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Wenn man etwas über Passivhäuser liest kommt ganz weit vorn die Aussage, es sei in der Konstruktion zwar etwas teurer, wird dann aber immer gleich relativiert mit der Aussage, dafür brauche man aber keine Heizung.

Leider setzt sich diese vereinfachende und nicht ganz zutreffende Feststellung in den Köpfen der Interessierten bis hin zu Architekten und Bauingenieuren fest und wird zum Dogma, das schwer wieder aufzubrechen ist.

Tatsächlich kann ein Passivhaus einen sehr großen Teil des Wärmebedarfs über die Nutzung von internen und solaren Wärmegewinnen decken, die extrem gute Dämmung, Wärmerückgewinnung und solare Ausrichtung helfen dabei. Trotzdem verbleibt aber ein restlicher Wärmebedarf der ökonomisch und ökologisch vertretbar gedeckt werden muß. Da man nicht immer von einem idealen Benutzer oder idealem Wetter ausgehen kann sondern das Haus alltagstauglich sein sollte fällt dieser Bedarf in der Realität auch schon mal etwas größer aus, so dass das Nachheizen mit kleinen Elektro-Heizeinsätzen in der Lüftung nicht die Lösung sein kann, zumal über die wohnbiologisch sinnvolle Luftmenge höchstens 1 bis 1.5 kW Wärmeleistung ins Haus gebracht werden können die tatsächlich meist nicht ausreichen.

Auch die elektrischen Heizmatten unter Badfliesen und eventuell Elektrokonvektoren die nur für den angeblichen Wetter-Extremfall installiert werden treiben die tatsächlichen Heizkosten in die Höhe von etwas besser gedämmten Standardhäusern. Das ist keine passivhausfeindliche Rhetorik sondern erlebte Praxis aus diversen Begutachtungen und Gesprächen mit Besitzern und Nutzern dogmatischer Passivhäuser. Die Lösung ist denn auch keinesfalls die Abkehr vom Passivhausgedanken sondern der Blick auf tatsächlich angemessene Heiztechnik, Kleinwärmepumpen und Lüftung/WRG die zusammen mit wassergeführten Bauteilaktivierungen eine sichere und komfortable Temperierung von Passivhäusern ermöglichen.

Also vielleicht beim nächsten Gespräch mit einem Hausanbieter oder Architekten darauf hören wenn der sagt: „es geht nicht ganz ohne Heizung, auch im Passivhaus“ und nicht gleich denken:  „der kann das nur nicht…“. Irgendwann kommt einer der sagt, er könne das weil er dringend einen Auftrag braucht – aber damit haben Sie kein warmes Haus sondern wahrscheinlich später viel Ärger.

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13 Antworten auf “Lüftung reicht nicht zum Heizen”

  1. Silke Thole am 3. März 2010 um 22:39

    Ich kann Herrn Kuschow nur zustimmen. Ich wohne seit 2001 in einem Passivhaus, das über eine Lüftungsanlage mit Wärmerückgewinnung und Nachheizung der Luft durch Fernwärme (Anschlusszwang) beheizt wird. Der hohe Luftwechsel, der nötig ist, um eine komfortable Temperatur zu erreichen, sorgt dafür, dass die Luftfeuchtigkeit im Winter extrem niedrig ist. Zudem bleiben die Nordzimmer deutlich kälter. Könnte ich heute noch einmal entscheiden – ich würde in bestimmten Räumen zusätzlich Flächenheizungen installieren.

  2. Johannes Laible am 18. März 2010 um 09:35

    Man darf die Bauherren jetzt nicht auch noch verwirren.

    Kein Mensch behauptet, dass ein Passivhaus sich allein mit Wärmerückgewinnung, solaren und internen Gewinnen beheizen ließe, wie es der Text von Herrn Kuschow suggeriert.

    Natürlich muss es immer weitere Heizquellen geben und dies wird auch immer mit eingerechnet.

    Die Frage ist lediglich, ob es reicht, die Wärme über die Lüftung einzubringen oder nicht. Bei Häusern mit kleineren Wohnflächen oder im Geschosswohnungsbau funktioniert das wunderbar und Lüftungsanlagen mit integrierter Wärmepumpe und elektrischen Nachheizregistern gibt es aus gutem Grund und schon seit vielen Jahren. Es darf jetzt nicht der Eindruck entstehen, als ob damit der niedrige Heizwärmebedarf eines Passivhauses nur in der Theorie zu erreichen ist.

    Für größere Wohnflächen lasse ich Arno Kuschows Anmerkungen gerne gelten. Allerdings möchte ich darauf hinweisen, dass es nicht nur um den kostengünstigen Betrieb einer Zusatzheizung gehen kann, sondern auch um die ökonomisch sinnvollen Anschaffungskosten.

    Und noch einmal: Ein seriös berechnetes Passivhaus bezieht immer die Leistung aktiver Heizquellen mit ein, sonst käme man ja nicht auf 15 kWh Heizwärmebedarf im Jahr, sondern auf Null – dass das geht, behauptet keiner!

  3. Arno Kuschow am 18. März 2010 um 21:38

    Hallo Herr Laible,
    sicher soll man die Bauherren (und Frauen) nicht verwirren, aber die hauptsächliche Verwirrung findet doch durch nicht ausgegorene Berichte von Halbwissenden statt die in der Presse verbreitet und für bare Münze genommen werden.
    Ich stehe immer wieder in Kontakt mit Menschen die das so verstanden haben und jetzt gefälligst so ein Haus wollen: „das muß doch jetzt billiger werden weil es doch keine Heizung braucht“ Gegen diese verhängnisvolle Halb- oder Falschinformation vorzugehen ist mein eigentlicher Ansatz in dem Beitrag. Daß ich kein Freund von den elektrischen Luftheizregistern oder Elektrokonvektoren bin, ist in der „Szene“ bekannt und dazu stehe ich auch. Wenn ein einzelnes PTC-Element schon über 500 € kostet kann das auch kein wirkliches Kostenargument sein, dann ist die Luft als alleiniges Wärmeübertragungsmedium schon ein Dogma – und kann in kleinen Häusern nicht besser funktionieren als in Großen: das A/V-Verhältnis ist eher in großen Häusern besser und damit der relative Wärmeverlust geringer, die Luftmenge ist beim kleinen Haus auch entsprechend geringer und somit die transportierbare Wärmemenge auch kleiner. Dazu ist auch die Wärmepumpe als Aggregat zur Alleinheizung über Lufterwärmung der Zuluft denkbar ungeeignet weil die Luft dafür auf 50 °C oder mehr aufgeheizt werden müsste – nicht gerade positiv für die Leistungszahl der WP (von Staubverschwelungen ganz zu schweigen)…… und ja, ich sehe auch die Geräte wie sie in den Prospekten stehen und als passivhaustaugliche Maschinen dargestellt werden, offenbar nur mit Lufterwärmung, ich nenne jetzt keine Markennamen – und dann rufe ich dort an und verlange einen kompetenten Ansprechpartner für eine Projektierung und dann kommt auch dort heraus, daß mal eine Heizfläche hier, ein Konvektor da dazu angeordnet wird wenn die selber dafür unterschreiben müssen dafür, daß es wirklich warm wird ……
    was ich will ist einfach eine ehrliche Definition, bestimmt keine Negativdarstellung von energiesparenden Häusern, schließlich lebe ich selber davon!
    Gruß
    Arno Kuschow

  4. Frank Thole am 15. April 2010 um 12:55

    Aus eigener Erfahrung kann ich die Thesen bezüglich einer komfortablen Beheizung über Bauteilaktivierung im Passivhaus gegeüber einer Luftheizung nur unterschreiben.
    Jedoch entsteht mit den wassergeführten Systemen einer Fußboden- oder Wandheizung die Problematik: Mit welcher Technik soll das Wasser erwärmt werden?
    Aus ökologischen Aspekten scheidet Öl und Gas erstmal aus. Doch auch die regenerativen Wärmeerzeuger Pellet oder Wärmepumpe haben das Problem, dass es keine marktverfügbaren Geräte in den erforderlichen Leistungsklassen gibt. Denn die erforderliche Heizlast im Auslegungspunkt (-12°C) liegt unter 3 kW. Bei dem überwiegenden Anteil der Heizarbeit noch deutlich tiefer. Insbesondere auf der Erdreich – Wärmepumpenseite fangen alle Geräte erst bei > 5 kW an. Die damit ausgelösten Investitionskosten für Gerätetechnik und Erdsondenbohrung lassen den Griff zur elektrischen Direktheizung auf wirtschaftlicher Basis leider leicht nachvollziehen. Ich denke, dass hier auf Herstellerseite Entwicklungsbedarf ist aber auch in der Diskussion über die Heizung von Passivhäusern die Problematik geschäft werden muß.
    Gruß
    Frank Thole

  5. Arno Kuschow am 16. April 2010 um 14:30

    Die Frage der richtigen Technik stellt sich sicher, wobei ich gerade bei der Bauteilaktivierung de facto so etwas wie einen riesigen Pufferspeicher habe, der auch bei etwas größerer Auslegung der Wärmepumpe ein ungünstiges Takten zuverlässig verhindert. Habe gerade ein entsprechend geplantes Haus im Bau und die Rechnung für Betonlieferung der aktivierten Bodenplatte in Händen: da sind für ein normalgroßes Einfamilienhaus 18 Kubikmeter Beton verbaut, das sind mal eben 45 Tonnen! Da dauert es auch bei 5 statt 3 kW Leistung eine Weile bis die Meldung kommt, daß die Temperaturspreizung von minimum bis maximum wieder aufgefüllt ist. Dabei kommt gerade bei der Bauteilaktivierung der niedrige Vorlauf der WP zur Geltung, hierfür eine offene Flamme zu nutzen verbietet sich tatsächlich fast von selbst.
    Die mir bekannten kleinsten praktikablen Wärmepumpen haben im Sole-Bereich um die 5 kW, die Integralgeräte die mit Luft als Wärmequelle arbeiten um die 4,2 kW – was dann bei -12 °C schon den von meinem Vorredner ermittelten 3 kW entsprechen könnte! Da ist dann auch nicht mehr der Investitionsschreck Erdsonde vorhanden und weil derartige Geräte gleichzeitig Lüftung/WRG und Warmwasserbereitung machen, ggf. sogar noch Solarthermie integrieren kann man damit dem „Frevel“ Elektro-Direkt etwas entgegenstellen was von der Investition her überschaubar ist bei maximalem Komfort.
    Insgesamt müsste man auch mal betrachten, unter welchen Eckwerten die 3 kW errechnet wurden: ob ganz optimistisch unter völliger Auslassung der Lüftungswärmeverluste wegen WRG und Einsetzung der maximalen internen und solaren Wärmegewinne oder eher konservativ? Die Wahrheit liegt ja irgendwo dazwischen!
    Gruß
    Arno Kuschow

  6. Stefan Völkner am 30. Mai 2010 um 10:18

    Oh, ich liebe strittige Glaubensfragen :-)

    Dogma hin, Dogma her. Fakt ist, dass ein noch so gut geplantes „Fast-Nullenergiehaus“, wie es von der Seite der EU ja jetzt genannt werden soll, mit seinem Nutzer steht oder fällt. Wie Sie es auch schon beschreiben, Herr Kuschow, sind viele Passivhäuser versorgungstechnisch schlichtweg nicht robust genug, um allen Anforderungen nur mit Nachheizregistern zu genügen (wobei ich die Frage nach Mehrkosten für individuelle Raumsteuerung hier erst gar nicht stelle…). Daher sollte man zuerst doch einmal davon abgehen, Passivhäuser (oder „NZEB“s) in „ökologisch korrekter“ Leichtbauweise zu erstellen. Dann wird auch der Spielraum für Wetter- und Nutzerkapriolen wieder größer. Die Nutzung von Erdwärme – egal ob vertikal oder horizontal – halte ich in diesem Zusammenhang auch für sehr sinnvoll, wenn ökonomisch vertretbar.

    Dass viele Hersteller haustechnischer Anlagen auf den Passivhaus-Zug aufspringen ohne davon wirklich Ahnung zu haben, ist bei dem derzeitigen Hype um das Konzept aus Firmensicht doch mehr als verständlich – wenn auch für den Verbraucher ein meist nicht wieder gut zu machendes Ärgernis. Doch gerade hier liegt die große Schwäche des Passivhaus-Konzeptes: Es gibt wegen der eng gesteckten Konzeptgrenzen zu viele Spezialkomponenten, deren Handhabung und Zusammenspiel für viele ein Buch mit 7 Siegeln ist. Viel heiße Luft zu produzieren, reicht hier eben meistens nicht aus.

    Gruß
    Stefan Völkner

  7. Arno Kuschow am 30. Mai 2010 um 12:12

    Hallo Herr Völkner, da bin ich völlig Ihrer Meinung.
    Wobei die Frage nach individueller Raumsteuerung bei der Heizung durchaus ein interessanter Aspekt ist.
    Ich tendiere zur Weglassung der Raumfühler und Stellmotoren, stattdessen eine optimal eingestellte Heizkurve und Langzeitregelung über die Mengenregler an den Verteilern. Das schützt vor Fehlbedienung und sichert am Ende den besten Komfort und niedrigste Heizkosten weil nicht mehr die Anlage laut (zu hoher) Heizkurve „Vollgas gibt“ und der Nutzer per Raumthermostat „auf der Bremse steht“ !
    Gruß
    Arno Kuschow

  8. Stefan Völkner am 30. Mai 2010 um 16:04

    Hallo Herr Kuschow,
    wobei ich die Erfahrung gemacht habe, dass eine Heizkurve auch nicht von allen Monteuren ausreichend gut eingestellt wird oder werden kann. Die meisten haben da für die diversen Heizungsmodelle favorisierte Kurven, die sie unabhängig von den Nutzungsvoraussetzungen einfach festlegen. Da muss unbedingt mehr Erfahrung ran, wo man auch in Kauf nehmen muss, dass die Kurve mehrfach nachjustiert wird, wenn es gut werden soll.

    Ich sehe die individuelle Raumsteuerung als unbedingt zeitgemäß an. Das ist ein Feature, das in guten und verbraucherfreundlichen Niedrig(st)energiehäusern heute einfach dazu gehört. Leider gibt es hierfür meines Wissens noch keine automatisierten Lösungen (um die von Ihnen angesprochene nutzerbedingte Energieverschwendung ausschließen zu können), die den Kostenrahmen nicht ganz sprengen. Aber das ist auch nur eine Frage der Zeit und der gesteigerten Nachfrage an die Produzenten.

    Gruß
    Stefan Völkner

  9. Arno Kuschow am 30. Mai 2010 um 18:39

    Hallo Herr Völkner,
    ich sehe das so, daß es bei einer Niedertemperatur-Bauteilaktivierung keine schnelle Regelmöglichkeit gibt. Ein schneller Dreh am Raumthermostat führt erst in etlichen Stunden zu spürbaren Änderungen und ist damit irrelevant. Dazu kommt, daß durch den Raumluftverbund mit der kontrollierten Wohnungslüftung immer eine Temperaturbeziehung zwischen den Zuluft- und Ablufträumen besteht. Jedes hektische Regeln führt zu unerwünschten Verschiebungen im Gesamtsystem.
    Am besten funktioniert ein Haus, wenn es immer angenehm zu bewohnen ist, ohne daß man sich um das Regeln Gedanken machen muß.
    Und auch wenn es nicht „political correct“ sein mag: die meisten Nutzer sind mit dem Verständnis der Regelmechanismen überfordert, es reicht doch schon, mal in einem Auto mitzufahren wo permanent die Heizung hochgedreht wird auf Anschlag, dann wieder ganz aus, wieder an aber nicht irgendwo in Mittelstellung sondern wieder doll, weil ist ja kalt, Fenster auf, weil jetzt zu heiß…. usw. usf.
    Sie wissen was ich meine ;-))

    Gruß
    Arno Kuschow

  10. Stefan Völkner am 1. Juni 2010 um 07:15

    Guten Morgen Herr Kuschow,
    ich denke wir reden da ein wenig aneinander vorbei, aber ich gebe Ihnen in Ihrer Argumentation bei aller politischen Korrektheit auch völlig recht. Mit individueller Raumsteuerung meinte ich aber nicht, dass der Nutzer irgendwo drehen darf, sondern mehr, dass das Heizsystem so eingestellt werden kann, dass systemgeregelt unterschiedliche Temperaturen in den einzelnen Nutzungszonen erreicht werden können… sie wissen schon, kalt im Schlafzimmer, wärmer im Wohnzimmer, Sauna im Badezimmer.
    Gruß
    Stefan Völkner

  11. Arno Kuschow am 1. Juni 2010 um 09:54

    Ja Herr Völkner,
    das ist natürlich richtig und das lässt sich bei der Bauteilaktivierung ja auch einstellen, indem man die Durchflussmengen der einzelnen Kreise anpasst.
    Gruß
    Arno Kuschow

  12. Hans Müller am 10. Mai 2012 um 12:38

    Hallo Herr Völkner,

    da haben Sie recht, ich kenne zufällig jemanden der sich so ein Haus bauen ließ und musste im Nachhinein eine Heizung installieren lassen, da er es in diesem winter bei -25° C nicht ausgehalten hat…, da unser Wetter leider immer mehr ins Extreme geht sollte das mitberücksichtigt werden.

  13. Arno Kuschow am 12. Mai 2012 um 22:45

    @ Hans Müller: Herr Völkner und ich schreiben bzw. diskutieren grad nicht mehr über Häuser ohne Heizung sondern viel mehr über die richtigstmögliche Regelung der auf jeden Fall notwendigen Heizungsanlage.
    Die Aussage, daß die reine Lüftungsanlage nicht ausreichen kann für ein seriöses System ist ja schon Überschrift des Startbeitrags.
    Gruß
    Arno Kuschow

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