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Alle Welt spricht von der Energiewende – und meint damit in aller Regel den Umstieg von Atom- oder Kohlestrom auf erneuerbare Energien. Das ist zu kurz gesprungen. Die Energiewende umfasst weit mehr und wenn sich diese Erkenntnis nicht bald den Köpfen von Medienmachern und Politikern und in der Folge dann auch von Verbrauchern festsetzt, wird sie scheitern –  und wenn wir noch soviel Strom aus Wind, Sonne oder Biomasse produzieren. Denn: Nur ein Fünftel des Endenergieverbrauchs in Deutschland wird als elektrischer Strom verbraucht.

Aufteilung Endenergieverbrauch in Deutschland 2013

Aufteilung Endenergieverbrauch in Deutschland 2013

Der weitaus größere, mit 50 Prozent sogar größte Brocken der Endenergie wird für die Erzeugung von Raum- oder Prozesswärme eingesetzt. Auch im Haushalt spielt der Stromverbrauch nur eine untergeordnete Rolle. Lediglich 15 Prozent des Endenergieverbrauchs  eines Haushaltes entfallen auf Elektrogeräte und Beleuchtung, 72 Prozent dagegen auf die Raumwärme und 13 Prozent auf die Warmwassererzeugung.

Es wird deutlich: Für das Gelingen der Energiewende braucht es vor allem eine Wende im Bereich der Wärmeenergie, eine Wärmewende. Und damit bin ich bei der Blogparade, zu der Cornelia Daniel-Gruber von Ecoquent Positions aufgerufen hat und an der wir uns mit diesem Beitrag nur allzu gerne beteiligen. Als Thema hat Cornelia „Definition der Wärmewende“ vorgegeben und auch gleich einen Vorschlag mitgeliefert. Danach ist die Wärmewende die Abkehr von fossilen Energieträgern im Wärmebereich. Dem ist eigentlich nichts hinzuzufügen. Doch sollte man betonen, dass das Einsparen von Wärmeenergie wichtige Voraussetzung für diese Abkehr ist. Insofern finde ich die erweiterte Definition im Solar-Wissen-Blog noch besser, wonach die Wärmewende auch für Energieeffizienz bei Heizungen und bessere Wärmedämmung steht.

Was die Definition des Begriffs Wärmewende angeht gibt es also kaum Diskussionsbedarf. Viel spannender finde ich die Frage, warum es in Sachen Wärmewende nicht vorangeht. Das liegt sicher nicht daran, dass die Wärmewende keine Themen bietet, die sich reißerisch aufbereiten lassen, wie Solar-Wissen in seinem Beitrag zur Blogparade anmerkt. Denn die gibt es durchaus, wenn auch eher mit negativer Wirkung. Man denke nur an die zahlreichen Beiträge zu den angeblichen Gefahren der Wärmedämmung, die sich in allen führenden deutschen Medien finden. Diese Berichte haben erheblich dazu beigetragen, dass viele Menschen der energetischen Sanierung ihrer Gebäude skeptisch gegenüber stehen, obwohl sie sich in vielen Fällen tatsächlich lohnen dürfte. Das zeigt die jüngste repräsentative Befragung im Auftrag des Immobilienportals Immonet.de nur allzu deutlich.  Die Diskussion über die Wärmedämmung zu versachlichen ist angesichts der nicht selten wenig fundierten Berichterstattung in den großen deutschen Tageszeitungen eine Herkulesaufgabe.

Tatsächlich gilt für die Wärmewende, was Cornelia Daniel-Gruber schreibt: Neben der Wärmewende nimmt sich die Strom(energie)wende wie ein Kindergeburtstag aus. Und das nicht nur, weil der Anteil der fossilen Energien an der Wärmeerzeugung so riesig ist, sondern vor allem, weil die Zusammenhänge im Wärmebereich deutlich komplexer sind. Im Bereich der Mehrfamilienhäuser beispielsweise – hier liegen in Deutschland die höchsten Einsparpotenziale – stellt sich die zentrale Frage, warum der Besitzer das Haus energetisch sanieren soll, wenn die daraus resultierende Heizkostenersparnis nicht ihm, sondern seinen Mietern zugute kommt. Klar, diese Darstellung ist vereinfacht. Schließlich kann der Vermieter einen Teil der Kosten auf die Miete umlegen, der Wert seiner Immobilie steigt und so weiter. Doch das Beispiel macht deutlich: Bei der Wärmewende geht es noch viel mehr als beim Strom um Verteilungskämpfe.

Mehr Information allein wird nicht reichen, um die Zahl der Modernisierungen im Heizungskeller und energetische Sanierungen von Gebäuden zu erhöhen. Gleichwohl ist sie natürlich ein wichtiger Faktor. Denn viele Menschen wissen tatsächlich nicht, dass für Heizung und Warmwasser viel mehr Primärenergie verbraucht wird als für Strom und dass es auch bei Raumwärme und Warmwasser erneuerbare Alternativen zu Gas und Öl gibt, beispielsweise Solarthermie oder Pelletheizungen. Daher hat sich das Team von EnBauSa.de entschlossen, die Wärmewende im März 2015 zum Thema des ersten Heftes unseres neuen Magazins HAUS UND ENERGIE zu machen. Dieses Magazin geht als Supplement mit dem Handelsblatt an über 130.000 Leser und ist eng mit EnBauSa.de verknüpft. Wir sind offen für Anregungen.

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3 Antworten auf “Verteilungskämpfe behindern die Wärmewende”

  1. Arnold Drewer am 30. September 2014 um 16:50

    LIebe Silke Thole und Pia Grund-Ludwig,
    ich schlage zunächst einmal vor, dass wir uns an die tatsächlichen Fakten halten:
    Unser Land verbraucht pro Jahr ca. 480 Mio to SKE (Steinkohleeinheiten) Primärenergie.
    Davon landen ca. 80 Mio to im Privatbereich (ohne Verkehr). Davon wieder ca. 3/4 im Heizungsbereich und 1/8 im WW-Bereich.
    Ergo: der Heizungssektor der privaten Verbraucher (nicht Industrie/Gewerbe/Schulen usw.) ist für ca. 1/8 der Primärenergie verantwortlich.
    Ich halte es – als „Dämmung-Liebhaber“ für richtig, dass ich das hier poste. Bevor die anderen die Zahlen in Grund und Boden zerreißen.
    Was mich u.a. umtreibt: die Steigerung der Heizkosten!
    Öl legt seit 2002 um 138% zu (7,5% pro Jahr), Gas 57% (5,8% pro Jahr), Fernwärme 62% (4,1% pro Jahr) und Nachtspeicherstrom um 199% (10,5% pro Jahr). Selbst die oft gepriesenen Holzpellets haben in diesem Zeitraum (11 Jahre) um 45% zugelegt (3,2% pro Jahr). Und das Ganze bei Inflationsraten von max. 2% in diesem Zeitraum. Wobei in Jahren mit hoher Energiepreissteigerung die Inflationsraten hoch waren. Z.Zt. stagnieren die Energiepreise – und die Inflations desgleichen.
    Merke: Energiekosten sind Inflationstreiber!!
    Die Energiekosten (natürlich auch die „allgemeinen“ Stromkosten – 73% Steigerung bzw. 4,7% pro Jahr) entwickeln sich in unserem Land für große Bevölkerungsgruppen zur Armutsfalle!!

  2. Silke Thole am 30. September 2014 um 17:44

    Hallo Herr Drewer.
    Die Info, dass 50 Prozent des Primärenergieverbrauchs in Deutschland für Raum- und Prozesswärme draufgehen und nur etwa 20 Prozent als Strom verbraucht werden, stammt vom Bundesumweltministerium und soll deutlich machen, wie groß die Bedeutung der Wärmeenergie ist. Natürlich macht die Heizwärme privater Haushalte daran nur einen kleinen Teil aus, wie die Dena-Zahlen zeigen, aber auch für die Haushalte gilt eindeutig: Auf die Wärme entfällt ein deutlich größerer Brocken des Stromverbrauchs als auf den Strom. Angesichts dessen muss man sich schon fragen, warum die Energiewende in der öffentlichen Wahrnehmung fast immer nur mit Strom in Verbindung gebracht wird.

  3. JH-CAD-Architekt.de am 14. März 2015 um 12:39

    Also 2011 waren es

    -699TWh für Heizung und Warmwasser
    -448TWh für Industrie Heizungs- und Prozesswärme
    -698TWh für Mobilität
    -1445 TWh für el. Strom.

    20% sind wohl etwas optimistisch…

    Aber sicher ist:
    Wirtschaftliche Eisparungspotentiale liegen vor allem in den ersten 3 Primärenergieverbrauchsbereichen. Gerade bei Mobilität würde sich ein Viertel nur durch eine allgemeine Geschwindigkeitsbegrenzung auf Autobahnen oder eine Abriegelung der Höchstgeschwindigkeit durch den TÜV ab der Übersteigung eines bestimmten CO2-Ausstosses einsparen lassen.
    Man kann dann natuerlich nicht mehr mit einem SUV 250km/h fahren und 65l/100km verbrauchen 😉

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