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Sie sind hier: EnBauSa Blog > Heizung & Warmwasser > Der Wärmemarkt ist kein schlafender Riese, nein, er liegt vielmehr im Koma

Ob die Politik dem derzeit bewusstlosen Giganten mit ihren aktuellen Entscheidungen und zukünftigen Vorhaben ein Weckmittel verabreicht, bezweifle ich: Die bereits begangenen und drohenden Fehler nötigen den Verbraucher vielmehr dazu, die eigentlich haushalterisch alternativlose Sanierung zu verweigern, da ihm sowohl emotionale als auch finanzielle Knüppel zwischen die Beine geworfen werden.

Politik quo vadis?

Die politischen Entscheidungsträger befinden sich in mindestens drei Dilemmata: Erstens können sie nicht entscheiden zwischen Zwang und Anreiz bei der Förderung der Gebäudesanierung. Zweitens finden sie keinen rechten Mittelweg zwischen einer dringend zu steigernden Sanierungseffizienz und der ebenfalls erforderlichen Erhöhung der Sanierungsquote. Drittens setzen sie einerseits einen Schwerpunkt auf Energieeinsparung, obwohl sie sich andererseits klimapolitisch dazu verpflichtet haben, schwerpunktmäßig die CO2-Emissionen beträchtlich zu reduzieren.

Um dieses Ziel zu erreichen, ist es, nur als Beispiel, einfacher und günstiger, den Einsatz erneuerbarer, im besten Fall CO2-neutraler Heiztechnik aktiv  zu fördern, als außerordentlich umstrittene Fördermechanismen für sehr kostspielige und deshalb oft unrealistische Komplettsanierungen in die politische Arena zu werfen. Solche Gesetzesvorhaben sind nämlich von vorhinein zum Scheitern verurteilt.

Forderung contra Förderung

Auch bereits verabschiedete Gesetze haben schon mehr Schaden als Nutzen verursacht: Niemand, und erst recht kein Schwabe, lässt sich gerne erpressen. Die  Hausbesitzer in Baden-Württemberg reagierten auf den landesgesetzlich verordneten Einsatz Erneuerbarer Energie bei der Heizungssanierung panisch. Sie investierten lieber in (effiziente) fossile Heizsysteme bevor das Erneuerbare- Wärme-Gesetz in Kraft getreten ist, als sich dessen ordnungspolitischem Zwang zu unterwerfen. Diese Bevormundung beraubte die Hausbesitzer im Endeffekt einer langfristigen Energiekosteneinsparung, die ein Heizsystem mit nachwachsenden Rohstoffen mit sich bringt. Unterm Strich rückt die eigentlich sinnvolle energetische Sanierung dadurch in das Zwielicht einer „grünen Diktatur“. Langfristig wirksame Verunsicherung und tief sitzender Ärger beim Immobilienbesitzer sind die Folge.

Durchbruch vielleicht doch vermittelbar?

Einen schwachen Silberstreif am Horizont haben die politischen Entscheider kürzlich gesetzt: Das Gesetz über die steuerliche Förderung von Sanierungen findet nun tatsächlich seinen Weg in den Vermittlungsausschuss. Dort haben Bund und Länder die große und vielleicht letzte Chance, ein wirksames Werkzeug zur Erhöhung der Sanierungsquote auf den Weg zu bringen. Damit das Gesetz greift, muss der Vermittlungsausschuss jedoch mindestens drei Anforderungen erfüllen.

Erstens darf eine Teilsanierung, also eine Einzelmaßnahme, nicht ausgeschlossen werden. Denn oft ist eine Vollsanierung schlicht unleistbar. Eine Vollsanierung schlägt in vielen Fällen mit 70.000 Euro oder mehr zu Buche. Eine Heizungssanierung als Einzelmaßnahme kann demgegenüber für eine Investition von vielleicht 20.000 Euro die monatlichen Brennstoffkosten fast halbieren (3.000 Öl: 2610,- Euro, 6 t Pellets: 1396,- Euro; Stand Nov. 2011) und die CO2 Emissionen für Wärmeerzeugung quasi auf null reduzieren.

In diesem Zusammenhang muss zweitens die zu erzielende Energieeinsparung herabgesetzt werden. In vielen Sanierungsfällen ist der derzeit diskutierte, nach der Sanierung zu erreichende Energieverbrauch von 85 Prozent im Vergleich zum Neubau unrealistisch. Die Vorgabe ist einfach zu streng.

Drittens ist zur erfolgreichen Verabschiedung des Gesetzes unbedingt erforderlich, dass den zweifelnden Ländern vermittelt wird, dass die befürchteten Steuerausfälle mehr als kompensiert werden: Eine höhere Sanierungsquote erhöht die Mehrwertsteuerzuwächse durch private Investitionen, sichert Arbeitsplätze durch vollere Auftragsbücher und steigert die Gewerbesteuereinnahmen aufgrund höherer Umsätze der Handwerksfirmen. Dieser deutliche Zuwachs der regionalen Wertschöpfung muss dem Bundesrat klar und deutlich erläutert und mit Zahlen hinterlegt werden. Ein Aufsatz des Instituts der deutschen Wirtschaft Köln hat hierzu gute Vorarbeit geleistet.

Wie anfangs umrissen, irren die Entscheidungsträger noch durch ein scheinbar undurchdringliches Gestrüpp falscher Förderschwerpunkte, schadender Ordnungspolitik und der Halsstarrigkeit einzelner Länder. Wir können gespannt sein, ob der Vermittlungsausschuss einen gangbaren Pfad durchs Dickicht bahnen kann. Spätestens am 10. November, nach der bezeichnenderweise Bereinigungssitzung genannten Verhandlungsrunde wissen wir mehr.

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3 Antworten auf “Der Wärmemarkt ist kein schlafender Riese, nein, er liegt vielmehr im Koma”

  1. Jana am 9. November 2011 um 11:11

    hmm… na da muss man schon ein wenig drüber nachdenken.

  2. […] https://blog.enbausa.de/heizung-warmwasser/der-warmemarkt-ist-kein-schlafender-riese-nein-er-liegt-vielmehr-im-koma.html […]

  3. Sandra Henning am 28. März 2013 um 17:49

    Dazu kommt jetzt noch die Missfinanzierung des EKF, die wichtige Förderprogramme als Anreiz für eine energetische Altbausanierung oder die Anschaffung einer regenerativen Heizung behindert: http://www.energie-experten.org/experte/meldung-anzeigen/news/verfehlte-emissionshandelspolitik-gefaehrdet-energiewende-4100.html Und das Schlimme ist, dass dies nicht das erste Mal ist. Bereits vor zwei Jahren hat sich die Bundesregierung verkalkuliert, sodass das CO2-Gebäudesanierungsprogramm erst auf Eis lag und dann anstelle von 1,5 Milliarden Euro nur 900 Millionen Euro erhielt. Diese Verunsicherung ist auch einer der wichtigsten Gründe für den anhaltenden Modernisierungsstau.

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