Heizen ist nicht nur Last sondern auch Lust, das Spiel mit dem Feuer hat seit der Steinzeit nicht an Reiz verloren. Und so wünscht sich die vorausschauende Bauherrschaft auch im Passivhaus schon mal ein sichtbares Feuer hinter dem Glas eines schönen Kaminofens!
Klassische Antwort auf diesen Wunsch ist aber in Passivhaus-Kreisen meist, dass das nicht gehe oder zumindest nicht sinnvoll sei. Diese Auffassung kann ich überhaupt nicht teilen, man muß nur zusehen, dass man das passende Umfeld dafür schafft.
Mit der Schaffung von Speichermassen innerhalb der hochgedämmten Gebäudehülle, die optimaler Weise als aktivierte Massen für die Temperierung des Hauses zuständig sind, ist es durchaus möglich, die Leistung eines kompakten Ofens auch im Passivhaus sinnvoll einzusetzen. Wenn ich von einem normalgroßen Einfamilienhaus ausgehe und hier von einer aktivierten Bodenplatte und klassischen Heizestrichen im Obergeschoss, habe ich weit über 40 Tonnen Masse, die Wärme aufnehmen und zwischenspeichern kann, bevor es im Haus zu warm wird.
Die Voraussetzung für die sinnvolle Speicherung bei angenehmen Raumtemperaturen ist umso besser, je besser das Haus gedämmt ist – schließlich muß im hochgedämmten Haus die Heizfläche/aktivierte Bauteilmasse nur minimal wärmer sein als die gewünschte Raumtemperatur. Somit ist diese Masse schon bei geringer Erhöhung der Ist-Temperatur in der Lage, Wärme aus dem Raum aufzunehmen, auch aus Wärmestrahlung von einem Ofen, statt weiter zu heizen. Die früher eher berüchtigte Trägheit der masseintensiven Fußboden- oder sonstigen Flächenheizung kehrt sich damit in einen positiven Selbstregeleffekt für ein stabiles Wohlfühlklima im Passivhaus um.
Selbstverständlich ist bei der Idee des Ofens im Passivhaus zu berücksichtigen, dass eine externe Verbrennungsluftzufuhr besteht für raumluftunabhängigen Betrieb. Und auch die klassischen Regeln sind natürlich einzuhalten, also kein zu großer Ofen in kleinen Räumen (insgesamt im Passivhaus natürlich eher ein „Öfchen“ als ein großer „Bollerofen“) sondern am besten in zentraler Lage im Haus, von wo aus eine gute Wärmeverteilung möglich ist. Daß man dann erst mal vorsichtig probiert, wie viel Holz man wirklich einwerfen muß für angenehme Wärme und nicht den Ofen vollschmeißt, um dann schnell entnervt das zu viel an Wärme übers geöffnete Fenster zu entsorgen setze ich voraus.
volkmar franke am 11. März 2010 um 10:39
Wir wohnen jetzt seit 10 Jahren in unserem Passivhaus. Den offenen Kamin haben wir damals aus den gleichen Gründen wie oben beschrieben (geht nicht, nicht sinnvoll) weggelassen. Deshalb erwägen wir jetzt, einen Ethanolkamin aufzustellen, der dem herkömmlichen offenen Kamin noch am nächsten kommt und der sich auch von der Wärmeentwicklung her gut dosieren lässt.
Arno Kuschow am 12. März 2010 um 15:52
Guten Tag Herr Franke,
vom “offenen” Kamin war nicht die Rede in meinem Beitrag, sondern von einem Kaminofen – und der mit externer Verbrennungsluftzufuhr!
Der Ethanol”kamin” ist ein dekoratives Wohnaccessoire, sollte aber keineswegs zum heizen herangezogen werden, schließlich gibt der sein Abgas in die Raumluft ab und nicht in einen Schornstein. Von meiner Seite also eine ausdrückliche Warnung vor dem Mißbrauch von derartigen Teilen zum Heizen, fragen Sie mal die Experten der Feuerwehr, ab welchem Volumengehalt in der Luft auch CO² tödlich ist, von CO rede ich dabei noch gar nicht! Nur der guten Ordnung halber: das Heizen mit Ethanol wäre extrem teuer, betrachten Sie mal den Brennwert in Bezug auf den Literpreis!
Gruß
Arno Kuschow
Kai Daniel Hesse am 17. März 2010 um 11:50
Ich kann Herrn Kuschow dabei nur zustimmen. Zwar sind Ethanol-Kamine deutlich günstiger in der Anschaffung, aber dafür dann preislich deutlich höher in der Unterhaltung als herkömmliche Öfen.
Grundsätzlich sollte man bei Passivhäusern auf eine zumindest optinal vorgehaltene konventionelle Heiz-/ Wärmequelle setzen, da eine standardisierte Lebens- bzw. Funktionsweise von Mensch und Gebäude nur schwer zu erreichen ist.
Der nachträglich Einbau dürfte unter Einhaltung der oben beschriebenen Schutzfunktionen ebenfalls kein Problem darstellen.
Gruß
Kai Daniel Hesse
Oliver Them am 1. April 2011 um 13:20
Ich muss den beiden Vorrednern auch Recht geben. Auch wenn Ethanol-Kamine wesentlich günstiger in der Anschaffung sind, kann man hinterher davon ausgehen, dass die Folgekosten höher sein werden als die, die man für einen anderen Ofentyp bezahlt hätte.
A. Cioni am 12. April 2011 um 15:35
Hallo,
können Sie vielleicht ein Paar Firmen, die Passivhaus-Kaminofen herstellen empfehlen?
Vielen Dank,
A. Cioni
Kaminofen-Direkt am 19. April 2011 um 15:08
Ethanol kann ich nur voll abraten, wie schon Herr Hesse oben. Die Geräte werden einem billig aufgeschwatzt (keine Umbauten Kamin etc.) und dann zahlt man Unmengen für Heizstoff… Stinken tut’s trotzdem, sogar bei den teuren Heizmitteln. Ich bin jetzt auf Holzpellets-Kaminofen umgestiegen. Teurer in der Anschaffung, nach wenigen Jahren amortisiert.
Arno Kuschow am 10. Juli 2011 um 23:36
….nur um das Thema nicht zu verzerren: mit dem Ethanol kann man nicht und schon gar nicht sicher heizen, weil es sein Abgas direkt in den Wohnraum abgibt. Das darf also nur ein dekoratives Flämmchen so wie eine Kerze auf dem Tisch sein! Alles was mehr ist, kann lebensgefährlich werden. Insofern sollte man sich hüten, in dem Zusammenhang überhaupt vom “Heizen” zu sprechen, man erweckt sonst falsche Erwartungen und spielt unbewusst den verantwortungslosen Verkäufern in die Hände, die so was explizit zum Heizen anbieten!
Gruß
Arno Kuschow
Robsn am 4. September 2011 um 14:37
Hallo Herr Kuschow,
ein wesentlicher Sachverhalt wurde aus meiner Sicht noch nicht angesprochen. Die erforderliche, luftdichte Gebäudehülle von Passiv- und auch Niedrigenergiehäusern wird durch einen Kamin oder Ofen immer durchdrungen z.B. (Zuluftleitungen und Schornstein). Im Zusammenhang mit einer Wohnraumlüftungsanlage sind die Luftdruckverhältnisse (Unterdruck im Wohnraum) zu berücksichtigen. Wenn der Unterdruck im Wohnraum zu groß wird und der Kamin nicht ausreichend dicht ist, kann es sein, dass giftige Gase aus dem Verbrennungsvorgang (Kohlenstoffmonoxid) in die Raumluft gesogen werden. Das geschieht spätestens dann wenn die Ofentür geöffnet wird um Holz nachzulegen.
Ich bin zwar kein Fachman, aber ich glaube, dass ein gleichzeitiger Betrieb von Feuerstätten und Lüftungsanlagen nicht ohne weiteres zulässig ist. Deshalb behilft man sich mit sogennanten “Druckwächtern”. Das ist ein kleines Messgerät das bei Unterdruckverhältnissen von ca. 4 Pa die Lüftungsanlage automatisch abschaltet (natürlich nur wenn der Kamin oder Ofen in Betrieb ist). Diese Teile sind auch nicht ganz so günstig wie man denkt. Mit 500-1000€ sollte man schon rechnen (nur der Wächter). Man sollte das auch immer vorher mit dem örtlichen Schornsteinfeger abstimmen!
Das gleiche gilt auch für Dunstabzugshauben in Küchen mit Abluftfunktion (durch Umluftfunktion entsteht kein Unterdruck).
Vielleicht können Sie das Thema noch etwas besser erläutern Herr Kuschow. Dem Laien (wie ich selbst einer bin) leuchtet das nicht immer auf Anhieb ein ;o)
Viele Grüße vom Robsn
David am 5. Januar 2012 um 10:26
Ich spreche mich für Ethanolkamine aus, da sie zum Einen umweltschonend sind, und zum Anderen für eine schnellere Erwärmung sorgen als sonstige Kamine.