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Solarkollektor. Bild: Bomatherm

Solarthermische Anlagen auf den Dächern von Einfamilienhäusern gehören mittlerweile zum täglichen Bild – sowohl in Neubaugebieten als auch auf älteren Bestandsgebäuden sind sie zu einem vorzeigbaren Öko-Symbol für jedermann geworden.

Bei den Größen der installierten Anlagen frage ich mich allerdings des Öfteren, ob da ein Fachplaner dabei war oder ein guter Verkäufer möglichst viele Kollektoren in den Vertrag hineingeschrieben hat.

Weshalb?

Wenn man eine solarthermische Anlage betrachtet und ermittelt, wann sie welche Leistung erbringt wird man feststellen, dass im Sommerhalbjahr fröhlich Leistung abgerufen werden kann, es also immer für die Brauchwasserbereitung reichen wird, wenn es auf den Winter zugeht aber die Leistung schnell zusammenbricht – bei Vakuumröhren später als bei Flachkollektoren – aber die Kurven sind eindeutig: im Winter kommt sehr wenig bis überhaupt nichts an Wärme an – und auch ganz viele Kollektoren multipliziert mit Null bleibt Null!

Das ist besonders ärgerlich weil die Kurve der Heizlast genau andersherum verläuft und sich die beiden Kurven bei einem wirklich gut gedämmten Haus kaum überschneiden. Bei ungedämmten Altbauten gibt es zwar eine größere Überschneidung aber da wäre in der Hierarchie der sinnvollen Investitionen erst einmal Dämmung und bessere Fenster angesagt weil das effektiver ist als Solar auf dem Dach…

Insofern halte ich eine Beschränkung der Solarthermieflächen auf ein sinnvolles Maß zur Brauchwasserbereitung für angemessen, also je nach Haushaltsgröße irgendetwas zwischen 2 und 6 Quadratmeter. Weiter kann man überlegen, sogar auf Erfahrungen aus Südeuropa zurückzugreifen und entsprechend unseres Klimas angepasste Schwerkraft-Solaranlagen (Thermosiphon) einzusetzen zur weiteren Kostenreduzierung. Diese sinnvolle Beschränkung führt zu Solaranlagen, die tatsächlich eine Chance haben, das investierte Geld wieder einzuspielen und vor allem Enttäuschungen zu ersparen.

Es kann kaum etwas ärgerlicheres geben, als zu erkennen, dass die teure Ausrüstung großer Dachflächen mit Kollektoren und womöglich kombiniert mit Saisonspeichern nicht das Ergebnis bringt das erwünscht war und tatsächlich ein wassergeführter Ofen oder im schlimmsten Fall gar ein Elektro-Heizstab nicht nur eine Spitzenlast abdecken, sondern den größten Teil der winterlichen Heizlast. Und das kippt in einem „echten Winter“ dann völlig, mangels einer stabilen Wärmequelle, und wird zur ökologischen und auch ökonomischen Katastrophe.

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13 Antworten auf “Chancen und Grenzen der Solarthermie”

  1. Timo Leukefeld am 10. Mai 2010 um 09:04

    Hallo Herr Kuschow,

    Ihr Beitrag hat mich etwas verwundert. 2-6 m² zur Duschwassererwärmung sollen ausreichen? Sie meinen, damit man keine Überschusswärme im Sommer produziert?

    Wenn man es wirtschaftlich betrachtet, benötigt ein Einfamilienhaus im Bestand 10 bis 15 mal soviel Gas für die Beheizung der Räume im Vergleich zur Erwärmung des Duschwassers. Der geringste Anteil des jährlichen Gasverbrauches wird also für das Duschwasser benötigt. Von dem Wenigen spart eine Solaranlage zur reinen Duschwassererwärmung etwa 50 % ein. Das sind laut Stiftung Warentest dann etwa 60-90 Euro pro Jahr! Und das bei Anschaffungskosten von etwa 4-5000 Euro. Die daraus entstehende Amortisationszeit liegt höher als die Lebensdauer einer solchen Anlage. Meine Meinung ist, dass sich solare Duschwassererwärmung im Einfamilienhaus nicht rechnet und auch nicht sinnvoll ist, wenn die Anlage vor ihrer Amortisationszeit kaputt geht.

    Deswegen ist die solare Heizungsunterstützung mit größeren Kollektorflächen sinnvoller und auch viel wirtschaftlicher. Sie setzt am großen Verbrauchsteil an: bei der Raumheizung, und macht das Duschwasser nebenbei. Im Frühjahr und Herbst können solche Systeme mit größeren Flächen die Heizung sehr stark entlasten bzw. sogar bei entsprechender Dimensionierung von Mitte März bis Ende Oktober ganz abschalten. Im Winter ist es nur bei Sonnenschein möglich die Heizung zu entlasten. Solche Anlagen der Nutzklasse MX Maximum amortisieren sich in der halben Zeit.

    Mit Überschusswärme im Sommer kommen heute alle angebotenen Anlagen zurecht, sie müssen eigensicher sein und das aushalten können.

    Die Sächsische Energieagentur SAENA hat dazu eine schöne Broschüre herausgegeben:

    „Solarthermie – Sonnenenergie – zum Heizen wärmstens empfohlen“ als pdf herunterzuladen unter:

    http://www.saena.de/Aktuelles/Publikationen/Publikationen_Neuerscheinungen.html

    Darin sind die Anlagen von der Duschwassererwärmung bis zur Heizungsunterstützung schön dargestellt und auch mit der DIN VDI 2067 wirtschaftlich durchgerechnet. Man kommt zum gleichen Ergebnis. Nur Duschen mit der Sonne rechnet sich nicht, wenn schon dann auch damit die Heizung unterstützen.

    Beste Grüße von Timo Leukefeld

  2. Arno Kuschow am 10. Mai 2010 um 23:45

    Hallo Herr Leukefeld,

    ich kann Ihren Einwand schon verstehen, aber das ist wohl immer die Frage, von wo aus man das betrachtet.

    Wenn ich ein Bestandshaus nehme stimmt Ihre Ansicht dazu wesentlich eher, als wenn ich ein tatsächlich gut gedämmtes Haus annehme.

    Man muss sich mal vergegenwärtigen, daß die aktuelle EnEV in drei Jahren schon wieder „Altbaustandard“ ist, das was jetzt als KfW-70, vor einem Jahr noch als „top-of-the-art“-KfW-55-Haus Spitze war, in wenigen Jahren unterste Mindestanforderung sein wird! Wer jetzt ein Haus baut oder kauft, in dessen Prospekt es wohltönend heißt „entsprechend neuester Wärmeschutzverordnung gebaut“, erhält ein echtes Auslaufmodell ohne Zukunftstauglichkeit.

    Der Hausstandard in dem ich mich seit nahezu 20 Jahren bewege und weiter vorandenke ist der, in dem man auf jeden Fall von Mitte März bis Ende Oktober die Heizung ganz abschalten kann, um bei dem von Ihnen genannten Zeitraum für die Heizungsunterstützung zu bleiben.

    Für Häuser die schlechter sind wird es voraussichtlich in wenigen Jahren eine Abwrackprämie geben, ähnlich wie die für Autos vor kurzer Zeit, weil eine energetische Sanierung kaum mehr sinnvoll möglich ist.
    Und ja, das betrifft sehr wohl Häuser, die jetzt vielleicht erst 10 oder 15 Jahre alt sind! Auch wenn das den stolzen Eigentümern nicht gefällt!

    Derartige Energieschleudern mit großformatigen Solaranlagen entgegen jeder tatsächlichen Wirtschaftlichkeit auf ein Pseudo-Energiesparniveau zu heben ist unter dem Aspekt des „my home is my castle“ zwar nachvollziehbar und auch jedem Nutzer selber überlassen, kann aber nicht Bestandteil einer zukunftsorientierten Wirtschaftlichkeitsbetrachtung sein.

    Wobei es natürlich bei Ausserachtlassung der puren Wirtschaftlichkeit nicht falsch ist, bei entsprechendem Budget eine größere Solaranlage zu installieren. Schließlich ist das alle mal sinnvoller als die Kupferdachrinne, die Sprossenfenster, das Krüppelwalmdach und sonstige mehr oder weniger schöne Details eines Hauses, deren Sinn normalerweise überhaupt nicht hinterfragt wird!

    Gruß
    Arno Kuschow

  3. Ulrich Trojan am 12. Mai 2010 um 13:36

    Hallo Zusammen!

    Der Kern der Aussage des Artikels deckt sich mit meiner Meinung, wurde aber (vor allem in der Überschrift) etwas zugespitzt und zu allgemein formuliert. Thermischen Solaranlagen, die vom Konzept her neben der reinen Brauchwassererwärmung dazu in der Lage sind die Heizung effektiv zu unterstützen gehört eindeutig die Zukunft.

    Aber in der gängigen Praxis ist eine vergleichsweise einfache Warmwasseranlage (aus Sicht der Planung, Auslegung, etc.) wahrscheinlich für einige selbsternannte Solarbetriebe leichter verkäuflich und somit „schnelles Geld“ 🙁 Das ist zumindest meine Vermutung, ich lass mich da gerne eines anderen belehren.

    Das Nachsehen hat dann der Kunde der sich später über nur geringe Einsparungen wundert und seinem Nachbarn im Folgeschluss von der Solarthermie abrät. Daher tenderie ich in der Regel zu größeren Solaranlagen mit Heizungsunterstützung und V.-Röhrenkollektoren…

    Sonnigen Gruß
    Ulrich Trojan

  4. Arno Kuschow am 15. Mai 2010 um 12:03

    …betrachten Sie doch bitte mal nicht die Solaranlage als alleiniges Zentrum Ihres Interesses, sondern das „Gesamtsystem Haus“ mit allen Komponenten und Qualitäten, das ganze natürlich hinterlegt mit einem Gesamtbudget!

    Wo kann ich was mit welchem Aufwand energieeffizienter machen und welche Auswirkungen hat das wiederum auf andere Teile des Systems…

    Eine Einsparung von 60 bis 90 € für das Warmwasser ist bei Gesamtaufwand von 300 bis 400 € jährlich für Energie in einem GUTEN Haus doch schon eine ganze Menge, mal so gesehen… und von dem kleinen Rest noch mal nennenswert über Solar einsparen dürfte schwierig werden.

    Dass eine thermische Solaranlage eigensicher ist und bei Überdimensionierung zu viel Energie im Sommer schadenfrei verträgt, kann auch kein Argument sein, dann ist doch eher eine Kombination mit zusätzlicher Photovoltaik sinnvoll, da kann man die Energie wenigstens ins Netz einspeisen, statt sie „auszusitzen“.

    Gruß
    Arno Kuschow

  5. Tillman Bott am 18. Mai 2010 um 14:06

    Hallo Herr Kuschow,

    ich habe gestern die bisherige Diskussion gelesen und sie ging mir doch so im Kopf herum, dass ich mich auch noch zu Wort melde.
    Ich fasse zunächst mal zusammen, was da bei mir hängen geblieben ist: große Solaranlagen mit Heizungsunterstützung rechnen sich nicht, weil deren Erträge gegenläufig zur Heizlast anfallen und sich die beiden Kurven bei einem Haus, das in Richtung Passivhaus geht praktisch nicht mehr schneiden.
    Und vor dem Einsatz von Erneuerbaren sollte immer eine Reduzierung der Heizlast stehen.
    Aber ist die Reduzierung im Bestand auf genanntes Passivhausniveau denn wirklich ein sinnvolles Ziel? Natürlich wäre eine großflächige Verbreitung dieses Standards wünschenswert, aber wie viel kostet diese Sanierung mehr, gegenüber der Sanierung auf EnEV 2009-Niveau, bei der die Heizkosten (heute) bei 850, statt bei 450€ liegen. Ist das wirtschaftlich und in der breiten Masse umsetzbar? Wenn es um die gesamtdeutschen Emissionen geht, dann ist es aber genau diese breite Masse der zu sanierenden Bestandsgebäude, um die es geht. Die paar Neubauten auf High-End-Niveau werden uns da nicht mehr retten, weil es angesichts der demographischen Entwicklung nicht mehr all zu viele geben wird und weil sie durch die zusätzliche Flächenversiegelung erst mal das gesamte in der oberen Humusschicht des Bodens gebundene CO2 freisetzen, egal wie effizient die Gebäude im Betrieb sind. Für wahrscheinlicher (und sinnvoller) als die Abwrackprämie fürs Haus halte ich wenn es wirklich ums Klima geht die CO2-Steuer pro Kopf, die ja bei unseren französischen Nachbarn auch tatsächlich schon auf der politischen Tagesordnung stand. Und bei der zahlt das kinderlose Paar im KfW-55 Haus mit 200m² mehr als die 4-Köpfige Familie, die mit 100m² im EnEV-Haus auskommt.

    Weiterhin kenne ich aus der praktischen Umsetzung Hindernisse für Passivhaussanierungen wie +Grenzbebauung-> keine außenliegende Dämmung möglich +kleine Fenster die nicht vergrößert werden können und bei passivhausmäßigen Dämmungen zu Schießscharten würden +Banken, die die zu erwartende Energiekosten-Einsparung nicht als freiwerdende Liquidität zur Kredittilgung anerkennen, so dass der Bauherr nicht ausreichend Bonität hat…
    Für all diese Gebäude, die zwar saniert, aber eben nicht auf den technisch ultimativ machbaren Stand gebracht werden, trifft die Argumentation von Hr. Leukefeld durchaus zu und die Anlage mit Heizungsunterstützung rechnet sich.
    Wenn wir so weit mit einem Großteil des Gebäudebestands wären, dann wäre auch die nachhaltige Energieversorgung auf nationaler Ebene möglich. Und das ist doch das eigentliche Ziel.

    Wird das Gebäude als Gesamtsystem betrachtet, gehört zur Solarthermie meiner Meinung nach übrigens auch Wasch- und Spülmaschine mit Warmwasseranschluss und dann ist durchaus auch bei der reinen WW-Anlage mehr Einsparung drin als 90€.

    So, zum Schluss allerdings auch noch ein Wort der Zustimmung: Dass die Kaufentscheidung für eine Solaranlage auf Grund einer umfassenden Betrachtung der jeweiligen Gebäudesituation getroffen wird, ist, wenn ich mir die Beispiele in meiner Umgebung anschaue, sicherlich noch die große Ausnahme.

    Viele Grüße,

    Tillman Bott

  6. Arno Kuschow am 20. Mai 2010 um 12:30

    Schön, so langsam kriegen wir alle Aspekte zusammen. Mein Startbeitrag kann nur einen Bruchteil der möglichen Ansätze und Ideen erfassen und ich bin „natürlich“ von meinem Ansatz des optimal energiesparenden Hauses möglichst in der Nähe des Passivhausstandards ausgegangen in dem sich Solarthermie so darstellt wie beschrieben, ebenso wie in einem umfassenden energetischen Sanierungskonzept so wie ich es sehe …

    aber sicher gibt es jede Menge Gebäude, die nicht wirklich gut energetisch sanierungsfähig sind und da kann eine größere Solarthermie selbstverständlich einiges kompensieren was an Energie aus der Gebäudehülle entfleucht und beim eigenen Haus stellt sich emotional bedingt meistens nicht die Frage, ob abreißen und neu bauen nicht vielleicht langfristig sinnvoller wäre – auch wenn diese Antwort auf die Frage nach einer energetischen Einschätzung des öfteren die Richtige wäre – aber das will der Auftraggeber des Energieberaters eher nicht hören!

    Und ja, das Bank-Thema ist ganz wichtig: auch im Neubau ist es sehr schwierig, die höhere Investition ins Verhältnis zu setzen mit den wesentlich geringeren Betriebskosten eines wirklich guten Hauses. Da werden die Bauherren mit eher niedrigem Budget in die langfristige Kostenfalle der steigenden Energiekosten gezwungen!

    Gruß
    Arno Kuschow

  7. Franz Bergen am 6. Juni 2010 um 08:32

    Hallo Herr Kuschow,

    jedermann ist einem speziellen Arbeitsgebiet verhaftet und orientiert seine Argumentation zu dessen Gunsten. Sie leben von der Vermarktung des Passivhauskonzepts, Herr Leukefeld und auch ich von der Vermarktung der Solarthermie.

    Das Passivhauskonzept ist für den Neubau bestimmt eine gute Lösungsmöglichkeit, die zu niedrigen Betriebskosten führt. Das Aktivhauskonzept und das Solarhaus 50+ mit jeweils hoher solarer Wärmebedarfsdeckung führt im Neubau zu vergleichbaren Baukosten und häufig geringeren Betriebskosten. Sie ermöglichen außerdem eine uneingeschränkte Wohn- und Nutzungsweise.

    Angesichts von derzeit etwa 1% Neubebauung pro Jahr, mit rückläufiger Tendenz auf Grund des demographischen Wandels, sollte man den Fokus der hiesigen Betrachtungen auf den Bestandsbau legen. Und da treibt es mir regelmäßig die Tränen in die Augen, wenn ich „nur“ eine Warmwassersolaranlage auf dem Dach sehe. Jede Warmwassersolaranlage bedeutet für mich im Vergleich zur Sonnenheizung verschenktes Potential (Faktor 5-10 bei einem Durchschnittsverbrauch im Gebäudebestand von 20.000 kWh).

    Wie auch Erfahrungen der DEGOWE in Berlin (Erfahrungen mit solarer Sanierung im mehrgeschossigen Wohnungsbau am Beispiel eines Projektes in Berlin-Wedding) gezeigt haben, ist im Bestandsbau die solare Sanierung um die Hälfte und mehr günstiger als der konventionelle, komplette bautechnische Wärmeschutz (z.B. bis zum Passivhaus) bei annähernd gleicher Primärenergieersparnis und amortisiert sich entsprechend früher. Außerdem bringt sie eine wesentlich bessere Anlagenaufwandzahl mit sich, die entscheidend für die Erfüllung künftiger Anpassungen der EnEV sein dürfte.

    Dabei ist die Wirtschaftlichkeit nur ein, wenn auch wichtiger, Teil der Betrachtung. Hinzu kommt die Unabhängigkeit von externen Energieversorgern (bis zu 100% im Neubau, im Altbau sind zur Zeit 50-60% solarer Deckungsgrad wirtschaftlich) und die komplette Schadstofffreiheit der solaren Energieversorgung bei Nutzung von erneuerbarem Strom für die Pumpen. Hätte jeder Haushalt eine solche Sonnenheizung (50-60%) könnten schon 40% der Haushalte mit der derzeit zur Verfügung stehenden Biomasse zuheizen. Bei noch größeren Sonnenheizungen wäre eine komplette Wärmeversorgung aller Haushalte mit Sonne und Biomasse möglich. Öl, Gas und Strom adé!

    Mit sonnigen Grüßen
    Franz Bergen

  8. Arno Kuschow am 6. Juni 2010 um 19:20

    Es geht uns doch beim vermarkten ganz genauso, egal ob Passivhaus oder Solarthermie: falsche Versprechungen, nicht einhaltbare Prognosen bringen vielleicht kurzfristig Verkaufserfolg, schaden aber langfristig, weil die jeweilige Technologie unglaubwürdig gemacht wird. Deshalb ist mein Passivhauskonzept auch nicht unbedingt identisch mit der dogmatischen reinen Passivhauslehre – dafür aber uneingeschränkt tauglich auch ohne Lehrgang zum richtigen benutzen eines Passivhauses.
    Ebenso betrachte ich die Solarthermie für den Einsatz in meinen Projekten, lerne dabei aber auch gern jeden Tag hinzu!
    Mein Stand ist, daß es eine Hierarchie von Maßnahmen gibt, die unter Kosten-Nutzen-Aspekten gelistet, die energetische Qualität eines Hauses definieren und da kommt halt zuerst die Ertüchtigung der Gebäudehülle und dann die Haustechnik, bei der dann irgendwo natürlich auch die Solarthermie…… aber eben erst mal die Gebäudehülle und alles andere danach.
    Dass die Solarthermie in Bezug auf die Primärenergie natürlich Punkte macht ist klar, das ist auch der erste Grund weshalb selbst auf mittelmäßigen Neubauten Solarthermie schon fast Standard ist – so kriegt Maurermeister Hönneknöfel halt noch seinen Steinzeitbau durch die EnEV.
    Bezüglich der Bestandsgebäude habe ich mich schon an anderer Stelle dahin gehend geäussert, dass durch die steigenden Anforderungen der EnEV und steigende Energiepreise schon relativ junge Häuser schnell zu energetisch unvertretbaren Altbauten werden, dazu kommt die ständige Veränderung der Anforderungen was Raumaufteilung, Wohnungsgrößen und allgemeine technische Ausstattung geht. So ein Haus noch weiter über 50 Jahre abzuschreiben halte ich für waagemutig, also auch die Energiekostenhochrechnungen im Verhältnis zur Investition über einen derart langen Zeitraum……….
    aber bitte nicht mißverstehen: ich habe nichts gegen Solarthermie, ganz im Gegenteil, ich möchte nur, daß dafür ebenso verantwortungsvoll geworben werden soll wie ich mir das auch für Wärmepumpen zum Beispiel wünsche. Auch da wird zu oft in allgemeiner Form versprochen, was nur unter Einhaltung von sehr speziellen Eckwerten eingehalten werden kann, mit den Negativfolgen einer schlechten Presse, für die die eigentlich gute Technik nichts kann.
    Gruß
    Arno Kuschow

  9. Kai am 9. Februar 2011 um 21:12

    Hallo,

    sehr interessante Diskussion. Ich finde man sollte so ein Thema auch unter ökologischen Aspekten betrachten. Jede kwh WW über regenerative Energien erzeugt ist OK. Dass sich das oftmals nicht rechnet, auch gut, aber wenn es der Umwelt gut tut – auch gut.

    Mir fehlen noch einige wichtige Gegenargumente zur Solarthermie:

    1.) Platzbedarf. Viele Leute haben keinen Platz für einen 300 Liter Speicher usw.
    2.) unerwünschte Überschußwärme im Sommer durch den WW-Speicher in einer hoch gedämmten Gebäudehülle ist auch kein Spaß.

    Die Amortisation kann man nur beurteilen, wenn der WW-Verbrauch bekannt ist.

    Bei uns ist er mit 3 Personen gemessene 2000 kWh im Jahr. Davon kann ich ca. 60% mit einem Standardpaket aus StiWa solar decken. Das sind dann 1200 kwh. Die kWh Gas kostet hier 5,4 cent zur Zeit, also geht es um ca. 70 Euro bei WW. Dafür kann man eine schöne Wagner Anlage für 3700 Euro kaufen + Einbau vielleicht 4500 Euro. 4500 Euro ergeben bei 3,65% Zins schon mal 164 Euro pro Jahr.

    Also habe ich konkret ein Verlustgeschäft gemacht, würde ich in eine thermische WW-Solaranlage investieren. Strom- und Wartungskosten der Anlage nicht mitgerechnet.

    Trotzdem würde ichs machen, wenn ich nicht meine ganze Dachfläche mit PV vollgebaut hätte 🙂

    Und jetzt mal eine Idee: Für WW ist PV meiner Meinung nach ideal!
    Eine BW-Luftwärmepumpe im Hauswirtschaftsraum, die das Haus noch kühlt im Sommer, betrieben durch PV Strom. Damit kann locker von Februar bis November WW-bereitet werden, aus eigener Stromproduktion. Und das Teil ist wesentlich günstiger und wartungsärmer als eine thermische WW-Solaranlage. Ca. 3000 Euro komplett. Wartungskosten: Keine

    Gruß, Kai

  10. Arno Kuschow am 10. Februar 2011 um 11:21

    Hallo Kai,
    also eine günstigere und einfacher funktionierende Anlage nehmen. Da Du mit Markennamen angefangen hast bringe ich jetzt auch mal ein Beispiel: Calpak Thermosiphon-Anlage, z.B. „selektive 160 2 GA“. Kosten Material um die 1.500,- € plus ein bisschen Montage ergibt bei Deiner Zinsberechnung dann vielleicht eine „schwarze Null“. Ist aber eben kein hightec sondern Reduzierung auf die wesentliche Funktion!
    Und klar, Photovoltaik auf die großen Flächen!
    Gruß
    Arno Kuschow

  11. Nico am 26. August 2011 um 14:36

    Für Wirtschaftlichkeit von Solarthermieanlagen ist nicht nur die Sonneneinstrahlung eines Standortes entscheidend. Die Amortisationszeit einer Solarthermieanlage hängt wesentlich vom Warmwasserverbrauch der Nutzer ab. Da diese unter 10% der Energiekosten verursachen, sind die zusätzlichen Investitions- und Wartungskosten neben einer vorhanden Gebäudeheizung, die ebenfalls der Warmwassererzeugung dienen kann, meist nicht wirtschaftlich. Insbesondere in Haushalten mit wenigen Nutzern pro beheiztem Volumen wie freistehenden Einfamilienhäuser ist ein wirtschaftlicher Einsatz auf Neubauten mit sehr guter Wärmedämmung und Heizungen mit niedriger Vorlauftemperatur eingeschränkt. Anbieter von Solarthermieanlagen haben in der Vergangenheit wiederholt irreführende Werbung für ihre Anlagen verbreitet und Kunden über die tatsächliche Wirtschaftlichkeit getäuscht.

  12. Alexander Hirschfeld am 28. August 2011 um 21:11

    Aber in der gängigen Praxis ist eine vergleichsweise einfache Warmwasseranlage (aus Sicht der Planung, Auslegung, etc.) wahrscheinlich für einige selbsternannte Solarbetriebe leichter verkäuflich und somit “schnelles Geld” Das ist zumindest meine Vermutung, ich lass mich da gerne eines anderen belehren.

  13. […] In den letzten Jahren hat sich die technologische Entwicklung auf dem Markt für solarthermische Anlagen erheblich weiter entwickelt. Wer hier für seine eigene Immobilie, egal ob Einfamilien- oder Mehrfamilienhaus die Möglichkeit der Energieeinsparung nutzen will, der braucht einen starken Partner mit langjähriger Erfahrung an seiner Seite. […]

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