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„Ich kann das Wort Wirtschaftlichkeit nicht mehr hören….“: So antworten ärgerliche Referenten manchmal, wenn sie nach der Wirtschaftlichkeit ihres Energiesparprojektes gefragt werden – um dem eingeschüchterten Fragesteller dann bereitwillig zu erläutern, dass die monetäre Wirtschaftlichkeit für Energiesparmaßnahmen eigentlich eine falsche Betrachtungsweise sei. Schließlich würden – um zwei Beispiele herauszugreifen – viele Menschen bei der Ausstattung des neuen Badezimmers 2.000 Euro für besondere Fliesen bezahlen, oder 5.000 Euro für eine weite Urlaubsreise ausgeben, beides höchst unwirtschaftliche Investitionen. Man müsse die Energieeinsparung also nur wollen.

Leider verwechseln die Fachleute hier die monetäre Wirtschaftlichkeit mit der übergeordneten Gesamtwirtschaftlichkeit. Besondere Fliesen sind für einen Wohnungsbesitzer sehr wohl wirtschaftlich, genauso wie die Weltreise für den gestressten Büroangestellten, denn Wirtschaftlichkeit bedeutet verallgemeinert, dass der Nutzen den Aufwand überwiegt. Bei den Badezimmerfliesen liegt der Nutzen im ästhetischen Bereich, während die Reise ihren Nutzen aus dem Erlebniswert bezieht. Wichtig ist, dass auch solche, scheinbar ganz anderen Vorzüge mit Geldmaßstäben gemessen werden. Würden die Fliesen 200.000 Euro, der Urlaub 300.000 Euro kosten, dann sänke die Zahl der Käufer sehr schnell gegen Null.

Eine Investitionsentscheidung wird dann getroffen, wenn die Bilanz aller Arten von Nut­zen und Aufwand positiv ausfällt, das heißt, wenn der Gesamtnutzen den Gesamt­aufwand über­wiegt. Die verschiedenen Arten von Nutzen und Aufwand werden dabei, abhängig von der Art der Investition und den Prioritäten des Entscheiders, unterschiedlich bewertet.

Für Energiesparmaßnahmen gilt, dass sie überwiegend aus Gründen der Vernunft realisiert werden. Dementsprechend finden auch die rationalen Arten von Nutzen, also die Energie- und Heizkosteneinsparung, sehr starke Beachtung. Der monetäre Nutzen wird in der Regel als Basisnutzen betrachtet, der schwer bewertbare Imagenutzen dagegen als zweitrangiger Zusatznutzen. Hinzu kommt der Zusatznutzen Versorgungssicherheit.

Bei Maßnahmen, die ein Gebäude auch gestalterisch verbessern, kann weiterhin der ästhetische Nutzen oder Imagenutzen hoch sein und sich zum Beispiel in der besseren Vermietbarkeit eines Gebäudes auch monetär ausdrücken. Positiv, aber meist weniger relevant bei einer Investitionsentscheidung, wirkt sich der ethische Nutzen aus, der durch Verringerung von  Emissionen und Umweltbelastung entsteht und damit die von der Allgemeinheit zu tra­genden Schäden verringert.

Eine Transformation der nichtmonetären Arten von Nutzen in Geldwert ist von den individuellen Prioritäten des Investors abhängig und entzieht sich weitgehend einer objektivierbaren Quantifizierung. Dennoch wird jeder Investor stets seinen individuellen Vergleich zwischen Gesamtaufwand und Gesamtnutzen anstellen. Monetär unwirtschaftliche Maßnahmen können aufgrund dieser Gesamtbetrachtung wirtschaftlich sinnvoll werden, wenn der nichtmonetäre Nutzen den monetären Aufwand überwiegt. Und damit wären wir wieder bei den Fliesen, aber jetzt mit dem Wissen im Hinterkopf, dass auch hier eine Wirtschaftlichkeitsbetrachtung stattgefunden hat.

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4 Antworten auf “Wirtschaftlichkeit spielt immer eine Rolle”

  1. B. v. Wolf-Zdekauer am 2. April 2010 um 20:18

    …wenn ich noch einen wesentlichen Nutzen hinzufügen dürfte: Den funktionalen Nutzen. Dieser Nutzen durch spürbare Komfort- und Behaglichkeitssteigerung schlägt sich meist nicht eins-zu-eins in einer Wertsteigerung nieder. Außerdem ist hier das „DELTA“ entscheidend. Wird eine Wohlfühlatmosphäre erreicht, wo vorher extreme Strahlungstemperaturassymmetrie und Luftzug herrschte, kann sich auch ein recht hoher Aufwand rechtfertigen lassen, der sich monetär evtl. nicht amortisiert. Auch würde ich den Willen des Verbrauchers nicht außer acht lassen: Wenn ich Energie sparen will oder mich wohlfühlen will, ist das gleichzusetzen mit einem Willen in den Urlaub zu fliegen. Dem Willen setzt lediglich das Budget Grenzen, egal wofür ich das Geld investiere.
    Um Verwirrungen zu vermeiden: Für das Verhältnis zwischen Aufwand und Nutzen – der viele „Gesichter“ haben kann – würde ich eher den Begriff Effizienz verwenden. Während die Wirtschaftlichkeit das reine Aufrechnen von Ausgaben gegenüber Gewinnen darstellt. Daher kann eine Investition zwar nicht unbedingt wirtschaftlich sein, wohl aber effizient! In diesem Sinne: Effizienten Oster-Urlaub!

  2. AK am 14. April 2010 um 21:10

    Herzlichen Dank für diesen Kommentar. Funktionaler Nutzen: Volle Zustimmung meinerseits.
    Das „Energie sparen wollen“ außerhalb der monetären Wirtschaftlichkeit würde ich eher unter „ethischem Nutzen“ einordnen, denn etwas „Gutes“ tun zu wollen ist doch hier die eigentliche Triebfeder. Das „Verhältnis Aufwand zu Nutzen“ und die „Effizienz“ meinen mE im Prinzip dasselbe, nur fällt bei der Effizienzbetrachtung eine Grenze zwischen Gut (wirtschaftlich) und schlecht (unwirtschaftlich) weg, außerdem sind verschiedene Arten von Nutzen nicht über monetäre Transformation vergleichbar. Deshalb bevorzuge ich den Begriff „Gesamtwirtschaftlichkeit“. Hier soll und darf jedoch jeder nach seiner Facon glücklich werden. Wichtig ist, dass die Richtung stimmt und da sind wir uns ,nehme ich an, einig. Beste Grüße
    AK

  3. Christine Schmidt am 3. Dezember 2010 um 18:32

    Betriebswirtschaftlich lässt sich über Wirtschaftlichkeit nicht gerade philosophieren. Ein geldwerter Vorteil steht dabei nicht nur unterschwellig, sondern in der BWL immer im Vordergrund. Zu differenzierten Ergebnissen kann man lediglich durch die geplanten Ziele und Absichten gelangen.

    Beispiel: Ein Haus soll mit neuen Fenstern und Heizung ausgestattet werden. Die Investitionen rationalisieren sich nach 20 Jahren (rechnerisch). Der Hauseigentümer möchte aber nach 10 Jahren ausziehen und das Haus verkaufen. Die Investition ist daher niemals wirtschaftlich, es sei denn, das Haus könnte/ würde einen entsprechenden Mehrpreis beim Verkauf erzielen, welches auf die Maßnahme zurückzuführen ist. Das Geamtergebnis kann also durchaus wirtschaftlich ausfallen. Gehen wir mal von dem Haus in die Wirtschaft. Ich arbeite bei einem Sekretariatsservice. Wir erbringen Telefonservice und andere Supportleistungen für Unternehmen. Kundensupport ist immer für sich gesehen unwirtschaftlich. Das heißt wenn ein Unternehmer Support für seine Produkte anbietet bedeutet dies aufgrund der Mehrkosten immer die Schmälerung des Gewinns. Es ist nun aber auch so, dass ohne Support viele Firmen mittelfristig am Markt keine Chance haben. Das heißt Support genau wie Herstellungskosten kalkuliert werden müssen. Die Wirtschaftlichkeit ist dann anhand der Umsetzung zu bewerten.

  4. Stefan Völkner am 15. Dezember 2010 um 19:07

    Drei Punkte würde ich gerne noch hinzufügen:
    1. Bei der Nennung des funktionellen Nutzens wird leider allzu häufig der verbesserte Schallschutz vergessen. Und gerade den bemerkt der Nutzer sofort, wenn in seinem Altbau plötzlich dichte Fenster eingebaut sind.

    2. Ich gebe Ihnen wirklich gerne Recht bei Ihrer Analyse, Herr Kerschberger. Bei dem von Ihnen genannten Imagenutzen muss allerdings auch ein erheblicher Imagegewinn für Eigenheimbesitzer (nicht nur dem Vermieter) genannt werden. Eine neue Küche oder die 2000 Euro teureren Fliesen machen bei der krummbuckligen Verwandtschaft und den neidzerfressenen Nachbarn eben mehr her, als 200 mm mehr Dämmung im Dach.

    Und 3. In England – und das bezieht sich jetzt auf den Beitrag von Frau Schmidt – werden Sanierungskosten bald an das Haus und nicht mehr an den Besitzer gekoppelt. Diese Kosten werden dann über die eingesparten Energieausgaben von den Energieversorgern wieder reingeholt. Verkauft der Besitzer das Haus, muss der Käufer Kredite über die faktisch unveränderten Energiekosten bei geringerem Energieverbrauch weiter abbezahlen. Für den Privatmann wird damit sicherlich eine große Hürde vor dem Sanierungsschritt abgebaut.

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