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Sie sind hier: EnBauSa Blog > Heizung & Warmwasser > Komfort vor Klimaschutz: Privathaushalte heizen mehr

Heizenergie ist so günstig wie lange nicht. 2016 haben die Heizenergiepreise das dritte Jahr in Folge deutlich nachgegeben. Haushalte mussten nur noch zwei Drittel dessen aufwenden, was im Jahr 2008 für Raumwärme aufzuwenden war, berichtet das Deutsche Institut für Wirtschaftsforschung (DIW). Und wie reagieren die Verbraucher? Sie drehen die Heizung auf. Machen wir es noch nen Grad wärmer, kost ja nix. Stellt sich die Frage, ob die Bewohner der im Wärmemonitor 2016 untersuchten Mehrfamilienhäuser in den vergangenen Jahren aus sozialer Not gefroren haben, oder ob sie ihren persönlichen Komfort höher bewerten als den Klimaschutz. Meine These: Der Zusammenhang ist ihnen nicht wirklich bewusst.

Um zwei Prozent ist der Wärmeverbrauch in der vergangenen Heizperiode gegenüber dem Vorjahr gestiegen, berichten DIW und Ista. Trotzdem sind die Ausgaben für Heizenergie um sechs Prozent gesunken. Betrachtet wurden ausschließlich Haushalte in Mehrfamilienhäusern. Die hatten es wärmer und trotzdem mehr Geld in Petto als in den Vorjahren. Das ist doch eigentlich eine gute Botschaft. Die schlechte ist, dass der Energiebedarf für Heizzwecke in Mehrfamilienhäusern bei weitem nicht ausreichend stark genug sinkt, um das politisch gesetzte Ziel zur Gebäudeeffizienz zu erreichen. 20 Prozent Einsparung gegenüber dem Jahr 2008 sollen es im Jahr 2020 sein, erreicht sind gerade mal 10 Prozent.

Weniger Heizenergieverbrauch in Gebäuden bedeutet weniger CO²-Ausstoß. Fast 40 Prozent des Energieverbrauchs in Deutschland gehen auf das Konto des Gebäudesektors. In Privathaushalten entfallen auf Heizung und Warmwasseraufbereitung 85 Prozent der Energie – entsprechend groß sind hier die Einsparpotenziale. Erschlossen werden können diese zum einen durch die Sanierung der Gebäude. 2016 haben die Gebäudeeigentümer laut Wärmemonitor die Aufwendungen für mehr Energieeffizienz bestehender Gebäude, den Ausbau von Photovoltaik-Dachanlagen und die Modernisierung der Heizungsanlagen um rund 4,5 Prozent gegenüber dem Jahr 2015 erhöht – immerhin.

Dennoch: Die Sanierungsquote in Deutschland ist mit 1 Prozent viel zu niedrig. Soll das deutsche 2020-Ziel noch erreicht werden, müssen deutlich mehr Gebäude saniert werden, und für einen CO²-neutralen Gebäudebestand im Jahr 2050 sogar 97 Prozent der Bestandsgebäude in Europa, hat das Building Performance Institute Europe (BPIE) ermittelt. Die Gebäudeeigentümer sind also gefragt. Gleichzeitig sind aber auch die Bewohner gefordert. Sie können ebenfalls dazu beitragen, Heizenergie zu sparen. Das fängt dabei an, nicht bei laufender Heizung die Fenster dauerhaft geöffnet zu haben und geht bis zur Einstellung der gewünschten Temperatur: Ist es wirklich nötig, im Winter in der  gesamten Wohnung im T-Shirt rumlaufen zu können? Tatsächlich kommt es regelmäßig vor, dass die Energieeinsparungen in einem Gebäude nach der Sanierung längst nicht so hoch ausfallen wie erwartet, weil die Bewohner ihr Verhalten ändern und mehr heizen als vorher. Rebound-Effekt nennen Experten das.

Meine Wahrnehmung ist, dass den Bewohnern der Zusammenhang zwischen dem eigenen Heizverhalten und Klimaschutz nicht wirklich bewusst ist. Stellt sich die Frage, wie dem beizukommen ist. Die Ergebnisse des Wärmemonitors 2016 legen nahe, dass die Energiekosten das Nutzerverhalten beeinflussen. Meine erste Reaktion auf die Meldung zum Wärmemonitor war daher: dann muss Heizenergie eben wieder teurer werden. Doch dabei bliebe der soziale Aspekt unberücksichtigt. Das Konzept des Bundesverbandes Erneuerbare Energien (BEE), wonach auf die existierende Energiesteuer ein zusätzlicher CO²-Zuschlag aufgeschlagen und die Einnahmen daraus einmal im Jahr über Haushalts-Schecks vollständig an die Haushalte zurückerstattet werden sollten, könnte ein guter Weg sein. Zwar erhalten die Haushalte das mehr gezahlte Geld zurück, aber die Wärmeenergie wird teurer und damit der Sparanreiz größer. Ob der vom BEE gewollte Haupteffekt, dass nämlich mehr CO²-arme Heizsysteme  und mehr erneuerbaren Energien zum Einsatz kommen, im Mehrfamilienhausbereich eintreten wird, ist allerdings fraglich. Schließlich legen die Wohnungseigentümer die Heizkosten auf ihre Mieter um, da ist der Anreiz auf CO²-arme Energieträger umzusteigen also eher gering. Unstrittig ist: Der niedrige Preis für Gas und Öl ist derzeit die größte Hürde für die Energiewende im Wärmemarkt.

 

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