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„Energiesparhaus, Passivhaus, Heizen nur über die Lüftung, CO2-neutrales Heizen mit Holz, wassergeführter Kaminofen“ – tolle Schlagworte, denen man erst mal gar nichts entgegen setzen möchte. Es sei denn, man soll es bauen und verantworten. Diesen Fall hatte ich kürzlich in einer Beratung für ein anzubietendes Haus, natürlich mit Gebäudehülle in höchstem Energiesparstandard:

Eine Flächenheizung war unerwünscht wegen massiver Dielen, aufgrund der Passivhaus-„Propaganda“ für die Luftheizung hatten die Interessenten ohnehin nicht die Absicht, ein wassergeführtes Heizungssystem zu installieren. Nun lag die Aufgabe für mich darin, dass ein wassergeführter Ofen einen Wärmetauscher im Zuluftstrom „füttert“! Dazu natürlich die direkte Ofenwärme. Das hört sich ja erst mal gut an: der Ofen macht richtig warmen Vorlauf, sollte also reichen, genug Wärme in die Zuluft zu kriegen – wenn da nicht die drohende Staubverschwelung wäre, schon mal ein dicker Minuspunkt!

Und dann der Speicher, angedacht war ein normal großer Standspeicher mit 600 bis 1.000 Liter Inhalt. Auch das klingt erst einmal nicht schlecht, doch hier lohnt ein zweiter Blick: Da das Luftheizregister einen hohen Vorlauf benötigt, ist bei 50°C Speichertemperatur schon nichts mehr für die Heizung rauszuholen – bei einer Fußbodenheizung wäre noch eine Leistung bis deutlich unter 30°C drin.

Nur dann macht auch die solare Heizungsunterstützung einen Sinn – im Winter bei Heizlast kommt solar nur ein leicht temperiertes Wärme-„Strömchen“ an, auf keinen Fall kann man damit einen 50°C warmen Speicher weiter aufheizen.

Fazit: Bei einer Luftheizung kriegt man in den scheinbar großen Speicher trotz „heißer“ Wärmequelle Ofen fast keine Energiemenge hineingebunkert! Und das nächste Problem lauert: Es gibt eine lange Übergangszeit, in der das sehr gut gedämmte Haus noch keine Heizlast hat, solar aber auch nicht mehr genug ankommt für ausgiebiges Duschen und Baden in einem normalen Haushalt. Somit schmeißt man doch den Ofen an, der zwar drei Viertel seiner Leistung zum Speicher befördert, ein Viertel aber ins Wohnzimmer abgibt, das dann völlig überheizt wird und zum Fenster öffnen lockt. Rund 25 Prozent der erzeugten Leistung werden somit gleich wieder vernichtet. Schön – oder so!

Aber man muss ja nicht den Ofen anschmeißen, zur sicheren Wärmeversorgung und Frostsicherheit auch bei Abwesenheit gibt es ja einen elektrischen Heizstab als „Backup-Lösung“. Der springt dann unauffällig an und alles ist gut. Es meckert keiner im Haus über das viel zu warme Wohnzimmer, es muss kein herumfliegender Staub und Ruß im Wohnzimmer aufgesaugt werden – der Ofen wird irgendwann immer später in Aktion gebracht …

Bis die nächste Rechnung des Energieversorgers für den Stromverbrauch eintrifft. Dann ist wahrscheinlich der Hausbauer oder Anlagenplaner schuld: der Kunde, der das zuvor unbedingt so haben wollte ist ja nur Laie und konnte das unmöglich überblicken.

Was tun? – Also doch Flächenheizung zum wassergeführten Ofen zusätzlich zur Lüftungsanlage oder Lüfterkonvektoren … Und ein wesentlich größerer Pufferspeicher, wenn man es bei etwas höherem nötigen Vorlauf belässt, damit genug nutzbare Wärmemenge drin ist.

Wenn ich das weiter überlege und kalkuliere ist der Ofen mit Wassertasche und aller notwendiger Peripherie plötzlich viel teurer als eine kleine 5 kW-Wärmepumpe – obwohl der Start der Überlegungen genau anders herum war!

Entweder kann ich dies meinem Kunden verständlich machen oder er hält mich daraufhin für nicht kompetent für sein Projekt und geht weiter zum nächsten Anbieter. Fündig wird er sicher, seine Traumlösung wird dann später mit großer Wahrscheinlichkeit Gerichte und Gutachter beschäftigen und auch die diversen Bauforen werden nicht austrocknen!

Gruß Arno Kuschow

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8 Antworten auf “Fallstricke beim umweltfreundlichen Heizen”

  1. hpfaerber am 14. Dezember 2010 um 10:52

    Ich benutze seit 5 Jahren einen wassergeführten Pelletofen in Kombination mit einer heizungsunterstützenden Solaranlage und ein paar wenigen Heizkörpern. Der Heizstab wird manuel in der Übergangszeit zugeschaltet. Sind vileicht 10 Tage a je 30 min. Alles klappt prima!

  2. Silke Thole am 14. Dezember 2010 um 11:47

    Seit fast zehn Jahren wohne ich in einem Passivhaus mit Luftheizung. Die Luft warm zu kriegen ist für uns kein Problem, wir nutzen Fernwärme – leider (Anschlusszwang, Befreiung war nicht möglich). Dennoch würde ich die Luftheizung nicht weiterempfehlen, denn die Möglichkeiten zur Steuerung sind gering. In unseren Nordzimmern bleibt es an kalten Wintertagen doch recht kühl. Die Solltemperatur lässt sich nur fürs ganze Haus festlegen. Wird diese hochgedreht, damit es in den Nordzimmern angenehm warm ist, ist es in den Südzimmern viel zu warm…

    Unsere Lösung: In dem einzigen Zimmer, das im Norden liegt und nicht nur als Schlafzimmer genutzt wird, steht seit einigen Jahren in den Wintermonaten ein kleiner Elektro-Radiator.

    In mein nächstes Passivhaus, sollte ich tatsächlich noch einmal eines bauen, kommt ein Flächenheizsystem mit niedrigen Vorlauftemperaturen, bei dem einzelne Räume gezielt temperiert werden können. Trotzdem, Herr Kuschow, schrecke ich vor einer Wärmepumpe zurück. Mit Strom möchte ich nämlich eigentlich nicht heizen…

    Grüße,
    Silke Thole

  3. Arno Kuschower am 14. Dezember 2010 um 18:10

    Ich versuche mal eine Zwischenantwort auf die Kommentare:

    Das mit dem Pelletofen und Solar funktioniert natürlich viel besser bei einem schlechter gedämmten Haus, da beginnt das Heizen ja auch schon viel früher im Herbst und die Wärme für das Warmwasser fällt dann nebenbei mit ab. Mein Beispiel bezog sich auf ein Haus nahe am Passivhausstandard.
    Dafür sehe ich dann auch am ehesten die Wärmepumpe, nicht unbedingt für das mäßig gedämmte Standardhaus (wer baut noch so was – leider viel zu viele) bzw. Altbau.
    Strom habe ich sowieso im Haus, das ist der einzige absolut notwendige Energieträger, der ins Haus geführt werden muß. Bei richtiger Auslegung mit guter Wärmequelle und niedrigster Vorlauftemperatur ist der Strom dann wirklich nur Hilfsenergie für die Ausnutzung der Umweltwärme. Da sind tatsächliche Leistungszahlen um die 5 durchaus realistisch. Wohlgemerkt bei richtiger Auslegung!
    Für ein aktuelles Haus (guter 2009 KfW55 Standard) mit ca. 180 qm Wohnfläche habe ich gerade jetzt nach dem strengen Wintereinbruch die täglichen Energieverbräuche mitgeteilt bekommen von der Bauherrschaft: Auch bei -16°C nächtlicher Außentemperatur war der Stromverbrauch für Haushaltsstrom und Heizung zusammen (es gibt da nur einen Zähler, Mehrtarif lohnt nicht in dem Fall) in 24 Stunden nur ca. 16 kWh! Selbst wenn ich diesen Verbrauch bei Extrem-Winterwetter einfach auf 365 Tage hochrechnete kämen da nur 5.840 kWh/a heraus. Für Heizung und gesamten Haushalt zusammen!!!
    Bei einer tatsächlichen Jahresabrechnung mit überwiegend Tagen ohne Heizlast wird das noch mal ganz entscheidend weniger. Ich liefere gern nach Ablauf einer Heizperiode die echte Gesamtzahl hinterher.
    Wenn ich bedenke, daß ein mittlerer Haushalt nur für den allgemeinen Strom für Licht, Kochen, WM, PC etc. schon 3.000 bis über 4.000 kWh/a braucht kann ich bei diesem konsequenten Energiesparhaus wirklich nicht von einem Gebrauch von Strom zum Heizen sprechen.
    Es ist hier tatsächlich so, daß ein zweiter Energieträger nicht mehr wirtschaftlich vertretbar ins Haus geführt werden kann.
    Ich sehe das perspektivisch auch so, daß der regenerativ erzeugte „grüne“ Strom immer mehr Anteil gewinnen wird und damit auch in der Ökobilanz noch mal besser/ökologischer wird in der Wärmepumpe.
    Dafür darf ich zwar gegen Atomkraft demonstrieren, muß mich aber schon für Offshore-Windparks o.ä. aussprechen!
    Beim Heizen gilt allgemein die Verbrennung von Rohstoffen leider immer noch als Stand der Technik, während sogar beim Auto schon die E-Mobilität an Boden gewinnt. 😉
    Gruß
    Arno Kuschow

  4. Bernd am 19. Dezember 2010 um 17:49

    Wir, zwei Erwachsene und ein Baby, bewohnen seit Juli 2010 unser Eigenheim. Es wird beheizt durch eine Solaranlage und einen wasserführenden Kaminofen. In den Bädern zusätzlich elektrische Fußbodenheizungen. Die Lüftungsanlage dient der Wärmeverteilung. Gerne möchte ich Ihnen meine Erfahrungen mitteilen, da für dieses Konzept kaum Fachliteratur oder Schriftgut existiert.
    Die gesamte Auslegung wurde von mir selber durchgeführt, ebenso der größte Teil des Einbaus. Zum einen, weil man wie Sie bereits erwähnten kaum jemanden findet, der einem so etwas projektiert. Zum anderen, weil Selbermachen günstiger ist und mir andere das sowieso nicht gut genug machen ;-).

    Der Grundgedanke ist klar: Warum noch ein zusätzliches Wärmeverteilsystem einsetzen, wenn sowieso eine Lüftungsanlage vorhanden ist. Aber wie heizen, wenn die maximale Heizlast sowieso relativ niedrig ist? Die Grundidee ist eine große Solaranlage, die im Frühjahr, Sommer und Herbst die Beheizung des Hauses und des Warmwassers übernimmt. Dazu noch ein Scheitholzofen für die Grundlast im Winter, zusätzlich elektrische Fußbodenheizungen in den Bädern. Geplant ist noch ein weiteres elektrisches Backup, hierzu später mehr.

    Das Haus: KWF40-Standard, 127m² Wohnfläche, mit Spitzboden und Keller etwa 200m² Gesamtfläche. Massiv, Porenbeton, 20cm Styropordämmung U=0,19, Dach U=0,21
    Die Solaranlage: 12m² Röhrenkollektoren, 4m³ druckloser WW-Speichertank, Einspeisung über Wärmetauscher ganz unten in den Speichertank.

    Warmwasser: über Wärmetauscher ganz oben im Speichertank, dazu zapfstellennah einen solartauglichen Durchlauferhitzer, in der Küche nur über den Wärmetauscher.

    Lüftungsanlage: Paul Thermos 300DC mit Volumenstromkonstantregelung, Paul Warmwasserheizregister DN200, Ansaugung über 30m DN200 Erdwärmetauscher. 5x Zu- und Abluftventile im EG und selbiges im OG (dazu noch ein paar im Keller, aber noch nicht in Benutzung). Zusätzlich ein Kaltluftstrang (Abzweig vor Heizregister) mit 2x Ventil hinter dem Ofen und 2x Ventil im OG Schlafzimmer. Umluftbypass hinter dem Lüftungsgerät von der Fortluft auf die Frischluftseite mit einer manuell und einer motorisch verstellbaren Drosselklappe. 3 Lüftungsschalter (2x Bad, 1x Küche). Bei Betätigung geht das Lüftungsgerät 15Min auf Volllast und die motorische Drosselklappe schließt den Bypass.

    Der Scheitholzofen: Drooff Varese HFW. Einspeisung in den Speichertank über einen Wärmetauscher oberhalb des Solarwärmetauschers.

    Das Warmwasserheizregister: Entnahme des Warmwassers oben aus dem Speichertank, dann Mischventil (zur Begrenzung auf ca. 50°C) und danach Pumpe. Dahinter Abzweig für Heizregister und zu den Keller-Heizkörpern. Nach dem Heizregister Rückführung ganz unten in den Speichertank.

    Diesen Herbst ging es los. Die Solaranlage ging erst nach Mitte September in Betrieb. Geplant war eigentlich Frühjahr/Sommer, damit der Energiespeicher für den Herbst voll geladen ist und erst spät mit der Holz-Zuheizung begonnen werden muss. Aber wenn man vieles selber macht, dauert doch alles länger als geplant… Die Solaranlage fütterte dann den noch nicht isolierten Speichertank im Keller, der dann wenigstens den Heizungsraum schön beheizte. Der Tank kam dementsprechend (und wegen der 4m³) nur langsam auf Temperatur, aber dafür konnte man im Keller prima Wäsche trocknen. Der Scheitholzofen ging dann Mitte Oktober in Betrieb. Der Tank war immer noch nicht isoliert und das WW-Heizregister auch noch nicht angeschlossen. Pünktlich mit den ersten kälteren Tagen konnte Holz aufgelegt werden und wärmte das Wohnzimmer. Der unisolierte Tank waberte weiter vor sich hin, der Keller war schön warm. Mitte November schaffte ich es endlich, den Tank fertig zu isolieren und kurze Zeit später das Heizregister an den Speichertank anzubinden. Zu der Zeit war es im Keller 20°C, im EG Wohnzimmer meisten 21-22°C und im OG 18-19°C. Gerade rechtzeitig zum Wintereinbruch war also das Heizsystem komplett, puh! Was noch fehlt ist eine Kellertür, um den Keller vom Wohnbereich abzutrennen. Ebenso ist die OG-Decke zum Spitzboden noch nicht isoliert. Der wird momentan unfreiwillig auch noch komplett mitbeheizt. Die Zuluftleitung im Keller und EG Abstellraum ist auch noch nicht isoliert, der Abstellraum entsprechend der wärmste Raum im Haus. Ich verliere noch einiges an Lufttemperatur vom Heizregister bis zur Entnahmestelle. Zum Stand heute 17.12.2010: Keller (unbeheizt) 17°C, Wohnzimmer EG 21-22°C, Bäder 21°C, Räume OG 19-20°C, Schlafzimmer OG 18-19°C, Spitzboden (passiv mitbeheizt) 19-20°C. Strom 17.07. – 17.12: 1650kWh, liegt also trotz elektr. FB-Heizung, Durchlauferhitzer und KWL-Lüfter noch in etwa im Normalbereich. Holzverbrauch bis jetzt etwa 2,2 Raummeter. Zur Zeit muss jeden Tag Holz aufgelegt werden.

    Fazit: Ein wenig Schweiß und Nägelkauen waren schon angesagt, ob Rechnung und Praxis in Übereinstimmung sind. Bei den momentanen Temperaturen dauerhaft um und weit unter Null hat das System seine Feuertaufe bestanden. Bei richtiger Auslegung kann und wird ein solches System funktionieren. Hier aus meiner Sicht einige Punkte, die dem Gelingen förderlich sind:

    Lüftungsanlage: Diese ist wie eine Heizung auszulegen, nicht wie eine Standard-Anlage plus Heizregister obendrauf. Dies bedeutet höhere mögliche Volumenströme, Mischluft (Um- + Frischluft), große Rohrquerschnitte für geringen Druckabfall, genügende Anzahl an Ventilen, Zuluft in jedem Raum, Berücksichtigung der Grundheizlast der Räume (Nord, Süd, Bad, Schlafzimmer…), Erdwärmetauscher, genügend Schalldämpfer. Ich denke, hier werden die meisten Planungsfehler gemacht.

    Luftfeuchte: Vielerorts befürchtet, bei uns bis dato kein Problem. Ging bei draußen –10°C auf etwa 40% zurück und liegt momentan (schon wieder unter 0°C) bei etwa 45%, gestern waren es mal knapp 50%. Die Mischluft und die momentan 8°C an der Zuluftseite sorgen für ausreichende Feuchte.

    Haus: Klar, Niedrigenergie- oder Passivhausstandard ist Pflicht, eine niedrige Heizlast notwendig. Weniger wichtig sind relative Zahlen (/m²) als absolute für die Heizlast. Da ein marktgängiger Ofen 7-10kW Gesamtleistung hat, kann man sich ja ausrechnen, wie lange man pro Tag heizen muss. Das ganze Prinzip mit dem Ofen beruht ja letztendlich auf dem Prinzip der Speicherung der diskontinuierlich abgegebenen Heizleistung. Daher ist ein Haus mit einer hohen Wärmekapazität (sprich hoher Masse) von Vorteil. Diese wirkt ausgleichend auf den Temperaturverlauf im Haus. Der Wohnraum mit dem Ofen wird nicht zu warm und wenn der Ofen und die Lüftung mal einen Tag nicht läuft, geht die Welt (die Temperatur) auch nicht (r)unter. Ebenso speichert die hohe Masse. Feuchtigkeit. Gut wäre eine offene Bauweise mit Luftraum zum Obergeschoss (hab ich nicht, aber mein Nachbar) zur besseren Wärmeverteilung, wenn der Ofen läuft.

    Heizregister: Funktioniert zunächst bei jeder WW-Zulauftemperatur (nicht nur 50°C). Je höher die Temperatur, desto höher natürlich die max. Leistung. Alternativ kann die Leistung durch einen erhöhten Luftvolumenstrom angehoben werden. Das WW kommt aus dem Speichertank, nicht aus dem Ofenvorlauf. Die dort anliegende hohe Temperatur ist zwar verlockend. Aber in der Praxis möchte man eigentlich weniger oder gar nicht heizen, wenn der Ofen läuft. Mein Tank hat momentan oben etwa 50°C. Die Lufttemperatur aus dem Heizregister liegt je nach Pumpendurchsatz bei etwa 40-44°C. Staubverschwelung (ab ca. 52°C) halte ich eher für ein akademisches Thema, da dafür zunächst die Anwesenheit von Staub notwendig ist. Die Luft ist ja 2-fach vorgefiltert.

    Elektrisches Backup: Zunächst einmal bin ich überhaupt kein Freund des elektr. Heizstabes. Unabhängig vom Bedarf wird der Speicher auf einem hohen Temperaturniveau gehalten und reduziert dadurch den Wirkungsgrad der Solaranlage und sogar des Scheitholzofens. Im Grunde durch die Isolationsverluste eine versteckte Heizungsraumheizung, die ab und zu auch mal andere Sachen heizt. Eine elektrische Heizung sollte meines Erachtens verbrauchernah und bedarfsgenau ausgelegt sein. Momentan habe ich noch keine elektr. Zusatzheizung (außer der FB-Heizung). So wie der Durchlauferhitzer für Warmwasser wäre mein Favorit ein solartauglicher Kleindurchlauferhitzer oder eine Rohrheizung direkt vor dem WW-Heizregister, im Bedarfsfall zuschaltbar. Alternativ eventuell Strahlungsheizer (z.B. Redwell) in den Räumen.

    Speichertank: Also 500l halte ich definitiv für zu wenig, es wird zu wenig Energie gespeichert. Schlimmer noch, man kann den Ofen nicht so lange betreiben wie man möchte, da man immer ein Auge auf der max. Speichertemperatur haben muss. Mit meinen 4000l bin ich bis jetzt ganz zufrieden. Gerade auch im Sommer möchte ich Solar-Energie für den Herbst einspeichern. Mal schauen, wie das so läuft.

    Solaranlage: Für höhere Erträge im Winter habe ich Röhrenkollektoren installiert. Liefen am Anfang auch recht fleißig, momentan tut sich da aber gar nichts mehr aufgrund des vielen Schnees auf dem Dach. Solaranlage und Scheitholzofen sind aber technisch gesehen ideale Spielpartner, die sich nicht ins Gehege kommen. Zunächst einmal dadurch, dass der Ofen nur in der kalten Jahreszeit läuft und die Solaranlage hauptsächlich Frühjahr bis Herbst abdeckt. Darüber hinaus ist von Vorteil, dass der Ofen generell mit mindestens 55°C Vorlauf fahren muss. Dadurch liegt die Einspeisung in den Speichertank höher als bei der Solaranlage, die ganz unten auf dem geringsten Temperaturniveau einspeist. Brennwerttherme und Solaranlage hingegen wollen auch auf dem geringsten Niveau einspeisen, sind dadurch in Konkurrenz zur Solaranlage und beschneiden deren Wirkungsgrad.

    Generell muss dieses gesamte Heizungslayout zum Nutzer passen. Die Bedienung ist weniger komfortabel, ein bisschen Dreck und etwas Arbeit ist auch dabei. Das muss man wollen. Von den Betriebskosten dagegen unschlagbar günstig. Erst recht, wenn man günstig oder umsonst Zugang zu Brennholz hat. Holz ist gespeicherte Solarenergie. Daneben ist man für den Fiskus nicht greifbar, der wegen der „Umwelt“ (für die, die es glauben. In Wirklichkeit wegen der Staatsverschuldung) wieder einmal die Energie höher besteuert.

    Ich hoffe, der geneigte Leser hat bis zum Ende durchgehalten. Die Ausführungen sind nun doch länger geworden, als ich gedacht hatte. Ich bin selber gespannt, wie sich das Heizsystem im weiteren Jahresverlauf verhält.

  5. Dirk Arning am 4. Januar 2011 um 19:01

    Seit 2002 wohne ich etwa in meinem ähnlich beheizten Haus: Das Haus (155qm Wfl. + Vollkeller, unbeheizt) ist massiv gebaut, hat rund 11qm Solarthermiefläche in Südausrichtung, einen 1000 L-Warmwasserspeicher, einen Wodtke 10kw-Pelletofen mit rund 80%iger Energieabgabe wasserseitig und eine Wolf Lüftungsanlage mit WRG. Geheizt wird ausschließlich über ein Nachheizregister im Zuluftstrom. Wir haben uns damals aus Überzeugung und ohne große Wirtschaftlichkeitsberechnung zu diesem System entschlossen. Hauptnachteil ist meiner Meinung nach die extrem trockene Luft, die wir eigentlich immer im Wohnraum haben. Luftbefeuchter sind fast wirkungslos, da die befeuchtete Luft ja quasi permanent ausgetauscht wird. Wir kämpfen so permanent, um wenigstens knapp 30% Luftfeuchtigkeit zu halten. Ich würde das System jederzeit wieder so bauen, dann allerdings den Umluftstrom deutlich erhöhen, um auch mit weniger Frischluftanteil mehr Wärme ins Haus bringen zu können. Zusätzlich würde ich das Badezimmer mit einer Fußbodenheizung verstärken, da das jetzt nur „passiv“ über den Abluftstrom geheizt wird.
    Sollte ich irgendwelche Fachbegriffe nicht ganz richtig eingesetzt haben, bitte ich das zu entschuldigen, ich komme nicht aus der Planungs- oder Installationsecke, sondern aus dem Baustoffhandel 😉

  6. Arno Kuschow am 7. Januar 2011 um 19:29

    Danke für die Beiträge von den Ofenheizern!
    Die Beschreibungen zeigen, daß es für den ganz normalen Verbraucher, der sich nicht in die Technik einfuchsen mag oder kann, durchaus eine Überforderung sein kann – man muß das schon bewusst wollen und danach leben – dann kann es auch gut funktionieren.
    Es ist aber so wie dargestellt und beschrieben nicht ausreichend „idiotensicher“: Vor einem deutschen Gericht würde der Anlagenplaner/Ausführer mit hoher Sicherheit mit mindestens „blutiger Nase“ davonkommen, wenn der Nutzer die nicht problemlose und nicht automatische Funktion bemängelt! Ein Teil des Problems das ich im Startbeitrag beschreibe, liegt doch in der Diskrepanz zwischen dem Wunsch in der Planungsphase des ökologisch interessierten Hausbauers und der tatsächlichen Bereitschaft oder Fähigkeit hinterher in der Nutzung das Mitdenken und Kümmern zu übernehmen!
    Was aber auch in diesen Beiträgen durchkommt ist das Problem der Heizung nur über die Lüftung: große wohnbiologisch sehr nachteilige Luftmengen die aber nötig sind, das „dünne Medium“ Luft mit genügend Energie zu versorgen. Natürlich kann man auch mit geringer temperierter Luft heizen – das aber eben nur für den Preis extremer Luftbewegung, und die ist im Zweifel auch ein erheblicher Mangel des Gebäudes!

    Gruß
    Arno Kuschow

  7. Hermann Palmen am 16. Januar 2012 um 12:10

    Ich hab eine Wärmepumpe und ein Lüftungsgerät mit Wärmepumpe zur Warmwassererzeugung. Das Haus wurde 2007 bezogen. Beratungen der „Fachleute“ waren mehr als dürftig. Jetzt, nach fünf Jahren trat ein Defekt an der Lüftungsanlage auf, der Hersteller und sein Werkskundendienst sind nicht mehr erreichbar. Es ist übrigens einer der Größten in Deutschland.
    Heute würde ich unbedingt OHNE Lüftungsgerät oder maximal mit dezentralen Geräten mit Wärmerückgewinnung arbeiten. Eine Luftheizung kommt für mich nicht mehr in Betracht, weil die Kosten für die Anlage, der Platzbedarf für Rohre und Schalldämpfer und vor allen Dingen die Wartungskosten mit Reparaturen und Filtern JEDE Ersparnis übersteigen. Als Heizsystem käme für mich nur noch eine Strahlungsheizung als Wandheizung oder als Klimadecke infrage. Die Klimadecke hat die beste Strahlungswirkung und wird als Fertigteil mit der Decke eingebaut. Die Wärmestrahlen erreichen jede Ecke im Raum. Glas reflektiert die Strahlen nahezu vollständig, die Raumtemperaturen können gesenkt werden. Die Wände bleiben trocken und reflektieren ebenfalls die Wärmestrahlen solange und mehrfach in den Raum, bis die Absorbtion der Oberflächen die Energie aufgebraucht hat. Übrig bleibt ein Heizungsvorlaufbedarf mit unter 30°C, also ein idealer Wert für eine Wärmepumpe. Diesen Strom könnte ich über Photovoltaik selbst produzieren. Das lohnt sich aber nur bei entsprechenden Förderungen..

  8. JH-CAD-Architekt.de am 21. Juni 2012 um 15:41

    @ Silke Thole

    Haben Sie einen zentralen Lueftungsnachheizregister, oder warum ist es mit der Steuerung der einzelnen Raeume so schwierig?

    Ich persoenlich wuerde in einem Passivhaus nur noch Lueftungsheizung empfehlen, allerdings mit einigen besonderheiten:
    -zentrales Warmwassernachheizregister fuer Luftvorkonditionierung mit Solarunterstuetzung (=>niedrigere Vorlauftemperaturen)
    -Luftnachkonditionierung mittels elektrischem Nachheizregister fuer jeden Raum separat
    -Speicherexterner Plattenwaermetauscher fuer niedrige Vorlauftemperaturen von 45°C fuer die Frischwasseraufbereitung (dadurch auch im Winter Trinkwasseraufbereitung mittels Solar moeglich!)
    (weitere Infos unter http://www.jh-cad-architekt.de/Hausausstattung.html)

    Die hohen Stomrechnungen halten sich beim Passivhaus mit E-Heizung in Grenzen; ob ich fuer 3000kWh/Jahr mit a 22ct/kWh 660€/a Strom fuer die Heizung zahle, oder 330€ fuer Holzscheite zzgl. Schornsteinfegerkosten (50€/a) und alle 10-15 Jahre weitere 1500€ fuer einen neuen, wassergefuehrten Kaminofen (=150€/a), einen Schornstein, eine Menge Dreck in der Wohnung, 110€ fuer den restlichen Haushaltsstrom durch schlechtere Vertraege, da geringere Stromabnahme (28ct statt 22ct/kWh Strom bei 1800kWh Haushaltsstrom im Jahr) =640€/a ist Geschmackssache. Effektiv sparen tue ich NICHTS.
    Und Flaechenheizung mit 15000€ Anschaffungspreis bei dafuer jaehrlichen Heizkosten von 200€ Strom/a(Umwaelzpumpen u el. Zusatzstab sowie Haushalts-Strommehrkosten) statt 660€ macht eine Amortisation in 32 Jahren…also auch nicht wirklich der Burner…schon gar nicht fuer ein knappes Budget.
    Da man in der Anschaffung meist monetaer begrenzt ist, ist die elektrische Lueftungsheizung meines erachtens nach die wirtschaftlichste, auch wenn die allgemeinheit meint, das mit Strom heizen teuer und umweltschaedlich ist: sie sind so umweltfreundlich wie die Elektro-Autos von morgen…auch wenn das heute niemand wahrhaben will.

    @Hermann Palmen
    die Waermepumpe in der Lueftungsanlage ist eine teure Fehlinvestition gewesen, da sie nur in waermeren Uebergangszeiten nuetzt, wenn kein Frostschutz einsetzen muss, also so gut wie nichts bringt. Defekt kann eine Lueftungsanlage gar nicht gehen, lediglich einzelne Komponenten;
    -die Waermepumpe in der WRG muss in der Regel nach 10 Jahren ersetzt werden, die Lueftung kann aber auch ohne laufen, was ich Ihnen empfehle…
    -ein defekter Ventilator kann ersetzt werden, ohne das Geraet wechseln zu muessen. Defekte Ventilatoren kommen meist durch zu schlank dimensionierte Lueftungskanalrohre (Fehlplanung!!!) zustande, oder durch zu hohe Luftwechselraten. In Ihrem Fall eines Bestandsproblems hilft meist nur noch eine Reduktion des Luft-Volumenstroms
    -Wartungen an der Lueftungsanlage koennen Sie selbst durchfuehren, was fuer Kosten entstehen da bei Ihnen denn?
    -Auch Flaechenheizungen haben Rohre mit Platzbedarf, nicht nur die Lueftung!
    -Filter kosten in der Regel zwischen 60-100€/a. Das ist ein Bruchteil der Heizkosten, und uebersteigt die Heizkosten bei weitem nicht? Sie schleinen einen ziemlich schlechten Wartungsvertrag zu haben, den sie aufkuendigen sollten! Mein Rat an Sie; Warten Sie Ihre Anlage selber!

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