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Sie sind hier: EnBauSa Blog > Heizung & Warmwasser > Abluftanlage oder Zu- und Abluftanlage mit Wärmerückgewinnung?

Zu- und Abluftanlagen mit Wärmerückgewinnung bieten erhebliches Potential zur Energieeinsparung, da sie einen Großteil der in der Abluft enthaltenen Wärme auf die Zuluft übertragen. Passivhäuser wären ohne diese Energiesparlüftungen kaum denkbar.

Nachteilig im Vergleich zu den einfachen Abluftanlagen, die ihre Zuluft über die Fassade erhalten, sind die deutlich höheren Kosten, sowie der Platzbedarf für das doppelte Kanalsystem. Genau dieser Punkt erschwert vor allem den nachträglichen Einbau in bestehenden Gebäuden. Aber auch der Nutzer ist entscheidend. Messungen in selbstgenutzten Ein- und Zweifamilienhäusern zeigen den Erfolg dieser Technik. Der psychologische Grund: Hat ein Häuslesbauer erst einmal 10.000 Euro zusätzlich für die Energiesparlüftung ausgegeben, dann wünscht er sich auch einen Erfolg dieser Investition und verhält sich dementsprechend.

Anders im Mietwohnungsbau. Ein von uns begleiteter Modellvergleich in einer Niedrigenergie-Plattenbausanierung ergab, dass der Heizenergieverbrauch durch den Einsatz der Lüftungswärme-Rückgewinnung um weniger als 10 Prozent vermindert wurde. Die Mieter in den 50 Wohnungen mit Zu- und Abluftanlage und Wärmerückgewinnug öffneten auch bei sehr kalten Außentemperaturen ihre Fenster sehr viel häufiger, als die Mieter im benachbarten Gebäudeteil, dessen 50 Wohnungen mit einer Abluftanlage ausgestattet waren. Offensichtlich wurde die vorgewärmte Zuluft nicht in dem Maße als Frischluft empfunden, wie die über Außenluftdurchlässe eindringende kalte Außenluft bei der Abluftanlage. Noch negativere Ergebnisse für die aufwendige Energiesparlüftung brachten Messungen in Studentenwohnheimen: Teilweise verkehrten sich die Erwartungen ins Gegenteil, Zu- und Abluftanlagen mit Wärmerückgewinnung führten nicht zu Energieeinsparungen, sondern zu Mehrverbräuchen (DBU-Abschlussbericht Az 17213, Umwelt Campus Birkenfeld). Auch hier lag die Hauptursache im Nutzerverhalten.

Wir haben die Konsequenzen aus diesen Erkenntnissen gezogen: Beim energetischen Controlling für die EnEV-50% – Sanierung eines Studentenwohnheims in Dortmund empfahlen wir eine entsprechende Änderung des Energiekonzeptes. Der Einbau einer einfacheren Abluftanlage erbrachte eine Einsparung von rund 125.000 Euro. Die Hälfte dieses Betrages wurde in ein Biomasse-BHKW investiert, wodurch sich sowohl die rechnerische als auch die tatsächliche Primärenergiebilanz gegenüber der Ursprungslösung verbesserte.

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3 Antworten auf “Abluftanlage oder Zu- und Abluftanlage mit Wärmerückgewinnung?”

  1. Arno Kuschow am 5. März 2010 um 17:06

    Interessante Aussage! Ich kann das nur aus der Sicht mit den kleineren Anlagen im Einfamilienhaus beurteilen, aber auch da dauert es eine Weile bis die Anlagen wirklich akzeptiert werden, einfach weil das normale Lüftungsverhalten der Bewohner ein Mix aus Gewohnheit und konkreter Meldung der Nase für „dicke Luft“ ist. Und da muß die Nase erst mal Überhand gewinnen über die „Automatik“. Das erklärt vielleicht auch ein Stück weit die Erfahrungen in Studentenwohnheimen und anderen fremdgenutzten Einheiten – es kommt weniger zu dem Lernprozess weil die individuellen Nutzungszeiten kürzer sind.
    Daß der geringere Bezug zu der fremdbestimmten Immmobilie das Interesse nicht gerade bestärkt ist auch klar!
    Dazu kommt auch noch die Gewohnheit, kalte Luft als frisch=sauerstoffreich zu empfinden weil man es so kennt, es war einfach immer so, daß man im Schlafzimmer eher frieren musste, um erholsam zu schlafen – die Kälte war aber immer nur der spürbare aber unwesentliche Begleiter der Frischluft durchs geöffnete Fenster. Wenn nun vorgewärmte Frischluft einer zentralen Anlage ins Schlafzimmer kommt wird die bis zum einsetzen des Langzeit-Lernprozesses nicht als „frisch“ erkannt, wohingegen die dezentral über ein Frischluftventil von aussen nachströmende unkonditionierte Luft als offensichtlich frisch weil kalt empfunden wird…….. man kann versuchen, es den Nutzern zu erklären, aber am Ende muß es jeder selber erfahren und dann richtig anwenden, wohl auch eine Frage einer sich erst zu entwickelnden neuen Lüftungstradition in modernen Häusern.
    Gruß
    Arno Kuschow

  2. martin206 am 7. April 2010 um 00:41

    Klar muß der Nutzer sich an die neue Situation gewöhnen …das ist auch bei einer anderen Heizung als gewohnt so …und auch bei einem anderen Auto …bis man das auf optimalen Spritlevel hat braucht es halt ein wenig.

    Wenn dann die Studentenwohnungen noch „warm“ vermietet werden (nicht unüblich), dann interessiert es erst recht keinen wie man mit der Lüftungsanlage Energie sparen könnte.

    Wir konnten dank der KWL/WRG die Heizung kleiner und dadurch einige Tausender günstiger nehmen …und sparen zudem dauerhaft Energie ein.

    Und wir haben einen super Komfort bezüglich Luft und Wärme. Ich schlafe inzw. bei 18-21°C (kälter bekommen wir das Schlafzimmer nicht) – aber ich schlafe besser / ruhiger als vorher bei offenem Fenster …der Schlaf ist viel erholsamer als früher.

    Ich geb die KWL in 100 Jahren nicht mehr her!

    Gruß
    martin206

  3. Arno Kuschow am 7. April 2010 um 19:32

    Hallo Martin,
    das was Sie da schreiben trifft genau den Kern, wobei die Gewohnheitsstrukturen beim Bauen und Wohnen offensichtlich viel stärker ausgeprägt sind als bei der Nutzung eines eindeutig technischen Gegenstandes wie einem Auto oder einem Mobiltelefon – Leider!
    Aber Aussagen wie die Ihren helfen auch den Lesern weiter, die bisher noch nicht drüber nachdenken mochten!
    Zu der Heizungsauslegung aber noch eine Anmerkung von mir: DIN-gerecht wird die Heizung von den Fachingenieuren immer noch so ausgelegt, daß die Wärmerückgewinnung vernachlässigt wird mit dem Argument, „man können die ja ausschalten und dann per Fenster lüften, auch für den Fall solle die Heizung normgerechte Innentemperaturen liefern.“ Da muß man schon auf der energetisch richtigen kleineren Auslegung beharren und ggf. Bedenkenanmeldungen unterschreiben, damit das dann so ausgeführt wird!
    Derartige Beispiele zeigen auch, wie wenig Wert auch bei der Normerstellung bisher der Wärmerückgewinnung zugestanden wird. Da ist noch viel zu argumentieren und Änderung zu bewirken!
    Gruß
    Arno Kuschow

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