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Sie sind hier: EnBauSa Blog > Lüftung & Klima > Trotz EIB-Bus weit entfernt vom Smarthome

Einmal mehr hat die Frankfurter Messe Light & Building das Smarthome als Trendthema identifiziert. Und tatsächlich: Was da in der vergangenen Woche in den Messehallen an Szenarien für das vernetzte Haus der Zukunft präsentiert wurde, war beeindruckend – wieder einmal. Doch hat sich seit der Light & Building 2012 tatsächlich so viel getan?

„Das ist toll, das ist praktisch, das ist die Zukunft. Ich muss mein Haus darauf vorbereiten.“ So dachte ich schon vor über 13 Jahren bei der Planung des Hauses, in dem ich heute lebe. Ein Passivhaus – ich habe hier bereits mehrfach darüber berichtet. Mein Mann sah es ähnlich und so waren wir uns einig: unser Haus bekommt ein EIB-Bus-System. Der EIB-Bus ist ein Vorgänger des heutigen KNX-Standards. Das Funktionsprinzip ist eigentlich einfach: Statt nur mit einer Stromleitung, mit der die Steuerungsfunktion in Form von Schaltern fest verbunden ist, sind Elektrogeräte, Jalousien oder Lampen doppelt vernetzt. Ein Netz sorgt für die Stromversorgung, ein anderes – das Bus-System – für die Steuerung. Das hat den Vorteil, dass Schaltungen auch im Nachhinein geändert werden können, einfach indem die Aktoren, die die einzelnen Geräte steuern und über das Bus-System ihre Befehle erhalten, umprogrammiert werden. Außerdem könnte ich für mein Haus Szenarien programmieren – zum Beispiel für die Beleuchtung. Sie wissen schon: Leseszenario – Leselampe hell, alles andere gedimmt; Verführungsszenario – Dämmerlicht, … und so weiter, und so weiter.

Nein, halt. Falsch. Nicht ich selbst könnte das, sondern der Elektroinstallateur meines Vertrauens. Hier liegt der Hase im Pfeffer. Mit einem EIB-Bus mag vieles möglich sein, wirklich genutzt wird es – zumindest in meinem Fall – kaum. Denn für jede Änderung im Szenario müsste ich jemanden kommen lassen. Die Programmierung ist einfach zu kompliziert, vernünftige Benutzerschnittstellen fehlen. Aber vielleicht hat sich das ja inzwischen geändert. Auf der Light & Building 2014 jedenfalls spielte die KNX-Technologie einmal mehr eine überragende Rolle. Wäre das Handling nach wie vor so schwierig, wäre das nicht der Fall. Oder doch? Warum halten Industrie und Installateure an dieser Technik fest, obwohl es inzwischen andere, weitaus weniger aufwändige und einfacher zu bedienende Technologien gibt? Man denke nur an die zahlreichen Systeme, die auf Funktechnik setzen und damit die aufwändige Verkabelung überflüssig machen.

Doch auch bei diesen Systemen gilt: eine wirklich allumfassende Lösung gibt es nach wie vor nicht. Jeder Anbieter kocht sein eigenes Süppchen. So hat Fensterhersteller Internorm seinen integrierten Fensterlüfter und die Jalousien mit einem Funkmodul zur Steuerung beispielsweise über ein Smartphone ausgerüstet und betont, Offenheit sei ein wichtiges Kriterium bei der Umsetzung gewesen. Dennoch läuft das Ganze über ein Internorm-eigenes Funkprotokoll. „Dadurch haben wir mehr Gestaltungsspielraum. Über zusätzliche Funkmodule, schaltbare Steckdosen und ähnliches können weitere Komponenten integriert werden“, so ein Unternehmenssprecher auf der Fachmesse fensterbau frontale. Wahre Offenheit sieht anders aus.

Und so sind wir auch heute, 13 Jahre nachdem ich mein Haus bezogen habe, noch immer ein gutes Stück entfernt von der Vernetzung sämtlicher Komponenten im intelligenten Haus und deren einfacher, zentraler Steuerung. Das sieht auch die Messe Frankfurt so, die in ihrer Pressemitteilung zum Trendthema Smart Home auf der Light & Building schrieb: „Auch wenn das Smarthome im Altbau derzeit noch an Grenzen stößt, aufhalten lässt sich der Trend zu intelligenter Haustechnik nicht. Schon jetzt bieten viele Hersteller smarte Bauelemente an, auch für die Sanierung. Ob Kommunikation der Heizung mit dem Smartphone, automatische Lüftung der Wohnräume, verschiedene Beleuchtungsszenarien auf Knopfdruck oder intelligente Beschattung der Fenster – viele Hausbesitzer setzen Smarthome-Elemente in den eigenen vier Wänden selbstverständlich ein. Die Vernetzung der einzelnen Komponenten und deren zentrale Steuerung wird Aufgabe und Herausforderung der Zukunft.“

Ich bin gespannt, wann diese Aufgabe endlich bewältigt wird. Sie steht schon so lange auf der Agenda. Vielleicht kommt mit dem Beitritt von Intel zur EEBus-Initiative und mit der Kooperation von EEBus-Intitiative und der Enocean Allianz als Vertreter eines der großen Funkstandards ja endlich mehr Bewegung in die Sache. Allerdings sind solche Kooperationen in der Smarthome-Szene ja durchaus nichts Neues. Dass Googles Nest-Kauf für den Durchbruch beim Smarthome sorgt, wie so manche Blogger nach der Übernahmemeldung euphorisch vermeldet haben, wage ich zu bezweifeln. Auch Nest beschränkt sich wie so viele andere auf einzelne Komponenten: Heizungssteuerung und Rauchmelder. Das allerdings mit zugegebener Maßen sehr smarten Lösungen.

Für 2014 jedenfalls erwarte ich den Durchbruch nicht, denn nach wie vor sind die Lösungen zu teuer, wie auch EnBauSa.de-Autor Hans Schürmann in seinem Bericht von der Light & Building deutlich macht. Der Beitrag zeigt aber auch: Die Anzahl spannender Lösungen, vor allem auf Basis von Funktechnologien, wächst. Insofern gebe ich meinem Energieblogger-Kollegen Andreas Kühl ein Stück weit Recht, der im Dezember 2013 geschrieben hat „2014 kann das Jahr für Smarthome-Anwendungen werden„.

Ich selbst werde einstweilen überlegen, wie ich mein EIB-Bus-System besser nutzen kann. Viele Möglichkeiten habe ich da auf den ersten Blick nicht: Jalousien haben wir keine, für die nötige Verschattung der großen Fensterflächen im Süden sorgen sorgfältig berechnete Balkone. Eine aufwändige Heizungssteuerung brauchen wir auch nicht, die Luftheizung ist entweder an oder aus, die Steuerung läuft über einen Temperatursensor. Die Heizung zwischenzeitlich bei Abwesenheit runterzufahren kommt eher nicht in Frage. Bisher nutzen wir das System eigentlich nur für das Licht. Den kleinen Schalter an der Haustür, über den ich mit einem Fingertipp in allen vier Stockwerken das Licht und die Infrarotheizungen in den Bädern ausschalten kann, möchte ich nicht missen (für Eingeweihte: Ich meine natürlich den Sensor, nicht Schalter). Ich werde einfach mal meinen Installateur einladen und mit ihm auf unser System schauen. Bin gespannt. Bericht folgt.

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