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Während wir uns noch vor etwa 15 Jahren anstrengten, um bei Neubau oder Sanierung unter 40 Kilowattstunden pro Quadratmeter und Jahr (kWh/m2a) zu kommen, scheint das Nullenergie- und Plusenergiehaus heute kein Problem mehr zu sein. Was ist passiert? Ist der technische Standard so immens vorangeschritten?

Keinesfalls! Man rechnet nur anders, frei nach dem Motto: Wenn Du die Wirklichkeit nicht verändern kannst, dann pass“ Deine Sichtweise an.

Entsprechend der Wärmeschutzverordnung bilanzierte man früher den Endenergieverbrauch und hatte damit zumindest in etwa ein Äquivalent für die Heizkosten. Heute wird primärenergetisch bilanziert, wobei regenerative Energieträger niedrige Primärenergiefaktoren unter 1 bis hin zu 0 aufweisen, das Gebäude selbst wird dadurch aber nicht besser. In vielen „Nullenergieprojekten“ verrechnet man außerdem durch geschickte Definition des Bilanzrahmens Energiegewinne, die gar nichts mit dem Gebäude zu tun haben, z.B. durch rechnerische Berücksichtigung einer Windkraftanlagen-Beteiligung oder den Zukauf von grünem Strom.

Im Extremfall kann man bei dieser Logik einen ungedämmten Altbau mit Strom beheizen (mit das Schlimmste, was es gibt…). Sofern man hierbei grünen Strom verwendet, hätte man nach den gängigen Regeln auch hier ein Nullenergiehaus.

Es wird daher höchste Zeit, sowohl in der EnEV als auch in den davon abgeleiteten Definitionen in der Planungspraxis ein zusätzliches Bewertungskriterium neben dem (CO2-gewichteten) Primärenergiebedarf einzuführen, oder besser gesagt „wieder einzuführen“. Der gute alte Endenergiebedarf, getrennt nach Wärme und Strom und dies mit Verrechungsmöglichkeit kostenloser regenerativer Energieträger auf dem Grundstück, zum Beispiel Solarthermie. Weder die Beteiligung an einer Offshore-Windanlage, noch die Nutzung von Pellets oder Holzhackschnitzeln darf diese Bilanz verfälschen, die uns wieder näher zum Heizkostenäquivalent bringt. Für den Umweltnutzen unter Einbeziehen aller regenerativen Energieträger ist dann immer noch der bekannte Primärenergiebedarf da.

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10 Antworten auf “Was ist ein Nullenergiehaus?”

  1. Arno Kuschow am 4. März 2010 um 14:27

    Ich kann Herrn Kerschberger vollinhaltlich zustimmen!
    Es ist zwar durchaus möglich, Häuser zu errichten und technisch auszurüsten für einen minimierten Energiebedarf, aber nicht für einen tatsächlichen Null-Energiebedarf. Und die primärenergiebasierte EnEV-Berechnung gaukelt Zahlen vor, die nichts mit den Verbrauchskosten zu tun haben, insbesondere eben bei den politisch gewollten Primärenergiefaktor-Engeln wie Pellets o.ä.. Man muß dem Nutzer bei Vorlage derartiger Nachweise eigentlich ganz deutlich sagen, daß er immer Endenergie bezahlt und nicht die „umweltpolitische Primärenergie“.
    Für das echte Energiesparhaus ist zudem die Pellettechnik völlig überdimensioniert, der Aufwand von Lagerung und automatischer Förderung, Pufferspeicher, Kessel etc. ist unverhältnismäßig bei den kleinen Heizlasten, zudem mit mäßigem Einsparpotential gegenüber klassischen Heizmedien und mit deutlichen tatsächlichen Mehrkosten im Betrieb gegenüber Wärmepumpen! Wobei ich nicht grundsätzlich gegen die Pelletnutzung sprechen möchte, gerade in der Sanierung von Bestandsgebäuden passt das doch des öfteren.
    Gruß
    Arno Kuschow

  2. Hans-Peter Ambros am 13. März 2010 um 11:20

    Aus einem Apfel wird nun mal keine Birne. Die obsolete Wärmeschutzverordnung versuchte, sich ohne eine Berücksichtigung der Heizungsanlagenverordnung von der Verbrauchsseite her zu nähern. Was oft zu dem Trugschluss führte, es würde sich um einen „Endenergiebedarf“ handeln. Selbst mehrere Novellen der Wärmeschutzverordnung konnten daran nichts ändern.

    Die Energieeinsparverordnung führte nun beide Verordnungen zusammen. Zielte die Wärmeschutzverordnung noch auf die „im Raum zur Verfügung gestellte Nutzenergie“ ab, ist bei der Energieeinsparverordnung, die an der Gebäudegrenze übergebene Endenergie ausschlaggebend. Gerade für ein Nullenergiehaus wäre die Energieeinsparverordnung noch um die Energie bei der Herstellung des Hauses zu ergänzen, sowie die sogenannte „Graue Energie“ der Baumaterialien.

    Schließlich geht es hier um eine Energiebilanz und keine Heizlastberechnung nach EN 12831.

    H.-P. Ambros

  3. Arno Kuschow am 16. März 2010 um 22:22

    …der Ansatz der Zusammenführung war sicher eine gutgemeinte Idee, aber die Verständlichkeit für den Nutzer ist dabei völlig verloren gegangen. Nicht zuletzt dank fleissiger Lobbyarbeit!
    Gruß
    Arno Kuschow

  4. Tillman Bott am 17. März 2010 um 13:56

    Bedingte Zustimmung:

    unterschlagen wird bei dieser Betrachtung die Nebenanforderung Transmissionsverlust (EnEV & KfW-Effizienzhaus). Diese ist nämlich genau dazu da, zu verhindern, dass aus dem unsanierten Altbau dank Pelletheizung plötzlich ein Effizienzhaus wird. Und so war nach der alten EnEV diese „Nebenanforderung“ gerade in der Sanierung die eigentliche Hürde, die in ihrer Aussage auch dem alten Heizenergiebedarf entspricht.
    Das Problem aus meiner Erfahrung: Diese Hürde ist mit der neuen, „strengeren“, EnEV im Referenzgebäudeverfahren herab, statt heraufgesetzt worden. (Die Förderung des alten Effizienzhaus 70 entspricht der des aktuellen Effizienzhaus 100, ist aber nun je nach Gebäudegeometrie deulich leichter zu erreichen.)
    Was die Lenkung der öffentlichen Wahrnehmung auf den Energieausweis und den Primärenergiebedarf anbelangt: 100% Zustimmung. Der Verbraucher, der zum ersten mal kapiert, dass dieser Wert nur wenig mit den zu erwartenden Energiekosten zu tun hat, fühlt sich schlichtweg verarscht.

    Viele Grüße,

    Tillman Bott

  5. AK am 18. März 2010 um 21:44

    @Herrn Tillmann Bott:
    Sie haben vollkommen recht, Herr Bott. Ich meinte im Startbeitrag auch nicht, dass die „extreme Nullenergiebilanzierung“ aufgrund der EnEV kommt, sondern EnEV ist halt Grund-Orientierung und findige Geister tun ihr Übriges dazu, um auf Biegen und Brechen zur Nullenergie zu kommen. Die Nebenanforderung der EnEV an den Transmissionsverlust ist klar. Diese Bedingung ist ohne Zweifel positiv zu bewerten. Was die EnEV aber – und da ist sie zu kritisieren – möglich macht: Bei gutem Wärmeschutz eine sehr schlechte Haustechnik einzusetzen und dies dann durch Energieträger wie Pellets etc „wiedergutzumachen“. Ich persönlich habe den Verdacht, dass sich darin auch die bis heute unentschiedene Haltung des Gesetzgebers zur Frage Lüftungsanlagenpflicht widerspiegelt. Um es klarzustellen: Ich bin auch dagegen, zwangsweise Lüftungsanlagen vorzuschreiben, aber das einfachste für den Verordnungsgeber war vielleicht, die Thematik erst gar nicht zu berühren, sondern nur auf Transmission und Primärenergie zu fokussieren. Schade, eigentlich, oder was meinen Sie? Würde mich auch über weitere Meinungen freuen.

    Alfred Kerschberger

  6. Arno Kuschow am 19. März 2010 um 18:04

    …um das mal anders anschaulich zu machen: der verantwortungsvolle Planer macht einen energetisch sinnvollen Entwurf mit guten wärmedämmenden und ggf. speichernden Bauteilen und einer sinnvollen Technik dazu…….
    und dann kommt ein Kaufmann der ein wenig mit den Stellrädchen der EnEV zu spielen gelernt hat und sieht zu, daß er teure Teile der Planung möglichst weit runterdreht und an den Rädchen mit möglichst billigen Teilen so lange dreht, bis darüber wieder die EnEV-Schwelle oder eine höhere KfW-Förderungsschwelle übersprungen wird, ohne die Sinnfälligkeit des Zusammenspiels der Komponenten als wesentlich zu berücksichtigen, es zählen nur die Zahlen am Ende mit denen man zum einen die Käufer beeindrucken kann, zum anderen die Kalkulation optimiert für entweder mehr Gewinn oder einen kompetitiven Preis in einem umkämpften Markt – daß ein Haus unterdessen ein komplexes technisches System ist wird dabei nicht bedacht und vom „normalen“ Kunden auch oft noch nicht verstanden.
    Gruß
    Arno Kuschow

  7. Stefan Völkner am 2. Juni 2010 um 08:44

    Korrigieren Sie mich bitte, wenn ich falsch liege, aber sind Energiepässe und -ausweise nicht letzten Endes eingeführt worden, um dem Eigentümer und Nutzer eines Gebäudes in aller Einfachheit den zu erwartenden Energieverbrauch seines aktuellen oder seines zukünftigen Heimes in einfacher Weise näher zu bringen? Wenn das wirklich die Zielsetzung war, warum muss man dem Otto-Normalverbraucher dann immer wieder erklären, dass die Zahl unter dem Strich des Energieausweises nichts mit dem zu tun hat, was er am Ende des Monats an den Energieversorger zu überweisen hat?

    Wenn die Politik ein System schaffen wollte, dass die Steuerung von Energieproduktion, -transport und -verbrauch vereinfachen soll, dann hätte sie es doch auch machen können, ohne den einfachen Bürger komplett für dumm zu verkaufen, oder? Hätte ich sowas früher in der Schule in einer Klassenarbeit verfasst, hätte am Ende drunter gestanden: Note 6, Thema verfehlt.

    Gruß
    Stefan Völkner

  8. […] Das Nullenergiehaus ist dieser Tage in aller Munde. Vom Klimaschutz über die massiv gestiegenen Energiekosten – die Gründe, sich für ein solches Haus zu entscheiden, sind vielfältig. Österreich strebt sogar an, dass ab 2020 alle Gebäude, die neu errichtet werden, keine oder fast keine Energie benötigen. Jetzt ist aber die Politik am Zuge, um die Bürger auch zu animieren, sich für diese Häuser zu entscheiden. […]

  9. JH-CAD-Architekt.de am 21. Juni 2012 um 11:43

    Im Energieausweis sind doch sowohl Endenergie-Verbrauch und Primaerenergieverbrauch angegeben…auch wenn der Primaerenergieverbrauch zuerst angegeben ist, wo ist das Problem? Man sollte eben nicht nur die 1. Seite des Energieausweises lesen…oder sehe ich da etwas falsch?

    Ich finde den Energieausweis ganz in Ordnung, lediglich an den Primaerenergiefaktoren muesste man bei Holz/Pellets inzwischen ebenfalls eine 1 vor dem Komma setzten, da dieser Brennstoff inzwischen in solchen Mengen abgebaut wird, das man nicht mehr von „Erneuerbar“ sprechen kann und damit genauso wie bei fossilen Energien die Nachhaltigkeit zerstoert…

  10. Arno Kuschow am 29. Juni 2012 um 13:21

    @Stefan Völkner:
    bei der Beurteilung der Übersichtlichkeit des Energieausweises für den normalen Nutzer haben
    Sie sicher recht.
    Irgendwo in den Zahlenwerten kann man mit etwas Sachverstand zwar herauslesen, was wirklich dahintersteckt,
    aber der „Verbraucher“ ist darauf konditioniert (oder verdummt ? ),
    Balken die von Grün bis Rot gehen und Pfeile darauf die von A bis was weiß ich anzeigen als Maßstab für seine Kaufentscheidung zu berücksichtigen. Und da steht halt vor allem der Primärenergieverbrauch im Mittelpunkt – und der ist eben ein „politischer“ Verbrauch…..
    der Verkäufer eines energetisch eher schlechten Hauses wird seinen Kunden sicher nicht „unnötig schlau“ machen, was das Lesen des Energieausweises angeht.
    Die deutsche „Geiz-ist-geil-Mentalität“ sorgt dann auch noch dafür, daß bei entsprechend verlockenden Angeboten der Verstand der Käufer scheinbar vollständig aussetzt – für unter 100.000 € gibt es eben kein komplettes gutes Haus sondern nur ein Fragment oder sehr Fragwürdiges….

    Gruß
    Arno Kuschow

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