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Sie sind hier: Home » Finanzierung & Beratung » Atomdebatte hilft Klima kaum

Die Kernkraft ist derzeit zwar das Trittbrett auf die Titelseite, aber sie ist klimapolitisch weit weniger bedeutsam als Ihre Zentralheizung im Keller.

German angst: Eine Jahrtausendflut ergießt sich in den Kern des AKW Grohnde. Ein manövrierunfähiges Flugzeug durchschlägt Gundremmingens meterdicke Mauern. Aber keine Angst! Alles nur Stresstests, simulierte Super-GAUs. Die Wirklichkeit sieht weniger dramatisch, aber kaum rosiger aus: In Deutschland gibt es etwa 15,8 Millionen überholte und ineffiziente Heizsysteme, die wertvolle Energie verplempern und beträchtliche CO2- und Feinstaubemissionen in unsere Umgebungsluft ausstoßen. Nur hört davon kaum einer.

Die jüngsten Nachrichten, dass die Förderung von Gebäudesanierungen aufgestockt werden soll, lassen zwar aufhorchen. Aber die fragwürdige Schwerpunktsetzung der Regierung, das anhaltende „Mal mehr, mal weniger, mal gar nicht“ in Sachen Förderpolitik, teils wirre Subventionsvorschläge und die unzureichenden Kenntnisse vieler Energieberater machen aus den klimapolitischen Zielen der Regierung selbst einen Sanierungsfall.

Die Wärmeerzeugung macht allein 40 Prozent des gesamten deutschen Energieverbrauchs aus und ist für ein Fünftel aller deutschen CO2-Emissionen verantwortlich. Unsere Heizungen pusten so viel Kohlenstoffdioxid in die Atomsphäre wie Argentinien insgesamt emittiert!

Anlagensanierungen und Dämmmaßnahmen verringern deshalb die Verbräuche und somit die Emissionen erheblich. Ohne eine deutlich höhere Sanierungsquote wird die Europäische Union und mit ihr Deutschland die beschlossenen Klimaziele verfehlen. Alle politischen Entscheidungsträger wissen um die Sanierungsnot und trotzdem wird nur ein Prozent des Gebäudebestands jährlich überholt!

  1. Kurzsichtiger und -fristiger Aktionismus der Regierung.
    Die Kernkraft, die im letzten Jahr lediglich vier Prozent des deutschen Energieverbrauchs gedeckt hat, erhält die höchste politisch-mediale Aufmerksamkeit. Der Stellenwert der Kernkraft steht in keinem Verhältnis zur ihrer Bedeutung bei der Energiebereitstellung: Zurzeit sind dreizehn von siebzehn Meilern vom Netz, und trotzdem können Sie diese Zeilen lesen. Von Blackouts keine Spur.
    Nötig ist deshalb eine Entkoppelung der energiepolitischen Bedeutung der Kernkraft von ihrer beträchtlichen ethisch-moralischen Sprengkraft. Demgegenüber muss die CO2- und energieintensive Wärmeerzeugung, die sich buchstäblich im Keller der Aufmerksamkeit befindet, einen angemessenen Stellenwert in der öffentlichen Meinung erhalten. Dafür sind die politischen Entscheider und die Medien durch ihr Agendasetting verantwortlich. Denn sie bestimmen letztlich die Tagesordnungspunkte der öffentlichen Diskussion.
  2. Hauruck-Fördermaßnahmen verunsichern Verbraucher, gefährden Handwerk und Hersteller.
    Alle Sanierungswillige und Branchenteilnehmer erinnern sich noch an den letztjährigen Förderstopp. Das Hin und Her verunsichert vor allem die Verbraucher nachhaltig. Und neu ins Rennen gebrachte Vorschläge (Steuervergünstigungen, Abschreibungsfähigkeit etc.), deren Umsetzung in den Sternen steht, lassen die Verbraucher eher abwarten („Vielleicht kommt ja noch etwas.“), als investieren. Das Handwerk verliert dadurch überlebenswichtige Planungssicherheit.
    Nötig ist deshalb eine langfristige Verstetigung der Förderpolitik zur Gebäudesanierung. Bestenfalls hängt sich nicht vom Haushalt ab und ist degressiv. Dies immunisiert sie gegen konjunkturelle Schwankungen und verhindert eine Überförderung. Denkbar ist in diesem Zusammenhang eine positive Diskriminierung erneuerbarer Wärme: Der Bundesverband Erneuerbare Energie hat beispielsweise vorgeschlagen, aus einer Steuer für fossile Energieträger eine jährlich sinkende Prämie für Wärme aus Erneuerbaren Energien zu finanzieren.
  3. Zwar bezeichnen sich viele als Energieberater, aber nur wenige können energetisch beraten
    Verbraucher: „Ich möchte meine Heizung gegen eine CO2-arme und effiziente Lösung tauschen.“ Energieberater: „Wollen Sie wirklich sanieren? Ihre 25 Jahre alte Ölheizung arbeitet fast so wirtschaftlich, wie die moderne Pelletheizung, die Sie vorschlagen. Der Stromverbrauch stiege mit der neuen Anlage sogar!“ Dieser Dialog ist kein Witz, sondern erschreckend und dem Autor selbst widerfahren.
    Jener Energieberater hatte aufgrund seines Werdegangs nicht die leiseste Ahnung von Heizungstechnik, nutzte deshalb veraltete Daten und kam so zum Ergebnis, dass eine neue Heizung eigentlich kaum besser ist, als die alte. Ein Vierteljahrhundert technische Innovation mit einem Handstreich weggewischt. Da ist auch die ungenügende Umsetzung der Energieeinsparverordnung kein Wunder. Denn Laien hätten die Meinung des Energieberaters wohl für voll genommen.
    Nötig sind deshalb eine flächendeckende, wirksame Zertifizierung der Energieberater und eine einheitliche Software-Datenbasis auf dem derzeitigen Stand der Technik. Hier müssen die Branchenverbände und ihre Mitglieder, die Softwarehersteller und die politischen Institutionen konzertiert tätig werden.

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