu heben und am Ende kann niemand mehr nachweisen, ob die Wärme aus der Erde nur die normale Erdwärme ist, oder tatsächlich die „Aufgeladene“ aus der sommerlichen Einspeisung.

Am Ende ganz viele Fragezeichen und Zweifel, aber auch pragmatische Lösungsansätze die tatsächlich funktionieren, ohne die Bewohner umerziehen zu wollen: Meine Vorzugsvariante ist ein Haus, das erst einmal von der Gebäudehülle her optimal wärmegedämmt ist, die Wärme über eine Wärmepumpe erzeugt und über wassergeführte Bauteilaktivierungen ein ausreichend träges System ergibt, das stabil auf Solltemperatur gehalten werden kann. Über die erhebliche Trägheit der aktivierten Bauteile kann die Wärmepumpe dann einen hohen Anteil des fotovoltaisch erzeugten Stroms nutzen, ohne dass es zu kurzfristiger Überheizung des Hauses kommt – also keinen billigen Nachtstrom mehr für die Wärmepumpe , sondern kostenloser Tagstrom von der Sonne, praktisch keine „Nachtspeicherheizung“ sondern eine „Tagspeicherheizung“.

Eine dafür gut abgestimmte Fotovoltaikanlage aufs Dach, die noch einigen Überschuß ins Netz abgeben kann. Solarthermie dann nur noch für den relativ kleinen Warmwasserbedarf und nur mit minimiertem technischen Aufwand, gegebenenfalls  Thermosiphonprinzip – eine Überschneidung der Kurven des solaren Ertrages mit der jahreszeitlichen Heizlastkurve ist eher theoretisch.

Das muß gar nicht futuristisch wirken, lässt sich eigentlich mit relativ normal erscheinenden Gebäuden realisieren, völlig unaufgeregt, man muß nur ein bisschen aus den ausgetretenen Pfaden heraustreten… – leider aber auch immer noch aus den normalen Finanzierungspfaden. Es ist natürlich immer noch teurer, als das Standardhaus, das die Bank dem normalverdienenden Kunden finanzieren mag.

Die vielen bekannten Geschichten über schlecht funktionierende, weil falsch konzipierte Energiesparhäuser lassen auch keinen Banker glauben, was da nun alles im Betrieb billiger sein soll. So bleibt das Plusenergiehaus bis zum großen Umdenken der Finanzierer ein Steckenpferd für die eher besser Verdienenden, die sich die Ökologie leisten können und mögen.

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