RSS | Newsletter | Über uns | Kontakt

Sie sind hier: EnBauSa Blog > Heizung & Warmwasser > Schluss mit der Mär vom „Haus ohne Heizung“

Fassade Passivhaus

Silke Thole würde jederzeit wieder ein Passivhaus bauen. Bild: Berres

Gott sei dank, es wird Frühling. Schon seit einigen Tagen zeigt das Hygrometer im Wohn-Essbereich meines Passivhauses deutlich über 40 Prozent relativer Luftfeuchtigkeit an. Endlich! Über den Winter betrug die Luftfeuchtigkeit regelmäßig zwischen 20 und 30 Prozent – nach einhelliger Expertenmeinung viel zu wenig für ein gesundes Wohnklima.

Seit über 10 Jahren leben wir nun mit diesen niedrigen Luftfeuchtigkeitswerten im Winter – eine wirklich überzeugende Lösung des Problems haben wir bislang nicht gefunden, was wohl nicht zuletzt daran liegt, dass es von der Passivhaus-Szene jahrelang totgeschwiegen und schlicht als „nicht existent“ eingestuft wurde. „Sie müssen halt den Luftwechsel Ihrer Lüftungsanlage möglichst niedrig einstellen, damit nicht so viel trockene Luft von außen nachkommt“, so der Rat mehrerer Experten. Die meisten beteuerten, dass ich absolut die Einzige Passivhausbewohnerin sei, die über zu geringe Luftfeuchtigkeit klage. Ich dagegen kenne eine ganze Reihe Passivhausbewohner, die mit diesem Problem kämpfen.

Kontrollierte Wohnungslüftung mit Wärmerückgewinnung ist ein Kreislaufsystem: Kalte, im Winter meist sehr trockene Luft wird von außen angesaugt, warme, durch das alltägliche Leben mit Feuchtigkeit angereicherte Luft nach außen befördert. Im Wärmetauscher gibt die Abluft ihre Wärmeenergie an die Zuluft ab. Diese wird durch die rückgewonnene Energie sowie eine Nachheizung erwärmt, wodurch die relative Luftfeuchtigkeit der ohnehin trockenen Luft weiter sinkt. Wird nun der Luftwechsel reduziert, um den schnellen Abtransport von im Haus durch Waschen, Kochen und ähnliches freigewordener Feuchtigkeit zu verhindern,  wird auf der anderen Seite weniger Luft erwärmt und ins Haus befördert. Das macht es in Kälteperioden schwierig, das Haus angenehm warm zu bekommen. Dieses Problem verschärft sich dadurch, dass die relative Luftfeuchtigkeit das subjektive Wärmeempfinden des Menschen beeinflusst: Trockene Luft wird als weniger warm empfunden als feuchtere.

Natürlich könnte man die Lüftung im Winter einfach stundenweise abschalten und auf diese Weise Wärme und Feuchtigkeit im Haus halten. Doch davor warnen die Experten – wahrscheinlich zu Recht, denn zirkuliert keine Luft in den Rohrleitungen der Anlage, könnten sich dort Schmutz absetzen und Bakterien ansiedeln, die das Wohnklima früher oder später belasten.

Nicht, dass Sie mich falsch verstehen: Ich würde jederzeit wieder ein Passivhaus bauen. Im Sommer ist es kühl, im Winter warm, der Komfort ist hoch, abgesehen vom Luftfeuchtigkeitsproblem, und der geringe Energieverbrauch beruhigt jedes Jahr aufs Neue mein ökologisches Gewissen. 2001 sind wir in unser Passivhaus eingezogen, damals war der Bau eines solchen Energiesparhauses noch eine Pioniertat.

Inzwischen hat sich viel getan: Passivhausbauelemente sind deutlich preisgünstiger geworden, vielerorts ist das Passivhaus als Baustandard vorgeschrieben und nun schicken sich sogar Plusenergiehäuser an, dem Passivhaus den Rang abzulaufen. Nicht geändert hat sich jedoch das Bild vom Passivhaus als Haus ohne Heizung. Viele Passivhausplaner setzen nach wie vor auf die Lüftungsanlage als einzige Heizung im Haus, ein Konzept, dass sich in meinen Augen nicht bewährt hat.

Mein Tipp an alle, die heute ein Passivhaus planen: Lassen Sie sich nicht darauf ein, als Heizung lediglich eine Lüftungsanlage mit Wärmerückgewinnung vorzusehen. Auch im Passivhaus geht aus meiner Sicht an einer Flächenheizung kein Weg vorbei. Und wenn Sie dann eine solche haben, können Sie den Luftwechsel im Winter auf ein Minimum reduzieren und sitzen trotzdem im Warmen.

Ich für meinen Teil werde mein Glück im nächsten Winter mit einem Wärmetauscher versuchen, der neben der Wärme auch die Feuchtigkeit von der Abluft auf die Zuluft überträgt. Den Bericht dazu gibt es dann im nächsten Frühjahr an dieser Stelle. Aber jetzt muss ich erst mal telefonieren: den Klavierstimmer bestellen.

Sie können Kommentare zu diesem Eintrag über den RSS 2.0 Feed verfolgen. Sie können einen Kommentar zum Beitrag hinterlassen oder einen Trackback von Ihrer Website setzen.

24 Antworten auf “Schluss mit der Mär vom „Haus ohne Heizung“”

  1. Arno Kuschow am 27. März 2012 um 19:44

    ja Frau Thole, das „predige“ ich schon seit etlichen Jahren und mache es auch so mit der Trennung von Lüftung/WRG und aktiver Heizung über wassergeführte Flächenheizung.
    Luft ist ein dünnes Medium und kann nur sehr wenig Energie transportieren. Deshalb muß man schon bei geringem Heizwärmebedarf bei einer Luftheizung recht viel Luft relativ heiß machen. Daraus resultiert dann ein Luftwechsel der viel höher ist, als der biologisch notwendige Luftwechsel für gute saubere Atemluft und diese Luft wird dann auch über die kleinen „Fön-Einsätze“ in den Zuluftventilen bis an oder über die Verschwelungsgrenze erhitzt. Diese Temperatur ist dann auch nur über Stromdirektnutzung bereitstellbar, umweltfreundliche oder gar regenerative Energien funktionieren tatsächlich im Niedertemperaturbereich wie es Flächenheizungen ermöglichen.
    Mit einer Niedertemperatur-Flächenheizung oder Bauteilaktivierung entlaste ich die Lüftungsanlage von dem Leistungsstress. Dann muß ich nicht mehr 50 % oder mehr des Hausvolumens stündlich tauschen, sondern kann auch mal schauen, wie viele Leute überhaupt in dem Haus leben. Oftmals werden große Häuser mit über 600 cbm Innenvolumen nur von zwei Personen bewohnt, die wohnbiologisch 2 x 30 cbm/h , also 60 Kubikmeter Frischluft pro Stunde brauchen. Das sind gegenüber dem üblichen halben Luftwechsel oder mehr, je nach Luftheizungsauslegung nur 20 Prozent der Luftmenge und das macht einen erheblichen Unterschied aus, was die relative Luftfeuchtigkeit betrifft.
    Dazu kommt, daß bei einer Flächenheizung die davon ausgehende Strahlungswärme es ermöglicht, auch schon bei tatsächlich niedrigerer Lufttemperatur in den Wohlbefindensbereich zu kommen, was sich noch mal positiv auf die Werte der relativen Luftfeuchtigkeit auswirkt.
    Als Fazit kann ich sagen, dass eine sinnvolle Wohnungslüftungsanlage mit Wärmerückgewinnung ohne den Luftheizungsanspruch im Haus die gleichen Feuchtigkeitsverhältnisse erzeugt wie ein „korrekt fenstergelüftetes“ Haus – das ist einfache Physik und kein Werbetext ;-))

    Gruß aus Güster

    Arno Kuschow

  2. Joerg Resch am 22. Mai 2012 um 23:48

    Zuächst einmal: Herzlichen Glückwunsch zu dieser Website an die Macher und danke, dass Sie einen qualitativ so wertvollen Beitrag leisten.
    Zur Sache: Ich kann Ihren Beitrag und den von Herrn Kuschow gut nachvollziehen. Wir haben vor 3 Jahren einen Altbau (1958) teilweise abgerissen und in Holz auf einem erweiterten Grundriss neu aufgebaut, im PH -Standard. Weil sich unser Architekt sehr schnell als Scharlatan entpuppte, habe ich selbst die Bauleitung übernommen und auch in die Planung eingegriffen. Meine Philosophie war und ist die reine Lehre des PH-Prinzips. Ohne Kompromisse. Riesige, unverschattete Südfenster (60 qm Glasfläche) auf 2 Geschossen bei insgesamt 200 qm Wohnfläche; Dämmstärken und U-Werte weit besser als erforderlich. Kein Kamin. Luftdichtigkeit bei 0,25, und das bei einer Sanierung. Es sind aber auch einige Handwerker rausgeflogen und ich habe einige Prinzipien definiert, die sich auch im Gebrauch und in der Wartung als nützlich erweisen. Zum Beispiel waren Durchdringungen der thermischen Hülle mit Stromkabeln, Signalkabeln und Versorgungsleitungen nur an 2 Stellen erlaubt und führten jeweils über den Neubau-Teil des Kellers, der als Pufferzone definiert ist.
    Und ja, wir heizen nicht mit der Lüftungsanlage, sondern haben gegen den Ratschlag des Architekten einige Quadratmeter Wandheizungen verbaut, die von Solarthermie und einer kleinen Luftwärmepumpe beschickt werden.
    Nach nun 2 Wintern stellen wir fest:
    – Der Wohnkomfort ist unbeschreiblich hoch
    – Der Mix aus Altbaumasse und Holz-Leichtbau ist genial
    – Diesen Winter sind wir komplett ohne zugeführte Energie für die Heizung ausgekommen, wobei die Raumtemperatur nie unter 24 Grad lag.
    – Durch Photovoltaik in Verbindung mit Batteriepufferung einiger Elementarfunkionen (Motorschlösser, Internet, Lüftungsanlage…) könnten wir auch längerfristige Stromausfälle überbrücken. Mit der Speicherkapazität eines Elektroautos und einigen zusätzlichen Tricks könnten wir uns dauerhaft energieautark machen.
    – Unsere Gesamt-Nebenkosten liegen im Plus.
    Was ich sagen will: der konsequent minimierte Energieverbrauch des Baukörpers durch
    1. Südausrichtung,
    2. starke Dämmung und
    3. hohe Bauqualität

    lässt sich mitnichten durch aktive Elemente ersetzen. Insoweit wird auch der Passivhausansatz nicht verdrängt werden, sondern er ist Voraussetzung und Grundlage für das Plusenergie-Sonnen-Blablabla-Haus.
    Joerg

  3. JH-CAD-Architekt.de am 21. Juni 2012 um 10:58

    Ich Luefte doch nicht wegen um die Raumfeuchtigkeit aus dem Haus zu kriegen, sondern die Schadstoffe aus Leim, Textilien, WC-Geruechen, Kochgerueche, etc. sowie den durch Mensch und Tier erzeugten CO²-Ausstoss durch frischen Sauerstoff zu ersetzten (SIEHE DIN 13779!)
    Folglich ist das oben dargestellte Problem KEIN Passivhausproblem, sondern ein Problem eines jeden Hauses, in dem nach Norm vom Nutzer gelueftet wird, egal ob durch Fensterlueftung oder Lueftungsanlage…und deshalb ist es egal, ob man eine Leuftungsheizung oder eine teure Flaechenheizung einbaut, das BEHEBT DAS EIGENTLICHE PROBLEM NICHT! Dies laesst sich am H-X-Diagramm leicht nachvollziehen, egal wie trocken/warm die Zuluft ist!
    Besorgen Sie sich doch erst einmal ein CO²-Messgeraet, und (Fenster-)lueften Sie in einem konventionellen Haus im Winter so viel, dass der CO²-Gehalt der Raumluft unter 800ppm bleibt!
    Viel Spass dann mit relativen Luftfeuchtigkeitswerten (oder soll ich sagen „Lufttrockenheitswerten?)) IST DENN DANN WIRKLICH DIE LUEFTUNGSANLAGE SCHULD?
    Schalten Sie einfach die Lueftungsanlage herunter, wenn Ihnen die Luftfeuchte wichtiger ist, als die frische Luft, das ist dann der gleiche Effekt, wie wenn Sie das Fenster geschlossen halten!
    Damit verringert sich auch der Heizbedarf Ihres Hauses entsprechend, und dafuer eine Flaechenheizung statt elektrische Nachheizung einzubauen amortisiert sich aufgrund der teuren Anschaffungskosten fuer die 3 Tage im Jahr, die man in einem Passivhaus heizen muss, erst nach 50-90 Jahren!!! REINE ABZOCKE von Fehlplanern oder Verschwendung von zu ideal denkenden Bauherren! Wenn Elektroautos umweltschonend sind, sind auch die elektrischen Heizungen umweltschonend genug, um kein schlechtes Gewissen als Bauherr haben zu muessen…
    …und wenn Ihnen die Luftfeuchte so wichtig ist, dann gibt es immer noch Enthalpie- und Rotationswaermetauscher, die man zur Behebung des eigentlichen Problems einbauen kann, und die viel billiger als „Flaechenheizung“ oder Kram sind!!!

  4. Silke Thole am 21. Juni 2012 um 13:09

    Hallo Herr Haerle.
    Sie haben völlig recht, ich lüfte, um frische Luft ins Haus und Schadstoffe herauszubringen. Was anderes habe ich ja auch nicht geschrieben. Und ja, das geschilderte Problem betrifft sicher nicht nur Passivhäuser. Allerdings ist in Passivhäusern, in denen die Lüftung als Heizung dient, der Luftwechsel deutlich höher als er zur reinen Erhaltung der Luftqualität sein müsste. Diese Erfahrung habe ich als Passivhausbewohnerin gemacht und auch von anderen Passivhausbewohnern bestätigt bekommen. Wenn Sie konkrete Meßwerte haben, die Ihre Aussagen stützen, würde mich das sehr interessieren.
    Zu meinen Erfahrungen gehört übrigens auch, dass wir durchaus mehr heizen als nur drei Tage im Jahr…. totzdem habe ich auch schon über eine elektrische Heizung nachgedacht. Das wäre für unser Haus eigentlich genau das Richtige. Nur leider besteht in unserem Viertel Anschlusszwang ans Fernwärmenetz.
    Enthalpie- oder Rotationswärmetauscher erwäge ich gerade als Lösung meines Problems, hatte ich ja auch geschildert. Nur leider sind auch diese – wie so vieles – nicht unumstritten.

  5. JH-CAD-Architekt.de am 21. Juni 2012 um 15:50

    Hallo Frau Thole,

    die hoehere Luftwechselrate verstehe ich nicht so ganz. Die waere doch nur noetig, wenn Ihre Zulufttemperatur mittels nachheizung nicht auf 40-45°C kommt (deshalb ist hier der Einsatz von Niedertemperaturheizung voellig Fehl am Platze)! Der Loesungsansatz bei zu wenig Heizleistung sollte nicht mehr Luft bei einer Lueftungsheizung sein, sondern hoehere Zulufttemperaturen, damit waere das Problem geloest!
    Deshalb kommen bei einer Lueftungsheizung ja auch keine Waermepumpen oder Solarheizungen in Frage…aber Fernwaerme muesste dafuer doch hervorragen geeignet sein?
    Ich finde es nur doof, wenn immer die Lueftungsanlage beim Passivhaus an allem Schuld sein soll…und das kommt bei solchen Artikeln leider so rueber, wenn Sie verstehen koennen! Im Auto regt sich niemand ueber die Heizung/Klima-Anlage auf, obwohl das Prinzip das gleiche ist…

  6. JH-CAD-Architekt.de am 29. Juni 2012 um 09:44

    Hallo Frau Thole,

    Sie müssen für ein feuchteres Klima den Luftaustausch auf die korrekte Menge von 30m³/Person fahren, und die Vorlauftemperatur des Nachheizregisters und damit die Zulufttemperatur erhoehen! Dann sollte das mit der Luftfeuchtigkeit und gleichzeitig mit der Wärmemenge klappen! Das sollte vom Planer auch so vorgesehen sein…

    Fernwärme muesste dafür ideal sein! Eine Niedertemperaturheizung z.B. Wärmepumpe ist für soetwas ungeeignet…
    Ich empfehle Ihnen nicht nur mit el. Nachheizregistern für eine Einzelraumsteuerung zu arbeiten, sondern mit der Fernwärme auf eine Zulufttemperatur im Heizlastfall von 35-45°C zu erwärmen, und die restlichen 10°C über die thermostatgesteuerten el. Raumeinzelnachheizregister zu erhitzen. Das schont den Geldbeutel etwas, wenn man schon Fernwärme hat…
    Auch einen Rotationswärmetauscher kann ich nur empfehlen, was halten Sie denn an diesen Anlagen für so umstritten, außer dem Preis?
    Gerade wenn Sie keine Luftvorwärmung ueber Erdansaugung haben, sind die Anlagen genial!

    Ich finde es nur doof, wenn die Lüftungsanlage immer an allem Schuld ist. Uber die Lüftungsheizung im Auto wird auch nicht so viel gelaestert, obwohl sie nach dem gleichen Prinzip funktioniert!

  7. Arno Kuschow am 29. Juni 2012 um 13:04

    @JH-CAD-Architekt.de:
    Ihr theoretischer Ansatz, die Luftmenge auf 30 cbm/h herunterzufahren und dann die Luft entsprechend höher aufzuheizen ist unter praktischen Gesichtspunkten völlig absurd, da Luft ein so dünnes Medium ist, daß sie in den geringen Luftmengen niemals die nötige Wärmemenge unterbringen können die Sie brauchen, um ein „nicht dogmatisch“ genutztes Haus zu erwärmen bzw. warm zu halten. Die Temperaturen die Sie dafür bräuchten, sind so hoch, daß Sie statt Frischluftdüsen dort Fönauslässe hätten, wenn nicht gar „Heißluftpistolen“-Zustände.

    Bitte bedenken Sie dabei auch, daß in der Realität große Häuser gebaut werden für eine Nutzung durch nur zwei oder drei Personen. Die 30 cbm/h reichen da zwar für die notwendige Frischluft, aber keinesfalls für den Ausgleich der Verluste der großen Hülle – ja ich weiß, ein Luxusproblem, wenn wir uns in kleinen Hütten zusammenpferchen müssten, wäre es wärmer ;-))

    Für die geringen Energiemengen die man im Passiv- oder auch KfW-55 Haus braucht ist es auch völlig unrealistisch, die Fernwärme zu forcieren die extreme Investitionskosten verursacht, aber auf der anderen Seite eine WP und Flächenheizung aus Kostengründen zu verdammen.
    Ich halte Ihren Ansatz für oberflächlich und in keinster Weise für nachhaltig durchdacht!

    Ich werde aufgrund meiner Tätigkeit und Erfahrung sehr oft zu Begutachtungen von nicht funktionierenden luftbeheizten oder „elektrisch unterstützten“ Häusern hinzugeholt, kann meine Einschätzung also auf reichliche praktische Erfahrung stützen!
    Gruß
    Arno Kuschow

  8. JH-CAD-Architekt.de am 29. Juni 2012 um 19:30

    @Arno Kuschow

    mag sein, das Luft ein duennes Medium ist mit einer geringen Waermetransportfaehigkeit;
    Aber wohin wird denn die Waerme bei einem konventionellen Heizkoerper letzendlich uebertragen? Nachtuerlich auf die RaumLUFT…LUFT…LUFT, weil man es genau dort braucht. Uebrigens ensteht ueber den meisten konventionellen Heizkoerpern auch kein „Foenauslass“ oder „Heissluftpistolen-Zustand“, was nach Ihrer Theorie dann so waere!!! Warum die Waerme also erst auf Wasser uebertragen, damit sie letztendlich am Radiator doch wieder auf die Luft uebertragen wird?

    In einem Passivhaus koennen Sie unter bestimmten Rahmenbedingungen durchaus gut mit einer Lueftungsheizung auskommen. Ich bin jetzt nicht vom Ausnahmezustand eines 200m²-Hauses mit 2 Personen ausgegangen, sondern mit dem deutschen Durchschnitt von 32m²/Person! Fuer 2 Personen ist es generell schierig, ueberhaupt eine handelsuebliche, zentrale Luefungsanlage zu finden, da die meistens erst bei einer Foerdermenge von 90m³ (min 3 Personen) anfangen!

    Und ob das funktionieren kann, sollte auch fuer Sachgutverstaendige kein „absurdes Gefuehl des Unrealismusses“ sein, auch wenn Ihre geschilderte Problematik fuer bestimmte Faelle durchaus zutreffen kann! Aber soetwas sollte man ueberlegt durchrechnen, und wenn die Heizlast Ihres Passivhauses bei 3kW liegt, dann reichen 200m³/h mit 65°C (200m³ * 0,34 * 65°C-20°C(Raumtemp.)=3060W)Zulufttemperatur rein rechnerisch locker mit dem uebertragungsmedium „Luft“ aus. Und das ist eine wirtschaftlich machbare und realistisch vertretbare Sache. Wenn Sie nur 150m³/h fahren wollen, muessen Sie die Zuluft auf 80°C hochtemperieren (meistens kommt aufgrund der langen Lueftungsleitungswege nur noch 70°C am Drallauslass an, der Rest wird ueber Strahlung ueber das gut leitende (Metall-)Rohr als Strahlung absorbierd. Bei einem konventionellen Brenner oder Fernwaerme ist das durchaus machbar, NICHT aber mit einer Waermepumpe!

    Und warum soll Fernwaerme extreme Investitionskosten verursachen? Die Leitung wird gestellt, bleibt nur noch die Uebergabestation, die mit der Investition eines Brenners vergleichbar ist. Mit der Fernwaerme kann ich mein WW-Nachheizregister und Warmwasser erwaermen, ohne dass ich gleich ein komplettes Heizkoerper-System oder eine Flaechenheizung im Haus fuer weitere 4000-12000€ verbrauen muss (was die eigentlochen Kosten verursachen wuerde…und bei jaehrlichen Heizkosten von 150-500€ (je nach Heizstoff)sich fuer eine halbe Ewigkeit nie rentieren kann.

    Ich halte Ihre Vorwuerfe zu sehr auf den Spezialfall „Luxusproblem“ bedacht, der vielleicht auf 10% der Haeuslebauer zutrifft, die Sie als Sachgutverstaendiger evt. zu oft herausgepickt an der Backe haben. Fuer den durchschnittsmensch ist das System Lueftungsheizung optimal! Und wen stoert es, wenn aus dem Drallauslass meiner Zuluft 90°C Luft austritt? 2m hinter dem Auslass ist sie bereits fast auf Raumtemperatur abgekuehlt. Das macht aber eine gute Lueftungsplanung aus, das die Bewohner keinen Zug mehr abbekommen…
    Und selbst wenn man seinen Kopf dann direkt vor den Auslass stellen muss, um ein Argument gegen Lueftungsheizung zu haben, dann fuehlt man sich halt mal kurz wie in der 90°C-Sauna. Bei einem elektrischen Standheizer ist das auch der Fall, selbst bei manchen konventionell verbauten Wasserheizkoerpern sind die Lufttemperaturen ueber dem HK bei 70°C, und man empfindet es als „nicht unangenehm“.

    Die ganze Sache gegen Lueftungsheizung ist nur ein Vorurteil…

  9. Arno Kuschow am 2. Juli 2012 um 16:44

    @JH-CADArchitekt:
    ich sehe das so: eine zukunftstaugliche Wärmeverteilung muß in der Lage sein, mit verschiedensten zukünftigen Wärmeerzeugern zu funktionieren, dafür ist eine möglichst geringe notwendige Systemtemperatur eine Grundvoraussetzung.
    Auch eine moderne Gasheizung kann im Brennwertbetrieb keine 65 oder 70 °C bereitstellen!
    65, 70, erst recht 90 °C Lufttemperatur führt zu unangenehmen und gesundheitsschädlichen Staubverschwelungen in der Luft, so etwas möchte ich nicht mal andenken müssen, wenn ich ein hochwertiges Haus plane! Die behaupteten 70°C über Heizkörpern sind eine extrem seltene Altbausituation und sollten keinesfalls als Begründung für eine aktuelle Planung herangezogen werden, weshalb ich so etwas wie einen elektrischen Standheizer als Referenz nutzen soll, erschliesst sich mir auch nicht!
    Und natürlich ist das ein „Luxusproblem“!
    Wer kann sich denn ein Haus leisten und dabei über die schiere Notwendigkeit hinaus noch über maximale Energieeffizienz nachdenken?
    Stimmt, wer gebildet ist und ein Stück besser verdient!
    Und diese Käufer mit wahrscheinlich nur einem oder keinem Kind werden sich ganz sicher nicht mit dem deutschen Durchschnitt von 32 qm/Person begnügen.
    Das passt auch bei zwei Kindern nicht!
    Ganz nebenbei kommt noch dazu, daß ein kleineres Haus über das schlechtere A/V-Verhältnis grundsätzlich schwieriger und teurer die Anforderungen von KfW-55, 40 oder Passivhaus erfüllt. Ein normgerecht gerechnetes Passivhaus ist deshalb in aller Regel ein großes Haus!
    Fernwärme kann „eher zufällig“ am Bauort anliegen, dann kann – meistens muß man sogar – sie nutzen.
    Das kann aber natürlich nicht für „überall“ gelten und eine Fernwärme ist wenn wirtschaftlich oft die Abwärme von einer energieintensiven Industrie ….
    für sich allein betrachtet scheitert sie oft an zu hohen Wärmeverlusten in der Verteilung und insgesamt zu hohen Primärenergiefaktoren. Bei einer zusammenhängenden Bebauung mit Energiesparhäusern kommt erschwerend hinzu, daß die Jahresnutzungszeit viel zu kurz ist für einen wirtschaftlichen Betrieb, das grundsätzlich gleiche Problem, das oftmals auch den Betrieb von Kraft-Wärme-Kopplungs-Anlagen erschwert.
    Und noch eine grundsätzliche Betrachtung:
    Wenn ich Bauteile aktiviere, habe ich eine gleichmäßige milde Wärmestrahlung, also schon bei relativ niedrigen Raumlufttemperaturen einen hohen Grad an Behaglichkeit.
    Im Gegensatz dazu habe ich bei einer Luftheizung eine hohe Raumlufttemperatur, aber relativ kältere Gebäudehüllflächen, der menschliche Körper wirkt also als „grauer Strahler“, verliert seine Körperwärme an die Aussenbauteile und fröstelt bei Temperaturen die gemessen hoch sind, die Behaglichkeit ist erst bei viel höheren Lufttemperaturen gegeben! Durch die tatsächlich nötige höhere Lufttemperatur für eine Behaglichkeit erklärt sich auch ein Teil der Trockenheitssymptome in luftbeheizten Häusern!
    Und nein, die Aussenbauteile werden nicht gleichmäßig miterwärmt, der Übergangswiderstand zwischen Raumluft und Aussenwand sorgt dafür, daß dort immer ein deutliches Gefälle bleiben wird.

    …noch was, die Beispielrechnung geht von „65°C-20°C“ aus, das heißt also von einem reinen Umluftsystem ohne Lüftungswärmeverluste. Aber welche Zulufttemperatur habe ich wirklich bei winterlichen Aussentemperaturen am Wärmetauscherauslass? Sicher keine 20 °C …..

    Alles kein Vorurteil sondern ein Stück weiter gedacht und mit jahrelanger Praxis abgeglichen!

    Gruß
    Arno Kuschow

  10. Arno Kuschow am 3. Juli 2012 um 09:11

    Noch ein Nachsatz von mir zu den Vergleichen Elektro-Nachheizung mit Elektromobilität unter ökologischen Aspekten:
    Ein Verbrennungsmotor produziert in erster Linie Wärme und nur einen Bruchteil Antriebsenergie (unter 20%).
    Dagegen ist die Leistungsausbeute in einem Kraftwerk trotz der auch dort vorhandenen Verluste wesentlich höher (ca. 35 %) und somit kann ein Elektroantrieb grundsätzlich einen Sinn machen, während die Elektro-Direktheizung im Haus ja immer nur die niedrigwertigere Energieform Wärme erzeugt und somit nur ein Drittel der Primärenergie ankommt, zwei Drittel verpuffen im Kraftwerk!
    Eine Lüftungsanlage ist von der Gesamtkonzeption keine Luftheizung, dafür gibt es ganz andere Konstruktionen!
    Deshalb ist die Lüftungsanlage grundsätzlich in der „eher nebenbei“ erzielbaren Heizleistung stark limitiert was dazu führt, daß nicht nur eine vernachlässigbare Spitze elektrisch direkt nachgeheizt werden müsste, sondern ein erheblicher Teil der Grundlast mit! Das lässt sich bei wirklich guter Gebäudehülle und passivhaustauglich konditionierten Bewohnern zwar in Grenzen halten, aber auch dann werden die versprochenen jährlichen Heizkosten von 150 € keinesfalls eingehalten in der Praxis!
    Zudem gibt es genau genommen laut EnEV auch den Ausschluß der Elektro-Direktheizung und ab welchem Anteil Elektro-Direkt man dagegen verstösst ist ein wirklich heißes Thema!
    Ich habe auch in den Beiträgen gelesen, daß die Lüftungsanlage zur Hausbeheizung verglichen wurde mit der Heizung im Auto, bei der „sich schließlich auch keiner beschweren würde“! Der Vergleich ist meines Erachtens überhaupt nicht zulässig und führt völlig in die Irre: ein Auto ist ein „Ort“, in dem man sich vorübergehend zum zurücklegen von Entfernungen befindet, aber nicht den wesentlichen Teil seines Lebens verbringt. Zudem gibt es dort Grenzen der technischen Möglichkeiten. Und ganz bestimmt haben lange Autofahrten mit aktivierter Heizung und/oder Klimaanlage erhebliche Auswirkungen auf das Wohlbefinden (trockene Haut, Lippen, brennende Augen, Neigung zu Erkältungen und anderen Infektionen etc.).
    Beim Autofahren soll man spätestens alle zwei Stunden eine Pause machen …… aber wie macht man alle zwei Stunden eine Pause vom Wohnen?
    Gruß
    Arno Kuschow

  11. JH-CAD-Architekt.de am 3. Juli 2012 um 11:10

    @Arno Kuschow

    …langsam merkt man, dass Sie Architekt sind…und sich die technische Gebaeudeausruestung noch etwas vertrauter machen sollten:

    1.Wenn die Mehrkosten eines Niedertemperaturverteilungsystems bei 4000-15000€ liegen, waere ich in einem Passivhaus fuer die paar Heiztage im Jahr als Bauherr irrsinnig, ein solch teures System zu verbrauen, da es Luxus ist, aber ich fuer das Geld lieber darauf verzichte, und mir etwas nuetzlicheres wie ein Auto davon kaufe. Da Passivhaeuser keine „Luxushaeuser“ mehr sind, sondern ab 2020 gesetzlicher Standard sein werden, darf auch das Heizsystem kein Luxus sein, sondern muss bereits heute moeglichst erschwinglich geplant werden. Passivhausbauer haben oft wenig Geld, da „gruene Menschen“ kein kapitalistisches Denken haben, aber meist diejenigen sind, die ein Passivhaus bauen wollen!
    2. Mit einer modernen Gasheizung kann im Brennwertbetrieb eine Vorlauftemperatur bis 85°C bereitgestellt werden, sofern die Ruecklauftemperatur unter 45°C ist (was bei einer Lueftungsheizung schnell der Fall ist)
    3. Auch bei einer Lueftungsheizung gibt es bei 90°C einblastemperatur keine groesseren Staubverschwelungen in der Luft wie bei einer konventionellen Heizung, da die Waermemenge dieselbe ist…das ist derselbe Vergleich wie zwischen kleiner Zwangs-Konvektor-Heizung und grossem Radiator; die Luftmenge, die durch den kleinen Zwangs-Konvektor bewegt wird, ist dieselbe Menge, wie die durch natuerliche Luftzirkulation verursachte Konvektion am grossen Radiator, da dieselbe Waerme auf die Raumluft uebertragen wird und damit auch derselbe Volumenstrom stroemen muss…auch wenn das menschl. Empfinden durch den Ventilator meint, das Zwangs-Konvektion mehr Staubverschwelungen verursachen wuerde.
    4.Die 70°C über Heizkörpern sind eine extrem seltene Altbausituation (die leider auf 50% des heutigen Bestands zutreffen! Also extrem selten???)
    5….“Und diese Käufer mit wahrscheinlich nur einem oder keinem Kind werden sich ganz sicher nicht mit dem deutschen Durchschnitt von 32 qm/Person begnügen…“
    Ich weiss nicht, was Sie fuer Kunden haben, aber Familien ohne Kinder bauen meist nicht, sondern leben in einer Eigentums-/Penthauswohnung, und die Ein-Kind-Familie ist die seltenste Familienform, die es gibt, da die Leute entweder gar keine Kinder oder mindestens 2 Kinder haben. Einzelkinder sind die wenigsten! Und 128m² fuer einen Neubau fuer Familie mit 2 Kindern ist durchaus realistisch…
    6. Wenn in einem kleinem Passivhaus das A/V-Verhaeltnis schlecht ist, und es im grossen Passivhaus besser wird, dann bedeutet das auch, das die Heizlast bei einem grossen Passivhaus immer noch 3kW wie in einem kleinen Passivhaus ist. Damit stimmt meine Luftheizungsberechnung also auch fuer grosse Passivhaeuser ;-). Danke fuer die Bestaetigung!
    7. Der Primaerenergiefaktor von Fernwaerme liegt mit durchschn. 0,7 deutlich besser als Oel und Gas. Fernwaerme ist nahezu die beste Waermequelle, die man im Passivhaus haben kann!!! Ich versteh gar nicht, warum sie die Fernwaerme so schlecht machen…ausserdem ist die Waermeuebergabestation im Gegensatz zu einem normalen Brenner nicht alle 15 Jahre auszuwechseln, und Verhaeltnissmaessig guenstig in der Anschaffung. Sie lohnt sich als Waermequelle auf jeden Fall mehr, wie Ihr hochgelobtes Flaechenheizsystem (das seine Vorteile unter bestimmten Konditionen mit Sicherheit hat, aber nicht im Passivhaus) als Waermeverteilung…
    8. Von Behaglichkeit und Oberflaechentemperaturen muessen wir im Passivhaus wohl nicht mehr diskutieren. Ob diese durch Flaechenheizung 22,5°C oder durch Daemmung 20,8°C selbst im Heizlastfall bleibt (und das kann man auch berechnen und entspricht erfahrungsgemaess auch der Realitaet!), braucht sie auch nicht „froesteln“ lassen. Das ist ja schon fast peinlich, als Sachgutverstaendiger solch ein Argument fuer eine Flaechenheizung im Passivhaus zu werten und von viel angenehmerer Waermestrahlung der Oberflaechen zu sprechen. Ausserdem brauchen Sie in einem Passivhaus kein traeges Flaechenheizsystem, sondern muessen schnell aufheizen koennen nach einer Nachabsenkung, Urlaubsabsenkung oder vor einer Bad-Benutzung! Und das erwarte ich viel eher von einem Heizsystem der Zukunft, statt nieder Vorlauftemperaturen, und genau diese Eigenschaft kann eine Flaechenheizung NIE bieten, da sie ueber Strahlung arbeitet…
    (Mal eine persoenliche Frage aus eigeninteresse: Verkaufen Sie eigentlich Flaechenheizungen, oder warum stehen Sie so auf die teuren Systeme?)
    9. Ja, meine Beispielrechnung geht von 20°C Raumtemperatur aus, und das hat nichts mit einem Umluftsystem zu tun, aber stimmen tut das auch nicht ganz, da haben Sie recht;
    Die Zuluft ist nach der Waermerueckgewinnung nur ca. 6-16°C warm (je nach Plattenwaermetauscher oder Rotationswaermetauscher, sorry, keine 20°C wie in meiner Rechnung angenommen!). Auf diese Zulufttemp. muss ich also meine 3060W (+45K temp-Differenz) drauf schlagen, das heisst, dass sich meine Zulufttemp also doch noch rechnerisch etwas verringert. Ich bin nur vom Worst Case fuer die Luftheizung ausgegangen…
    10. Ausserdem sollten Sie bedenken, das der Heizlastfall tatsaechlich nur 3 mal im Jahr eintrifft! Bei den durchschn. Jannuar-Temperaturen von 1,3° hat Ihr Passivhaus also nicht mehr einen Waermebedarf von 3kW, sondern nur 1kW. Das schaffen Sie schon entsprechend mit Zulufttemp von ca. 32°C (genau gerechnet: Zulufttemp. von 16°C (aus WRG) + (45K/3 auch WW-Nachheizregister)und das ist schon fast eine Niedertemperatur-Heizung, finden Sie nicht!!!
    Und fuer 3 Tage im Jahr mit -16°C Aussentemp. ohne internen und solare Gewinne wuerde ich NIE im Leben eine Flaechenheizung fuer die unsummen an Geld investieren. Das ist verrueckt! Und nicht nur Luxus, sondern „Verschwendung“!

    Warum also Ihre Vorurteile gegen die Lueftungsheizung?

    Wenn Sie ein kfw55 Haus oder kFW 70 Haus planen, funktioniert die Sache nicht mehr, da Ihre Heizlasten doppelt bis 3fach so hoch werden und damit auch Ihre Zulufttemp nicht mehr +45K, sondern +90K im Heizlastfall waeren. Aber im Passivhaus ist eine Lueftungsheizung schon fast pflicht…und genau aus diesem Grund ist ein KFW55 Haus viel teurer wie ein gut geplantes Passivhaus.

  12. JH-CADArchitekt.de am 3. Juli 2012 um 18:00

    Ich glaube, die Diskussion ist weiter sinnlos…

    Herr Kuschow, Sie sollten fuer Ihre Argumentation lernen, mit realistischen Beispielen und sachkundigen Zahlen zu argumentieren, sonst werden Sie nie von Ihren Vorurteilen herunterkommen. Ob sich eine Luftungsheizung lohnt oder nicht, ist auch nach Ihren Argumenten immer noch in jedem Fall zu pruefen, und wird sich in den meisten Passivhausfaellen lohnen, auch wenn Sie das nicht glauben!
    Und das heutige, moderne Verbrennungsauto mit einem Normverbrauch von 3,3l/100km wie Polo BlueMotion, Toyota yaris Hybrid, Seat Ibiza Ecomotive etc. (das mit einem Passivhaus vergleichbar waere) hat einen Wirkungsgrad von knapp 50%. Das koennen Sie leicht pruefen, wenn man fuer den Normverbrauch eines E-Autos mit n=90% 18kWh/100km rechnet, entspraechen 16kWh/100km einem Wirkungsgrad von 100%. Das kann man im Kopf wohl leicht ueberschlagen, zumal im Winter der Verbrennungsmotor als Blockheizkraftwerk auch im Auto funktioniert…und noch hoehere Wirkungsgrade erreicht. (Wohlgemerkt im modernen PKW, der mit einem E-Auto vergleichbar ist, und nicht mit dem „Kessel“ von 1990!). Ein Wirkungsgrad unter 20% wie Sie erwaehnen, entspricht einem Verbrauch von 8l/100km…ist das realistisch?

  13. Arno Kuschow am 5. Juli 2012 um 11:28

    @JH-CAD… :
    Bevor Sie weiter (falsch) rätseln, was ich mache und woher ich meine Erfahrungen (nicht Vorurteile) habe:
    Ich baue bereits seit 1991 ausschließlich Häuser mit Lüftungsanlagen und Wärmerückgewinnung und schon seit damals mit Konstruktionsaufbauten deren U-Werte sämtlich mit 0,1… anfingen.
    Meine Häuser wurden schon 1995 im Rahmen des damaligen Synergiehaus-Förderprogramms per Blower Door Prüfung und Thermografie geprüft, lange bevor das allgemein „in Mode“ kam.
    Seit 2000 habe ich meine Häuser auf Kundenwunsch auch als Passivhaus rechnen lassen und benutze die grundsätzlich identischen Aufbauten und Haustechnik auch bei Häusern, die wir nur gemäß EnEV bzw. KfW rechnen lassen wenn die Kunden den Mehraufwand der Nachweise gemäß PhPP scheuen.
    In den bisher 21 Jahren in dem Betätigungsfeld habe ich einiges ausprobiert und mich permanent insbesondere mit den möglichen Haustechnikkomponenten auseinandergesetzt und Erfahrungen von anderen Passivhausnutzern gesammelt.
    Die Argumente von den „3 Heiztagen im Jahr“, „nur 1 kW – da reichen ein paar Kerzen auf dem Tisch“ etc. hab ich zur Genüge gehört und auch Häuser besichtigt die danach gebaut wurden.
    Ich habe mich auch ausführlich mit dem Gewinnerhaus des „Solar Decathlon“ in Kalifornien der TU Darmstadt auseinandergesetzt und verwende sogar das gleiche Haustechnikzentralgerät wie dort eingesetzt wurde.
    Wenn mir also jemand unterstellt, „ich solle mich mal etwas vertrauter mit der technischen Gebäudeausrüstung machen“, ist das so ziemlich das Absurdeste was man über mich sagen kann!

    Ansonsten mag ich nicht noch mal auf alle durch Wiederholung nicht besser werdenden Argumente von JH eingehen, nur so viel: das nachbeten von theoretischen Werten ohne Abgleich mit der Praxis führt nicht weiter.

    Staubverschwelungen bei hohen Wärmetauschertemperaturen oder sogar Heizdrähten lassen sich nicht wegdiskutieren oder vergleichen mit Niedertemperatur-Bauteilaktivierungen, die zweifellos die mildeste und unauffälligste Raumtemperierung darstellen.

    In der Praxis hat auch ein 3-Liter-Auto keine 3 Liter Verbrauch und die angeblichen knapp 50 % Wirkungsgrad sind theoretischer Natur, ich zitiere mal Wikipedia:
    „In der Praxis erreichen unter optimalen Bedingungen Ottomotoren 38 %, Dieselmotoren 45 % und langsam laufende Schiffsdieselmotoren 50 % Wirkungsgrad. In PKWs erreichen unter realen Fahrbedingungen mit einem hohen Anteil von Teillastbetrieb Ottomotoren typischerweise einen Wirkungsgrad von weniger als 25 % und Dieselmotoren weniger als 30 %.“
    Siehe:

    http://de.wikipedia.org/wiki/Wärmekraftmaschine

    ….bevor jetzt wieder die Behauptung kommt ich wisse nicht, worüber ich rede / Vorurteile : wir haben familiär ca. 120.000 km Erfahrung mit einem 3-Liter-Auto :-)

    Gruß
    Arno Kuschow

  14. Arno Kuschow am 5. Juli 2012 um 11:59

    JH-CAD … schrieb in einem vorangehenden Beitrag:

    „Passivhausbauer haben oft wenig Geld, da “gruene Menschen” kein kapitalistisches Denken haben, aber meist diejenigen sind, die ein Passivhaus bauen wollen!“

    Ich möchte die Diskussion eigentlich lieber nicht in eine politische Ebene führen, stelle aber mal das Folgende zur Diskussion:

    „Wer wirklich grün ist und weniger Geld investieren kann oder mag, wird sich einen Würfel anschauen als Bild seiner zukünftigen Wohnsituation und feststellen, daß er optimalerweise von den 6 Seiten nur eine nach aussen Gerichtete braucht und die anderen 5 Seiten an andere gleichwarme ebenfalls bewohnte Würfel anschliessen sollten.
    Das spart massiv Energiekosten ein, da nur ein Bruchteil der Hülle überhaupt Wärme abgeben kann.
    Es spart ebenfalls in allen Bereichen Ressourcen,
    da weniger Material und Landschaft verbaut werden etc.
    ….insofern ist die Überlegung ein freistehendes Haus auf einem Einzelgrundstück zu bauen immer Luxus!
    Von den sonstigen Folgen der Zersiedelung mal ganz abgesehen wie Individualverkehr etc. “

    Und noch ein Punkt aus der Sicht eines „Bauschaffenden“:

    Wenn ein „ganz grüner Mensch“ sich selbst so ein Haus zusammenbaut mit nur Luftheizung etc. wird er mit den Unzulänglichkeiten klarkommen und die tolerieren, vielleicht sogar als positiv weiterkommunizieren weil aus eigener Überzeugung so gebaut, da kann man nicht einfach raus aus der Rolle.

    Wenn ich so etwas als für die Gesamtbaumaßnahme Verantwortlicher baue, wird mein „grüner Kunde“ bald nach dem Einzug zum „deutschen Prinzipienreiter“, beruft sich auf „Stand der Technik“, „Baunormen“ und darauf, daß er als Laie das ja gar nicht beurteilen konnte und erwartet, daß sein Haus genau so funktionieren solle, wie es immer war.
    Dann geht es vor Gericht und ein konservativer Gutachter unterstützt den „ehemaligen Grünen“ und der
    Bauunternehmer der ja eigentlich nur den Wunsch des Kunden umgesetzt hat wird sehr zuverlässig schuldig gesprochen…. das „nicht kapitalistische Denken“ kehrt sich dann sehr schnell um, wenn die Aussicht besteht, fünfstellige Eurobeträge nicht an die Bauausführenden zahlen zu müssen!

    ………….

    Gruß
    Arno Kuschow

  15. JH-CAD-Architekt.de am 5. Juli 2012 um 12:36

    @Kuschow,

    Interessant, ihr Profil…umso interessanter, zu welchen Schluessen Sie kommen…mit der Erfahrung! Wenn ich nicht wuesste, dass man heute bereits zum Baby’s wickeln „Experten“ braucht, die einen 21 jaehrigen Kurs absolviert haben, wuerde ich Ihnen mit Sicherheit gleich glauben. Und ich glaube Ihnen sogar, dass das Problem Lueftungsheizung, wie Sie es schildern, auf 20% der Faelle zutrifft…aber wegen einer schlecht geplanten Lueftungsheizung kann man das Problem nicht auf alle Passivhaeuser uebertragen, auch wenn Sie viele Lorbeeren besitzen…

    Und schliesslich gibt es auch renomierte Hersteller wie Schwoerer, Bien-Zenker, etc. die mehr als 800 Haeuser im Jahr mit einer Lueftungsheizung verbrauen. Und 90% zufriedene Kunden haben! Auch wenn die Heizkosten bei 400-500€ statt den 150€ von Ihnen angegebenen Werten liegen, zu denen noch 150€/Jahr fuer den Wertverlust des alle 15 Jahre zu wechselnden Brenners/Kaminofens hinzukommen, 50€ fuer den Schornsteinfeger, 10€ fuer die Umwaelzpumpe…

    Effektiv spare ich also 100-150€/Jahr gegenueber einer E-Lueftungsheizung. Und dafuer einen Aufpreis von 15000€ fuer eine Flaechenheizung? Eine Amortisation von 100 Jahren!

    Was wuerden denn Sie Ihrem Kunden anbieten? Ein kFW70 Haus mit Flaechenheizung oder fuer den selben Preis eines Passivhauses mit „schlechter“ Lueftungsheizung? Wo wird der Primaerenergiebedarf denn hoeher sein? Beim guten kFW70-Haus, oder dem „schlechten“, el. geheizten kFW30-Haus? Und wie wird sich der Primaerenergiebedarf fuer Strom in absehbarer Zukunft entwickeln, wenn er vom Faktor 3 auf 2,6 in den letzten Jahren bereits gesenkt wurde?

    Und was den Autovergleich angeht:
    Ihn auf Haeuser zu uebertragen ist Aepfel mit Birnen zu Vergleichen!
    Wenn Sie Ihren Normverbrauch mit einem Verbrenner nicht schaffen (ich schaffe meinen uebrigens, auch wenn das nicht jedermanns Sache ist…), schaffen sie ihn genausowenig mit einem E-Auto. Wenn Sie ein E-Auto mit einem Verbrenner vergleichen wollen, dann muessen sie bei beiden die theoretischen Werte oder beide praktischen Werte nehmen, und nicht nur beim Verbrenner die praktischen, und beim E-Auto die theoretischen, wie Sie es machen!

    Ausserdem sinkt der Wirkungsgrad eines Fahrzeuges nicht unbedingt, weil sein Verbrauch steigt! Wenn Sie 500m einen Berg hoch fahren, wird Ihr Verbrauch bei n=100% ein anderer sein, wie bei Bergab!

    Und die Werte aus Wikipedia sind allgemeine Durchschnittswerte, und nicht die von A+ zertifizierten, modernsten Motoren (die mit einem A+ zertifiziertem Haus vergleichbar waeren)!

    Meine Werte waren schon richtig und vergleichbar gerechnet, wenn auch nur theoretisch, aber nachvollziehbar (koennen Sie ja mit dem Taschenrechner kontrollieren, wenn Sie Wikipeadia immer noch mehr vertrauen 😉 !!!

    Ein fossiler Verbrennungsmotor hat also einen doppelt so guten Primaerenergiebedarf, wie das E-Auto. Bei der Heizung ist das zwar nicht nur um Faktor 2, sondern um Faktor 2,6, aber sollen wir jetzt pingelig sein? Das ist doch nur Klugscheisserei…ich bleibe also bei der Aussage, „wenn E-Autos Umweltschonend sind, sind es auch E-Heizungen“

  16. Arno Kuschow am 6. Juli 2012 um 14:13

    @JH :
    Wir sollten uns nicht am E-Auto hochziehen, das war doch nur ein „Nebenschauplatz“ und in der Tat sehe ich es auch so, daß für die Umweltverträglichkeit des E-Autos noch einiges passieren muß, insbesondere mehr regenerative Energie im Netz und eine intelligente Einbeziehung der Ladestationen ins Netz.
    Ausserdem habe ich das Thema Elektroauto nicht gestartet, sondern nur darauf reagiert, wohl wissend, daß der Vergleich hinken muß!

    Wobei noch spannend ist, daß bei Elektromobilität grundsätzlich durch die Akkutechnik im Fahrzeug es möglich ist, diese zu Zeiten zu laden wenn Strom im Netz über ist. Das kann also auch ein Netz stabilisieren bei einer zukünftigen Optimierung. Die Akkus machen aber so ein Fahrzeug erst teuer, der Elektromotor an sich ist billig und viel simpler als ein Verbrennungsmotor.
    Bei der Haustechnik mit einer elektrischen Nachheizung drückt sich der Planer / Erbauer aber um die Aufgabe, nimmt nur den am Ende billigen Heizdraht und überlässt das Problem der Netzstabilität der Allgemeinheit bzw. den Versorgern, die das aber umlegen auf alle Verbraucher!

    Wenn aller Strom wirklich regenerativ erzeugt werden würde, wäre Elektroenergie für jede Anwendung richtig, keine Frage!
    …ist aber noch ein bisschen Weg dorthin!

    Und bitte! : wir sollten nicht mit Absolutwerten für Energiekosten hantieren, ich habe keinesfalls die „150 € im Jahr“ behauptet, das ist nicht realistisch, ebenso wie ich die Lüftungsheizungswerte von 400 bis 500 € im Jahr für nicht wirklich erreichbar halte!
    Immer eine „übliche Nutzung“ vorausgesetzt!

    Mein Ansatz bleibt der, daß ich eine für jede zukünftige Technik adaptierbare multifunktionale Wärmeverteilung im Haus haben möchte und da bin ich mit einer Niedertemperatur-Warmwasserheizung auf der ganz sicheren Seite, als Negativbeispiel für eine monofunktionale Heizung die bei Änderung der Rahmenbedingungen nicht mehr wirtschaftlich sein kann, möchte ich die „alte“ Elektro-Speicherheizung anführen, auch als FB-Heizung: in Häusern wo diese Technik herausgerissen wird, bleibt nur ein „erweiterter Rohbau“ übrig, da überhaupt keine nutzbare Wärmeverteilung mehr vorhanden ist! Ein ähnliches Problem in der Zukunft möchte ich in von mir projektierten Häusern vermeiden!

    Durch die Bauteilaktivierung habe ich eine immense Speichermasse, ein Beharrungsvermögen des Hauses auf der Wunschtemperatur, was zusammen mit einem optimalen Wärmeschutz und sommerlichem Hitzeschutz ein stabilstmögliches Raumklima ermöglicht – die komplette Beschreibung würde den Blog-Rahmen sprengen und ich möchte das nicht zu einem Werbebeitrag umwandeln 😉

    Und sicher, wenn man eine Lüftungsheizung richtig projektiert, kann sie grundsätzlich funktionieren.
    Aber dazu braucht es mehr als eine Lüftungsanlage mit einer Nacherhitzung, nämlich ein komplexeres System, das auch im Umlufmodus funktioniert bei größerer erforderlicher Warmluftmenge und nur so viel Frischluft zumischt, wie wohnbiologisch nötig ist.
    Auch die Lüftungsverteilung wird dann erheblich umfangreicher, es gibt dann zwangsläufig keine reinen Zuluft- und Ablufträume mehr wenn man eine sinnvolle Temperaturverteilung haben will.
    Dann relativieren sich auch logischerweise die Probleme mit zu geringer Luftfeuchtigkeit auf ein erträgliches Maß.
    Die Technik ist dann aber in der Gesamtbetrachtung
    (Investition / Verbrauchskosten / Primärenergie / Komfort ! / Zukunftssicherheit)
    nicht mehr günstiger als „meine“ Lösung und bei Abwägung der Vor- und Nachteile mag ich nicht umschwenken, ich könnte es gegenüber meinen Kunden nicht guten Gewissens vertreten.
    Gruß
    Arno Kuschow

  17. JH-CAD-Architekt.de am 9. Juli 2012 um 11:40

    @ Kuschow

    Sie koennen ja gerne auch Werbung machen fuer eine „multifunktionale Wärmeverteilung“ (wie Sie es nennen) im Haus. Aber gute Werbung macht man nicht durch Antiwerbung gegen ein System, das in der Regel gut funktioniert mit Argumenten, die nicht zutreffen! 😉

    Es gibt Menschen, die durchaus anderer Meinung wie Sie sind, und wenn Sie die Kunden haben, die das Geld fuer soetwas bereit sind, zu „verschwenden“, dann koennen Sie das ja auch machen!

    1.Ich persoenlich halte die Zuluftkanaele im begrenzten Sinne auch fuer eine nutzbare Wärmeverteilung (die ein Altbau mit E-Speicherheizung neben der konventionellen Waermeverteilung ebenfalls oftmals nicht bieten kann)

    2. 400-500€ im Passivhaus sind durchaus realistisch (ohne Filterwechsel, die Sie auch in einem kFW70 Haus mit Lueftungsanlage haetten), dagegen werden Sie Vertraege mit einer Erdgasversorgung fuer ein Passivhaus nicht mit den Kosten fuer ein normales kFW70-Haus bekommen, da die gering Abnahme die Vertragspreise um 1/3 hoeher schraubt (dann sind Sie mit 220-250€ fuer Brennmaterial dabei!). Sie koennen ja mal bei Schwoerer schauen, was die Leute im Schnitt zahlen. Und auch wenn die E-Heizung relativ einfach gebaut ist: genau das macht sie so robust und haltbar. Warum also komplizierte Technik in ein Passivhaus, wo die Heizung wirklich nur eine „Notheizung“ ist?

    3.Auch eine E-Speicherheizung kann mit Smart-Grid wie ein Akku Energie zur Netzstabilisierung puffern, und hat damit auch aus Kostenvorteilen gegenueber dem Akku gute Zukunftschancen! Mit Rueckspeisung ist es dagegen nicht mehr so leicht…ist mit der Akkutechnologie aber auch schwierig…

    4.Staubverwirbelungen habe ich mit einer Fussbodenheizung am ehesten, da der Staub auf dem Boden liegt und warme Luft nach oben steigt. Puste ich dagegen meine Warme Luft an der Decke ein, wirbelt es mir keinen Staub von der Decke…auch wenn eine Lueftungsheizung natuerlich am wenigsten Zug insgesamt verursacht, baubiologisch raten alle Allergologen davon ab, wenn Sie gegen Hausstaubmilben allergisch sind. Im Passivhaus halte ich das Problem nicht wirklich fuer relevant, da die Oberflaechentemp der Fussbodenheizung selbst im Heizlastfall kaum spuerbar ist. Ich halte das Problem aber noch weniger bei einer Lueftungsheizung relevant, auch bei Einblastemperaturen von 80°C!

    5. Speichermasse ist ein Argument, aber nur fuer sommerliche Kuehlung…ansonsten moechte ich in einem Passivhaus schnell Aufheizen und Auskuehlen lassen koennen. Dafuer ist eine Lueftungsheizung optimal und eine Flaechenheizung eher suboptimal. Ist aber Ansichtssache. Gerade im Bad mit 24°C nach EN 12831 halte ich eine Fussbodenheizung mit traeger Reaktion fuer unmoeglich…zumal ich die Temperatur beim nicht nutzen auf 18°C herunterfahren koennte…wenn die Heizung nicht traege reagiert!

    6.Umluftgeraete gibt es fuer 40€ bei Tschibo;-) Man steckt sie einfach in die Steckdose…und sie reagieren sofort. Im Bad sind sie genial, weil sie innerhalb von 10min aufheizen, und man sie akustisch auch nicht zum Abschalten vergisst…

  18. Alex Thies am 24. Januar 2013 um 16:11

    Guten Tag Frau Thole,

    vielen Dank für Ihren Beitrag. Auch ich möchte ein Passivhaus oder Sonnenhaus bauen und denke über die nötigen Heizsystemkosten und Amortisation nach.

    Was halten Sie denn von einem Pelletofen, über den zu 3/4 Wasser erwärmen und den Rest an das Haus bzw. die Luft im Wohnzimmer abgeben. Die Lüftung müßte doch dann die Luft im ganzen Haus verteilen und Sie können die Temperatur entsprechend hochdrehen ohne die Lüftung nicht drosseln zu können (siehe: http://www.german-hacker.de/passivhaus.html)

    Oder habe ich einen Gedankenfehler?

  19. Arno Kuschow am 27. März 2013 um 12:53

    Hallo Herr Thies,
    ein Problem bei wassergeführten Öfen im Passivhaus ist, daß Sie die Energie ggf. an anderen Stellen brauchen, als die Öfen liefern.
    Der Aufstellraum wird meistens überheizt und die Strahlungswärme können Sie nicht eins zu eins mit der Lüftung verteilen, wobei natürlich in einem Raum erzeugte Wärme grundsätzlich dem ganzen Haus zugute kommt.
    Ein weiteres wesentliches Problem ist die Warmwasserbereitung in der Übergangszeit in der eventuelle solarthermische Kollektoren nicht mehr genug Wärme liefern, das Haus aber noch keinen Heizbedarf hat – dann glüht das Wohnzimmer, damit Sie warm baden können …
    Gruß
    Arno Kuschow

  20. […] Schluss mit der Mär vom “Haus ohne Heizung” […]

  21. JH-CAD-Architekt.de am 3. Dezember 2013 um 21:06

    In den nordeuropäischen Laendern wird fast ausschliesslich mit Lüftungsanlagen gebaut. Allerdings nicht mit einer ausschliesslichen Lüftungsheizung, weil die Heizlasten in Finnland nicht bei nur -16°C liegen, sondern -35°C. Und bei solcher Kälte ziehen die Argumente von Arno Kuschow wirklich. Soviel Wärme kann man nicht mehr mit einer ausschliesslichen Lüftungsheizung bereit stellen.

    Dort werden allerdings vermehrt Rotationswärmetauscher eingesetzt, nicht Gegenstrom-Waermetauscher, da hier der Frostschutz aufgrund der Enthalpie-Rueckgewinnung erst bei ca. -12 °C einspringt

    Es gibt übrigens auch in Deutschland sehr wenige Anbieter von elektrischen Nachheizregistern, die für eine funktionierende Lueftungsheizung in Frage kommen, weil die meisten einen Schutz bei 40-50°C Zulufttemperaturen besitzten, bei denen das Nachheizregister abschaltet.

    Genau genommen kenne ich bisher nur die PTC-Elemente von http://www.bauinfocenter.de/index.php?id=110 und http://www.air-lab.de/ptc-waermeelemente.html

    Diese funktionieren bis Zulufttemperaturen von 130-140°C

    Bei handelsüblichen el. Stand-Umluftventilatoren (Händetrockner) von AEG pusten übrigens 140°C Luft in den Raum. Und dies mit ungefilteter Raumluft mit Staubflusen! Dieses Problem habe ich bei den Zuluft-PTC’s mit gefilteter Frischluft bisher noch nie erlebt…

  22. Walzer am 31. Dezember 2015 um 17:35

    Ein wirklich interessanter Beitrag und vor allem auch eine sehr tiefe Diskussion. Vielen Dank dafür meine Damen und Herren :)
    Ich bin im Moment auf der Suche nach einem Unternehmen, mit dem ich nach Möglichkeit ein Fertighaus bauen kann (ich habe keine Lust auf lange Bauphasen), aber nach Möglichkeit doch als Passivhaus.
    Viele haben mir immer gesagt, dass das bei der Bauweise recht schwierig umzusetzen ist, aber ich suche weiter…

    Liebe Grüße
    Walzer

  23. Angela am 26. April 2016 um 15:01

    Also ich bin bezüglich der baulichen Umsetzung skeptisch hab den Artikel aber sehr genossen. super Arbeit

  24. Dipl.-Ing. Axel Creifelds am 28. November 2016 um 17:29

    Die Skepsis ist sicherlich angebracht 😉

    v.G.

Jetzt mitdiskutieren

Neueste Kommentare

Top50 Solar Logo